Beisetzung

Abschied mit einfühlsamen Worten: Elisabeth Schönegge aus Gardelegen absolviert sechswöchige Ausbildung zur Trauerrednerin

Wer christlichen Glaubens war, an den erinnert der Pfarrer mit einfühlsamen Worten während der Trauerfeier zur Beisetzung. Freie Redner übernehmen dies, wenn je- mand keiner Konfession angehörte. Elisabeth Schönegge hat sich mit 21 Jahren zur Trauerrednerin ausbilden lassen.

Von Elke Weisbach 11.08.2021, 06:15
Es ist ein Abschied für immer, wenn jemand stirbt. Vor der Beisetzung wird an ihn während der Trauerfeier  mit gefühlvollen Worten erinnert. Für Menschen, die keiner Konfession angehörten, übernimmt das meist ein freier Trauerredner.
Es ist ein Abschied für immer, wenn jemand stirbt. Vor der Beisetzung wird an ihn während der Trauerfeier mit gefühlvollen Worten erinnert. Für Menschen, die keiner Konfession angehörten, übernimmt das meist ein freier Trauerredner. Foto: Gesine Biermann

Gardelegen - Engagement ist ihr wichtig. Elisabeth Schönegge aus Gardelegen hat sich von je her für Dinge eingebracht, die ihr wichtig sind. Sie arbeitete als Gymnasiastin aktiv in der Arbeitsgemeinschaft Stolpersteine mit und stand nicht nur als Sängerin, sondern auch als Moderatorin für den Chor auf der Bühne. Zudem ließ sie sich zur Gardelegener Stadtführerin ausbilden, um interessierten Einheimischen und Gästen ihre Heimat näherzubringen. Das Auftreten vor Leuten in der Öffentlichkeit ist der 21-Jährigen nicht fremd.

Nun hat die Studentin der Sozialwissenschaften in Magdeburg eine weitere, zusätzliche Ausbildung absolviert. Seit Juni ist sie zertifizierte Trauerrednerin. Aufgrund einer persönlichen Erfahrung sei sie auf die Idee gekommen, erzählt Schönegge im Gespräch mit der Volksstimme. „Meine Oma ist im Februar gestorben. Wir haben für die Trauerfeier nach einem freien Redner gesucht und festgestellt, dass es im Raum Gardelegen nicht viele gibt.“ Die Auswahl sei sehr begrenzt, habe die Familie erfahren müssen.

Persönliche Erfahrungen

Und bei Elisabeth Schönegge setzte sich der Gedanke fest, dass sie das auch könne. „Ich habe schon immer gern und viel geredet, auch öffentlich“, sagt sie. Zudem habe sie trotz ihrer jungen Jahre, die sie auch als Vorteil empfindet, Feingefühl und Empathie, um mit Trauernden umzugehen. Sie denke, dass ihr Angebot eine Bereicherung für die Region sei, um Verstorbenen die letzte Ehre zu erweisen. Und so blieb es nicht nur ein Gedanke.

Die junge Frau sprach mit ihrem Onkel über ihr Vorhaben. Dieser ist Bestatter in Darmstadt und wusste, dass die Ausbildung zum freien Redner oft über die Volkshochschulen angeboten wird, es aber auch Online-Angebote gibt. Schönegge begann, im Internet zu recherchieren und nach einem seriösen Anbieter für die Ausbildung zu suchen. Und sie wurde auf der Website www.freieredner.com fündig, auf der Schulungen zum Trauerredner und Redner für Kinderwillkommensfeste angeboten werden. „Alles war klar aufgeschlüsselt. Die Seminare wurden konkret benannt und auch die Kosten“, berichtete die Studentin. Sie meldete sich an.

Ende Mai begann Elisabeth Schönegge mit der sechswöchigen Ausbildung. Dafür erhielt sie regelmäßig Unterlagen und Videos über Grundlegendes, zum Beispiel wie die erste Kontaktaufnahme erfolgt und worauf man im Gespräch mit den Trauernden achten sollte.

Unbedachte Worte

Dazu gab es entsprechende Aufgaben, die einmal wöchentlich während eines gemeinsamen Online-Meetings mit den 16 Lehrgangsteilnehmern und drei Trainern besprochen wurden.

Von den Trainern gab es auch zahlreiche Hinweise. So sollte man laut Schönegge allgemeine Phrasen wie „mein herzlichstes Beileid“ vermeiden. Und auch nach dem Gespräch sollte man nicht unbedacht eine schöne Woche wünschen, denn die Trauernden haben keine schöne Zeit. Stattdessen sollte man beispielsweise Kraft für die nächste Zeit wünschen.

Im Mittelpunkt der Gespräche mit den Trauernden stehe das Leben und Wesen des Verstorbenen. Es gehe darum zu erfahren, was den Menschen ausgemacht und was ihn begeistert habe, welche Menschen in seinem Leben eine wichtige Rolle gespielt hätten.

Dabei, so die 21-Jährige, solle man sich nicht scheuen, noch einmal konkret nachzufragen, was während der Trauerrede wirklich genannt werden soll. Viele Hinterbliebene kommen ins Reden, wenn sie sich erinnern. Und manchmal waren die Verstorbenen auch nicht nur gute Menschen. Dann sollte mit Metaphern gearbeitet werden, um niemanden bloßzustellen. Die engsten Angehörigen werden sie verstehen.

Positives Feedback

Der Aufbau und das Schreiben von Reden nahm einen großen Raum im Rahmen der Ausbildung ein. Zum Ende musste auch jeder, wie Schönegge berichtete, eine Rede anhand eines aufgezeichneten Trauergespräches vorbereiten.

Diese wurden gegenseitig vorgetragen und ausgewertet. Das Feedback auf ihre Rede sei positiv gewesen, so die 21-Jährige, sie habe nur ziemlich schnell gesprochen. Daran müsse sie noch arbeiten.

Nun hofft sie, dass ihr Angebot als Trauerrednerin angenommen wird. Um auf sich aufmerksam zu machen, habe sie bereits eine Website erstellt sowie Flyer und Visitenkarten drucken lassen. Diese wird Elisabeth Schönegge nun an entsprechenden Stellen auslegen.

Kontaktdaten

Wer mit Elisabeth Schönegge Kontakt aufnehmen will, kann sie anrufen unter 0157/39 42 74 38, ihr eine Mail schreiben unter trauerrednerin.elisabeth@web.de oder über Instagram unter @trauerrednerin.elisabeth. Weitere Infos gibt es unter www.trauerrednerin-elisabeth-schoenegge.de.

Elisabeth Schönegge.
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