Kämkerhorst. Der Drömling – unendliche Weiten. Dies sind die Abenteuer der Moorwichtel und Junior-Ranger, auf ihrer Reise durch fremde Welten, um neues Leben und um neue Zivilisationen zu erforschen, wo noch nie zuvor ein Mensch gewesen ist. Aber Scherz beiseite: Ganz so wie beim Raumschiff Enterprise, dessen Serienintro hier für die Einleitung abgewandelt wurde, geht es im Drömling natürlich nicht zu.

Etwa 340 Quadratkilometer groß und an der Grenze zwischen Sachsen-Anhalt und Niedersachsen gelegen, ist der Drömling heute ein Rückzugsgebiet für seltene oder vom Aussterben bedrohte Tier- und Pflanzenarten. Mehr als 8000 Besucher bestaunen jährlich das Naturschutzgebiet, und dazu muss es auch instand gehalten und gepflegt werden. Dafür ist unter anderem Fred Braumann zuständig. Der 53-Jährige ist Leiter der Naturparkverwaltung und zeigte der Volksstimme das Informationszentrum Drömling in Kämkerhorst.

„Das Informationshaus wurde 1791 als Grabenmeisterei erbaut. So konnte der Grabenmeister Unterhaltungsarbeiten an den Gräben anleiten und die Stauanlagen in kurzer Zeit erreichen und bedienen. Heute haben wir hier im Haus eine Ausstellung mit den Lebensräumen im Drömling, wie zum Beispiel die Biberburg. In der Außenanlage haben wir ebenfalls drömlingstypische Landschaftsbestandteile errichtet, die von den Besuchern erkundet werden können,“ erklärt der Haldensleber.

Bilder

Kräutergarten

Im Inneren des Hauses befinden sich eine Menge Tierpräparate und weitere Dinge, die einem die Geschichte des Drömlings näher bringen. Sogar ein Kino, in dem die Besucher Filme zu der Entstehung und der Tier- und Pflanzenwelt schauen können, ist vorhanden. Und auch außerhalb des Informationshauses gibt es viel zu bestaunen. Rundwanderwege mit Stationen für den Audio-Guide, ein großer Teich, Tiergehege mit Schafen und ein Grillplatz mit Ofen stehen für Ranger und Besucher parat. „Die Kinder können hier eigenes Brot backen. Dazu können sie auch in unseren eigenen Kräutergarten gehen und Gewürze sammeln. Vor allem zum Herrentag ist es bei uns gut gefüllt. Viele Väter kommen mit dem Rad vorbei und machen kurz Rast. Und für die Frauen und Kinder veranstalten wir hier ein großes Familienfest mit Grill und Spielen,“ freut sich Braumann.

Außerdem kommen viele Studentengruppen, um für ihre Studiengänge Erfahrungen zu sammeln: „Wir hatten hier schon Geobotanikstudenten aus Halle, Landschaftspfleger von der Hochschule Anhalt und Wasserwirtschaftsstudenten von der Hochschule Magdeburg. Hier können sie die Theorie in die Praxis umsetzen.“

Junior-Ranger aktiv

Der große Teich soll noch vor dem Winteranfang entschlammt werden, damit wieder mehr Platz für Fische, Frösche und Lurche da ist. Dafür zuständig sind unter anderem die Junior-Ranger und Moorwichtel. Im Gegensatz zu den gestandenen erwachsenen Rangern lernen sie die Welt des Drömlings gerade erst kennen. Die Moorwichtel sind die jüngsten Ranger. Für sie sind die Altersgruppen fünf bis sieben Jahre vorgesehen. Ab sieben Jahren darf man bei den Junior-Rangern teilnehmen. Um sie kümmert sich der Naturschutzbeauftragte und Ranger Ulf Damm. Der Hilgesdorfer fasst die Aufgaben der Kleinsten kurz zusammen: „Auf dem Weg zum Ranger müssen sie einige Juniorrangerprojekte absolvieren und sich Abzeichen verdienen. Dazu zählen unter anderem das Beringen von Fledermäusen, die Bibererfassung, die Fischotterkartierung und viele weitere Projekte. Besonders interessant ist das jährliche Überlebenscamp. Wir schlafen unter freiem Himmel, grillen über offenem Feuer und machen unsere eigene Kräuterbutter. Für das Camp dürfen sich die Junior-Ranger lediglich fünf Dinge mitnehmen. Dazu zählen auch schon Schlafsack und Zahnbürste. Handys und andere elektronische Geräte sind dabei natürlich untersagt.“

Die Volksstimme durfte eines dieser Projekte begleiten. Ulf Damm und seine Junior-Ranger nahmen die Rastvogelzählung in Angriff. Die Gruppe von Kindern der dritten und vierten Klasse der Grundschule An der Aller in Oebisfelde machten sich auf, um Saatgänse zu finden und zu zählen. Mit dicken Regenjacken und festem Schuhwerk machten sie sich so auf den Weg in die Wildnis des Naturparks Drömling. Außerdem hatte Ranger Damm für jeden einen Feldstecher dabei. „Wir haben derzeit drei Junior-Rangergruppen und eine Mini-Rangergruppe, die Moorwichtel. Heute machen wir uns mit Ferngläsern auf den Weg zum See, um die Saatgänse zu beobachten und zu zählen.“

Der Drömling ist sogar weit über die deutschen Landesgrenzen bekannt, wie Damm berichtet: „Einmal im Jahr findet bei uns ein Jugendaustausch statt. Wir haben eine enge Freundschaft zu den Rangern eines Parks in Polen aufgebaut und seit einigen Jahren fahren wir entweder eine Woche zu ihnen oder sie kommen eine Woche zu uns in den Drömling.“ So geschehen im Juli dieses Jahres. Die polnischen Gäste wurden am Braunschweiger Bahnhof abgeholt und durften sich über ein buntes Programm in und um den Naturpark freuen. So gab es neben Führungen durch den Drömling auch einen Bowlingabend in Flechtingen oder einen Besuch der Landeshauptstadt Magdeburg. Damm selbst liebt seinen Job als Naturschutzbeauftragter: „Es macht wirklich Spaß in der Natur zu sein, auch wenn ich hin und wieder dennoch am Computer sitzen muss. Häufig habe ich draußen sogar meinen Hund dabei.“

Er ist eben ein echter Naturbursche, und das schlägt sich auch in seinen Urlaubszielen nieder: „Wenn ich allein oder mit Freunden unterwegs bin, geht es häufig nach Polen oder Rumänien in die Karpaten. Zusammen mit meiner Frau sieht das etwas anders aus: Dann geht es natürlich eher an den Strand.“

Ein gemeinsames Anliegen von Ulf Damm und Fred Braumann ist es, den Tourismus rund um den Naturpark Drömling zu fördern und zu einem Biossphärenreservat ernannt zu werden. „Das geht jedoch nur in Zusammenarbeit mit dem Land Niedersachsen, da ein Fünftel des Drömlings in Niedersachsen liegt und nur der gesamte Park zu einem Biossphärenreservat ernannt werden kann. Aber wir sind auf einem guten Weg,“ erklärt Fred Braumann.

Für die nahe Zukunft sind bereits neue Rundkurse für Fahrradfahrer und Wanderer erstellt worden: „Diese sind immer etwas auf die jeweilige Gemeinde bezogen, so haben wir uns zum Beispiel den Miester-Kolonisten-Weg ausgedacht,“ stellt Braumann vor. Das frühere Sumpfgebiet wurde schließlich bereits im 18. Jahrhundert auf Anweisung Friedrichs des Großen durch Entwässerung von einer Natur- in eine Kulturlandschaft umgewandelt, um Menschen in das Gebiet zu locken. Und wer möchte einem ehemaligen König Preußens schon widersprechen?