Biederitz l Einen Skandal witterten die Grundschüler in Biederitz bereits, als sie im Zuge einer Ausarbeitung zum Landkreis entdeckten, dass auf dem Wappen des Kreises gar kein Kranich abgebildet sein kann. Vielmehr, so verriet Maya, muss es sich aufgrund der roten Füße und des langen roten Schnabels um einen Schwarzstorch handeln. Um die Sache zu untersuchen, machten sich die Grundschüler daran, dem Landrat einen Brief zu schreiben und ihn um Aufklärung zu bitten. Steffen Burchhardt ließ sich tatsächlich nicht lange bitten und kam einfach selbst im Klassenraum vorbei, um mit den Drittklässlern das scheinbare Problem zu besprechen und mit ihnen zugleich eine ganz besondere Sachunterrichtsstunde durchzuführen.

Entdeckung mit Folgen

Die Grundschüler waren sich sicher, ihre Entdeckung würde Folgen haben. Sie mutmaßten bereits, dass der Landkreis ein neues Wappen braucht oder zumindest zugegeben werden muss, dass es sich eben nicht um einen Kranich, sondern um einen Schwarzstorch handelt. Der Landrat, der früher selbst als Dozent tätig war, wiegelte ab. „Das Wappen zu ändern, ist gar nicht so einfach“, erklärte er den aufgeweckten Grundschülern. Die hatten das im Vorfeld schon geahnt. „Da geht es doch um die Erkennbarkeit“, meinten sie schon vor Unterrichtsbeginn. So unrecht hatten sie damit gar nicht, denn der Landrat erklärte, wie es zum Wappen kam. „Das Wappen wurde gestaltet, als der Landkreis neu gegründet wurde. Damals hat ein Fachmann für Wappen, ein Heraldiker, diesen Vogel gezeichnet und es dabei nicht so ganz genau genommen.“

Burchhardt erklärte weiter, dass es sich auf dem Wappen des Landkreises um ein Fabelwesen handeln würde, das aus grafischer Sicht eben keinen grauen Körper, keine schwarzen Beine und keinen schwarzen Schnabel bekommen hätte, die so typisch für den Kranich sind. Und der Landrat hatte gleich noch einen Hinweis für die Drittklässler parat. „Der Schwanz unseres Wappentiers ist doch der des Kranichs und der repräsentiert, ebenso wie der Storch, unseren Landkreis“, meinte er und verwies dabei auf den Storchenhof in Loburg, der in ganz Deutschland für seine Arbeit bekannt wäre. Zudem, so Burchhardt weiter, gäbe es im Landkreis Jerichower Land, flächenmäßig betrachtet, auch die meisten Störche in ganz Deutschland.

Vergleichsbilder gefunden

Den Drittklässlern, die extra Vergleichsbilder an die Tafel gehangen hatten, reichten diese Ausführungen, um ihre „Forderungen“ zurückzunehmen. Dennoch bot der Landrat an: „Ihr könnt euch ja einen Namen für unser Wappentier überlegen und mir eure Vorschläge dann schicken. Ich werde diese dann prüfen und veröffentlichen, vielleicht eine Umfrage nach dem besten Namen starten.“

Das Ergebnis der Unterrichtsstunde, in der auch die anderen wichtigen Tiere im Landkreis besprochen wurden, lautete am Ende: Der Storch auf dem Wappen bleibt ein Kranich, wenn auch einer aus künstlerischer Freiheit heraus gestalteter. Ein neues Wappen wird es nicht geben und der Storch wird auch nicht das neue Wappentier des Landkreises. Die Hausaufgabe für die Grundschüler: Schaut euch andere Wappen an und vergleicht die darauf befindlichen Tiere mit den echten.