Jerchel l Jeder fängt mal klein an. Stefan Hartmann macht da keine Ausnahme. Auch seine Ausstattung an Silvesterböllern glich in früheren Jahren denen aller anderen Familienväter – nun gut, vielleicht war es ein bisschen mehr. Denn das Feuerwerk ließ sein Herz immer ein bisschen schneller schlagen. „Jedes Jahr wurde es Silvester ein bisschen größer“, gibt er heute lachend zu. Und irgendwann reicht ihm die normale Pyrotechnik auch nicht mehr aus: „Es war einfach Leidenschaft!“

Bild entsteht vorher im Kopf

Stefan Hartmann hilft daraufhin Profis, ihre Großfeuerwerke aufzubauen. Denn das ist Voraussetzung dafür, dass er sich in einem bayerischen Institut zu einem Lehrgang für Großfeuerwerker anmelden darf. An mindestens 26 Großfeuerwerken muss man sich nämlich beteiligt haben, bevor man dort überhaupt zugelassen wird. Der Lehrgang selbst dauert dann nur noch eine Woche. Seit August 2014 darf Hartmann nun selbst an die großen Kracher. Mittlerweile ist er Großfeuerwerker und Pyrotechniker und hat das Ganze auch noch als zweites Standbein in seine eigene Firma integriert. Sonst betreut der Entwicklungsingenieur Projekte im Bereich Fahrzeugbau und der Luft- und Raumfahrttechnik. Nun bietet sein Unternehmen auch noch „Großfeuerwerke und Spezialeffekte für Funk und Fernsehen“ mit an. Ein Traum hat sich erfüllt. „Jetzt würde ich am liebsten nur noch Feuerwerk machen“, gibt er augenzwinkernd zu.

Das allerdings geht dann doch noch nicht. „Die schnelle Mark“ mache man damit nämlich nicht, versichert der Jercheler. Der Spaß indes ist ungebrochen. Am liebsten programmiert er übrigens mittlerweile Hochzeitsfeuerwerke. Etliche Brautpaare in der Altmark und darüber hinaus hat er mit so einem Kunstwerk aus Musik und Funken schon glücklich gemacht. Denn längst sind es nicht nur Fontänen oder Funkenregen – Hartmann kann sogar Herzen in der Luft explodieren lassen und Namen aus Feuer zaubern. „Man muss viel Fantasie haben, sich das schon vorher im Kopf vorstellen können“, sagt er. Die Umsetzung dauert dann meist mehrere Wochen, der Aufbau viele Stunden.

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"Feuerwerk ist und bleibt gefährlich"

Obwohl er mittlerweile Profi ist: Der Moment, bevor es losgeht, ist für ihn selbst immer noch ein spannend, gibt er zu. Schließlich soll ja alles auf den Punkt genau leuchten und sprühen. Und auch sein Team ist dann angespannt. Dazu gehört auch oft Ehefrau Cindy, die in seiner Firma mitarbeitet und ihre eigene Lizenz mittlerweile bei ihm erworben hat. Mit ihr hat er in diesem Jahr erstmals auch einen Silvesterböllerverkauf organisiert.

Ach ja: Ein Familienmitglied, dass es später vielleicht weiter krachen lässt, gibt es auch schon: Söhnchen Jason kriegt nämlich auch leuchtende Augen beim Thema Feuerwerk. Allein darf er aber noch nicht einmal eine Wunderkerze anzünden. „Er ist fünf“, sagt der Papa, „er bekommt noch kein Feuerzeug in die Hand.“ Feuerwerk sei und bleibe nämlich gefährlich, versichert der Profi. Deshalb verwende er auch nur qualitativ hochwertiges Feuerwerk. Noch besser wäre aber natürlich selber machen: „Ich liebäugele schon mit einem Herstellerschein!“