Burg l Erika Elsholz-Sachs ist erleichtert. Anfang der Woche habe Arbeitsministerin Petra Grimm-Benne (SPD) klargestellt, dass am 4. Mai nicht nur die Friseure, sondern auch die Kosmetik-, Nagel, und Tattoostudios wieder öffnen dürfen. „Das war eine ganz wichtige Botschaft, denn auch das sind zumeist kleine Geschäfte, die um ihre Existenz bangen“, sagte die Obermeisterin der Friseurinnung Magdeburg-Jerichower Land im Gespräch mit der Volksstimme. Zumindest sei geplant, das als Gesamtpaket zu sehen, wie Ute Albersmann, Pressesprecherin im Arbeitsministerium, der Volksstimme bestätigte.

In knapp zwei Wochen sollen die Geschäfte wieder öffnen dürfen, allerdings unter strengen Hygiene und Abstandsanforderungen. „Das ist überhaupt kein Problem, damit haben wir uns schon beschäftigt, das kann umgesetzt werden“, meinte die Obermeisterin. Wartesituationen müssten verhindert werden, das kann durch Terminregelung erfolgen. Um den Abstand zu gewährleisten, würden die Arbeitsplätze auseinandergezogen, aus Dreier- Zweierreihen gemacht. Für Mundschutz und Desinfektionsmittel werde auch gesorgt sein.

Haare müssen gewaschen werden

Eine weitere Vorschrift besagt, dass keine Trockenhaarschnitte angeboten werden dürfen, die Haare grundsätzlich gewaschen werden müssen. Auch dafür würden an den sogenannten Rückwärtswaschbecken Vorkehrungen getroffen. „Da wird es dann Plexiglas-trennscheiben geben, wie man sie jetzt schon vom Einkaufen kennt“, erklärte Elsholz-Sachs. Üblicherweise würden Kindern die Haare trocken geschnitten und wegen der Wiederaufnahme des Schulbetriebs rechnet sie mit einer Menge junger Kunden – doch das gehe momentan nicht.

Kinderbetreuung macht Sorge

Während ihr die Umsetzung der Vorschriften keine Kopfschmerzen bereitet, so macht sie sich aber andere Gedanken. „Viele Friseurinnen sind auch junge Muttis, die Probleme haben, ihre Kinder unterzubringen“, sagt Elsholz-Sachs. Friseure gehören nicht zu den sogenannten systemrelevanten Berufen, für die eine Notbetreuung zur Verfügung gestellt wird. „Das ist ein Riesenproblem, vielleicht könnte man nochmal über die Erweiterung der Berufsgruppen nachdenken“, appellierte sie an die Politik. Besondere Bedeutung komme der Betreuung auch deshalb zu, da die Öffnungszeiten erweitert würden, um die Kundenströme regeln zu können.

Lieber warten statt selbst schneiden

Erika Elsholz-Sachs bittet auch diejenigen noch um etwas Geduld, die schon längere Zeit nicht mehr beim Friseur gewesen und nun mit ihrem Aussehen absolut unzufrieden seien. Durchschnittlich würden sich Frauen und Männer alle fünf Wochen einen Schnitt verpassen lassen. Auf keinen Fall solle man selbst zur Schere greifen. „Die Herren sollen sich ein Basecap aufsetzen, die Damen einfach noch etwas warten“, sagte sie ein wenig verschmitzt. Die Kosmetikbetriebe träfen in der Zeit alle notwendigen Vorkehrungen. Und optimistisch schloss sie das Gespräch auch ab: „Wo ein Wille ist, ist ein Weg, und wir wollen“.

So optimistisch klingen auch die Chefinnen von zwei Burger Friseursalons. „Wir haben ja ohnehin schon strenge Hygienevorschriften, allein, was das Werkzeug angeht“, meinte Beatrice Georgiew von „La Vida Hair“. Natürlich bedeuten die Vorschriften auch, dass die Organisation des Geschäftes ganz anders laufen muss. Es gebe keinen Wartebereich mehr, keine Zeitschriften keine Getränke. Also all die kleinen Dinge, die den Besuch in einem Friseursalon noch persönlicher machen. Das Persönliche müsse dann eben anders herübergebracht werden. Der größte Teil seien Bestandskunden. „Zu denen haben wir auch in den vergangenen Wochen telefonisch Kontakt gehalten“, erzählte sie. Das sei für beide Seiten schön gewesen. Für die Zeit ab dem 4. Mai rechnet sie mit einem großen Kundenansturm, schließlich würden die Kunden jetzt schon warten.

Friseure vermissen das Persönliche

Das sieht Stefanie Knak von der „Glückssträhne“ ganz genauso. „Der Mai war eigentlich ohnehin schon ausgebucht“, erzählte sie. Da hoffe sie dann auf das Verständnis der Kunden, die erstmal keinen Termin bekommen können. Auch sie wird das Persönliche vermissen, „manche Kunden kenne ich schon seit zehn Jahren, da begrüßt man sich sonst herzlich, kommt sich auch beim Erzählen nahe“, meinte sie. Das Umorganisieren selbst sieht sie nicht als Problem, eher schon die Frage, ob es genügend Mundschutzmasken und Desinfektionsmittel geben wird.

Auch sie sprach das Thema Kinderbetreuung an. „Ich habe eine Mitarbeiterin, die nicht weiß, wo sie ihr kleines Kind unterbringen soll“, nannte sie ein Beispiel. Der Mann sei auch berufstätig, eine Notbetreuung nicht möglich. Das sei definitiv ein größeres Problem, als den Platz nach jedem Kunden gründlich zu desinfizieren.