Packebusch l Kein Außenstehender würde ein solches Instrument an dieser Stelle vermuten. Doch die Packebuscher, und auch einige Interessenten von außerhalb, wissen natürlich, welch ein Schatz sich da seit einigen Jahren im ehemaligen Tanzsaal des Dorfes befindet. Es handelt sich um eine 152 Jahre alte, englische Kirchenorgel. Ihr Besitzer ist ein Landsmann. Einer, der allerdings seit mittlerweile elf Jahren in der hiesigen Region zu Hause ist.

Warwick B. Henshaw, der gemeinsam mit seinen Eltern nach Packebusch gezogen ist, hat die Orgel nicht einfach nur erworben. Er hat sie gerettet. Denn wie sein Freund und Nachbar Andreas Raub berichtet – er fungiert auch immer wieder als Dolmetscher für die ansonsten recht zurückgezogen lebende Familie –, habe sich das imposante Instrument der Marke Bevington & Sons bis zum Jahr 2001 in einem Gotteshaus im südenglischen Portsmouth befunden. Das Gebäude sollte dann aber abgerissen werden. Familie Henshaw hat die Orgel gesichert und sie dann erst einmal sechs Jahre lange bei sich eingelagert. Doch aufgrund der Größe des Instrumentes – es verfügt über insgesamt 600 Pfeifen – musste eine andere Lösung her. Also begab sich die Familie auf die Suche nach einem geeigneten Haus und hielt dabei auch Ausschau in Frankreich und Deutschland. In der Altmark, genauer gesagt in Packebusch, wurde sie schließlich fündig. Dort ließ sich die Orgel, deren Gehäuse eine Breite und eine Höhe von jeweils mehreren Metern aufweist, im ehemaligen Tanzsaal passgerecht aufbauen. Und sie wird seither auch immer wieder genutzt. Nicht nur, weil ihr Besitzer, der eigentlich aus der Computerbranche stammt, inzwischen vom Verlegen von Orgelmusik-Noten lebt.

Öffentliche Konzerte

„Herr Henshaw hat sich das Spielen selbst beigebracht“, erzählt sein Freund Andreas Raub. Er selbst ist im Gegensatz zu dem 50-jährigen Briten häufiger als Kirchenmusiker zu erleben, zum Beispiel in der Salzwedeler Lorenzkirche. Allerdings übt auch der 29-jährige Packebuscher diese Tätigkeit nicht hauptberuflich aus, sondern promoviert gerade in Kunstgeschichte. Doch wenn es passt, dann geben er und Henshaw auch mal ein gemeinsames Konzert.

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Und ein solches lockt nun am Mittwochabend wieder in den ehemaligen Saal. Der ist diesmal, im Gegensatz zu früheren Veranstaltungen dieser Art, sogar vorgewärmt. Denn in Nähe der Orgel ist eine entsprechende Anlage eingebaut worden, die auch das historische Instrument schützen soll. Henshaw und Raub wechseln sich beim Spielen ab.

Wer ein klassisches Weihnachtskonzert erwartet, wird eines Besseren belehrt. Zu Gehör werden stattdessen Werke britischer Komponisten, aber auch Stücke alter deutscher Meister wie Bach und Händel gebracht. Letzterer, sagt Andreas Raub, habe ja „den umgekehrten Weg“ der Familie Henshaw genommen, sei einst von Sachsen-Anhalt nach England gezogen.

Doch dann wird es doch noch weihnachtlich. Nicht nur, weil draußen eine riesige Lichterkette hängt und es drinnen nach Plätzchen und Glühwein duftet. Zweimal wird das Publikum, das recht zahlreich zu diesem eintrittsfreien Konzert erschienen ist, zum Mitsingen aufgefordert. Denn natürlich kann ein Konzert an einem zweiten Weihnachtstag nicht ohne die „Stille Nacht“ und „O du fröhliche“ zu Ende gehen.

Das nächste Konzert ist schon geplant. Es findet Ostern 2019 statt.