24-Stunden-Simsonrennen in Vahrholz

Abgas, Schlamm und Spaß

Von Gesine Biermann

Vahrholz. Punkt 13 Uhr fiel der Startschuss. Für die Fahrer der ersten Runde hieß es dann erst einmal: Laufen vorm Fahren. Beim sogenannten Le-Mans-Start gibt es nämlich keine Poolposition: Alle Fahrer haben dieselbe Chance. Wer nach dem Sprint bei seiner Maschine ankam, knatterte los auf der rund 1,7 Kilometer langen Strecke, die mit jeder Runde matschiger wurde.

Und auch das reichliche Nass von oben machte es den Männern nicht eben leicht: "Die Jungs müssen richtig kämpfen", bestätigte Moderator Roland Kramp. Sohn Steffen, der mit ihm für Durchsagen und Beschallung zuständig zeichnete, konnte die Anstrengung sogar beziffern: "Im vergangenen Jahr brauchten sie rund zwei Minuten für eine Runde. In diesem Jahr sind es über fünf", so Kramp Junior. Und zwinkernd: "Dafür staubt es aber wenigstens nicht."

Mit Humor nahmen schließlich auch die meisten Teams das Wetter. Nach einer halben Stunde Fahrt nach dem Zustand der Strecke befragt, fand Jörn Heidrich vom MSC Altmersleben zwar ein gutes deutsches Schimpfwort angebracht. Sein lachendes Gesicht strafte ihn aber Lügen.

Mit einem Bierchen und guter Laune boten auch die Fahrer der GST Altmersleben dem Wetter Paroli. Sie einte zudem ihre stilechte GST-Uniform.

Auf Gemütlichkeit und gutes Essen setzten schließlich die Kuseyer. Während Teamleiterin Stefanie Ricke ihre "Jungs moralisch aufbaute", kümmerte sich Mama Nicole Ricke darum, dass alle ordentlich zu essen bekamen. Natürlich stilecht im Zelt mit Sofa und Teppichboden.

Schlafgelegenheiten gab es aber natürlich ohnehin in allen Lagern. Auch wenn für manchen der Fahrer nachts zuweilen nur mal ein halbes Stündchen Ausruhen drin war – eben je nach Besetzung: "Mindestens vier Fahrer pro Team sind vorgeschrieben, wer mehr mitbringt, um so besser für sie", erläuterte Rennleitungsmitglied Daniel Roitsch aus Engersen.

Pro Team war indes jeweils nur eine Maschine zugelassen. Die konnten die Mechaniker in den Zelten beim Boxenstopp zwar mit Verschleißteilen und sogar "mit einem neuen Motor" ausstatten, wie Roitsch erklärte, "der Rahmen muss allerdings derselbe bleiben." An dem nämlich war vor dem Rennen ein sogenannter Transponder befestigt worden, dessen Signal wiederum die komplizierte Technik von Dominik Spahr im Zielwagen registrierte.

Der Experte für Motorsportzeitnahme war im Auftrag des 1. FCKW (Fußballclub Kalbe-Wernstedt) extra aus Schleswig angereist, um eine professionelle Zählung zu garantieren. "Immer, wenn eine Maschine eine Runde durch ist, piept es", erklärte er die Geräusche in seinem Wagen. Ein Laptop an einem Fenster informierte die Teams laufend über ihre Rundenzahl. "Das haben alle ganz schnell spitzgekriegt", stellte er schmunzelnd fest.

Um die restliche Technik, einschließlich Flutlichtanlage für die Nacht sowie die komplette Ablaufplanung, hatten sich die Altmärker hingegen wieder selbst gekümmert. Welch ein immenser personeller und organisatorischer Aufwand und wie viel Engagement dahintersteckt, vermochte wohl keiner der vielen begeisterten Gäste und Teammitglieder einzuschätzen. Besucher und Beteiligte dankten es den Organisatoren indes damit, dass sie gute Laune behielten und sie dem Schlamm und Regen tapfer trotzten.

Gelbe Säcke, mit Paketband verklebt, wurden dabei übrigens zum Allroundkleidungsstück, das einige Fahrer unter, andere aber auch über ihrer Rennkleidung trugen. So manchem wehte eine Mülltüte wie ein Cape um die Schulter, was natürlich bei den Besuchern für Schmunzeln sorgte.

Während sich die Teammitglieder meist selbst versorgten, war schließlich auch an die Besucher gedacht worden. Neben einem großen Versorgungszelt sorgten Christian Schulze und Steffen Giese im Ausschank für Bier und kühle Flüssigkeiten. Dass beide ihre Kunden mit Helm bewirteten, kam bei den Besuchern aber mindestens ebenso gut an wie die Idee, für ganz Durchgefrorene auch Glühwein anzubieten.

Ganz übernächtigt waren die Fahrer schließlich am Sonntagmittag. Die Siegerehrung indes machte alle wieder wach: Den großen Pokal nahm übrigens die Mannschaft mit dem längsten Namen, nämlich "Tino Redemann powered by Achim Hebestreit Brennstoffe Kirchworbis" mit nach Hause. Deren Fahrer schafften 419 Runden und somit 704 Kilometer. Zweite wurde das Team "Baustoffhandel Janus" mit 391 Runden, ebenfalls aus Eichsfeld, dritte wurde "Simson Hottendorf" mit 361 Runden. Alle Teams erhielten Urkunden.