Dornburg/Gommern l Der zusätzliche Platz soll unter anderem als Kreativstube und für Vereinsräume genutzt werden. Fördermittel werden beantragt.

Schäden von etwa 10.000 Euro hat der Waschbär angerichtet, der sich zwischenzeitlich im Obergeschoss des Dornburger Dorfgemeinschaftshauses einquartiert hatte. Im Moment ist Ruhe. Eine Vergrämungsanlage, für die Egbert Platte (SPD) gesorgt hatte, erfüllt ihre Aufgabe ordentlich.

Das Obergeschoss endgültig vom Waschbären zu befreien, hatte sich die Stadt Gommern 2019 vorgenommen. Die Dornburger sind der Verwaltung mit ihrem eigenen Vorschlag zuvorgekommen. Sie möchten das Obergeschoss nicht nur Waschbären-dicht verschließen, sondern für verschiedenste Angebote nutzen können und entsprechend ausbauen. Dafür wurde auch ein Förderprogramm der Investitionsbank Sachsen-Anhalt gefunden. Maximal Kosten in Höhe von 100.000 Euro werden gefördert. Die Förderquote beträgt 80 Prozent.

Leben in das Haus zu bringen, sei Voraussetzung für die Fördermittel, erklärte Claudia Paluszkiewicz die gemeinsam mit Ortsbürgermeister Andreas Steinz (Freie Wählergemeinschaft Dornburg) das Projekt dem Gommeraner Bürgermeister Jens Hünerbein (parteilos) vorgestellt hatte. Sie sagte aber auch, dass dazu das Engagement vieler Dornburger gebraucht werde.

Eine detaillierte Kostenschätzung ist ebenfalls Voraussetzung, um die Förderung zu beantragen. Ein Architekt aus der Einheitsgemeinde hat die Unterlagen angefertigt. Er geht von Kosten in Höhe von rund 110.000 Euro aus. Das würde einen Dornburger Eigenanteil von 30.000 Euro bedeuten. 18.000 Euro kann der Ortschaftsrat selbst dazu steuern, in dem der Ausbau des Gehweges zwischen Schloss und Kirche um ein weiteres Jahr verschoben wird. Die restlichen 12.000 Euro müssten aus dem Stadthaushalt finanziert werden.

„Das macht nur Sinn, wenn die Räume tatsächlich mit Leben erfüllt werden“, sagte Jens Hünerbein vor dem Dornburger Ortschaftsrat. „In tote Räume brauchen wir kein Geld zu stecken.“ Bislang sei das Erdgeschoss für Dornburg bedarfsgerecht.

Kreativstube

Mit einer Kreativstube, in der gemeinsam unter anderem gebastelt werden kann, Platz für die Wasserwehr, die Gymnastikgruppe und die Vereine des Ortes soll das Obergeschoss mit Leben gefüllt werden. Vorstellbar wäre auch eine Ausstellung über die Geschichte des Dorfes. Das Dornburger Schloss befindet sich gleich nebenan, der Elberadweg bringt nicht wenige Touristen ins Dorf: Die Nachfrage wäre mindestens in den Sommermonaten da.

Der Ausbau des Obergeschosses umfasst den Innenausbau der Räume, Sanierung der Fenster und die Erweiterung der Heizung, wenn eine Etage mehr mitversorgt werden soll. Außerdem ist die Elektroanlage zu erneuern.

„Das Dach ist überhaupt nicht isoliert“, wies Andreas Steinz hin. Er teilte die Ansicht des Stadtbürgermeisters: Nehme Gommern das Geld für die obere Etage in die Hand, müssen die Dornburger die zusätzlichen Räume auch nutzen. Für den Fall, dass die Kosten aus dem Ruder laufen sollten, weil Arbeiten notwendig werden, die jetzt noch nicht absehbar seien, schlug er vor, nicht das gesamte Obergeschoss auszubauen. Eine Ausbaureserve für diesen Fall konnte sich auch Jens Hünerbein vorstellen. Er informierte, dass für den Ausbau eine denkmalschutzrechtliche Genehmigung notwendig sei. Und er machte darauf aufmerksam, dass die Stadt daran interessiert sei, dass sich die Nutzer später an den Betriebskosten beteiligen.

Die Mitglieder des Dornburger Ortschaftsrates sprachen sich einstimmig für das Projekt aus. Dem folgte der Stadtrat Gommern mit einem identischen Votum. Inzwischen war auch geklärt, woher die Stadt die fehlenden 12.000 Euro nehmen will: Vom Kommunal-Impuls des Landes Sachsen-Anhalt, der 74.000 Euro 2019 zusätzlich an die Ehle bringt.