Gardelegen l Klanggewaltig, voluminös und mit großer Ausdruckskraft eröffneten die Musiker des Thüringer Bach Collegiums die diesjährigen Altmark Festspiele in der Gardelegener Marienkirche. Es erklangen die Brandenburgischen Konzerte, die Johann Sebastian Bach 1721 dem Markgrafen Christian Ludwig von Brandenburg-Schwedt gewidmet hat – eine Perle der Barockmusik. Liebhaber barocker Musikkunst sowie Musikinteressenten überhaupt wohnten dem qualitativ sehr hochwertigen Konzert bei. Unter den Zuhörern befand sich auch Gunnar Schellenberger, in Sachsen-Anhalt Staatssekretär für Kultur. Festspiel-Intendant Reinhard Seehafer begrüßte ihn, ebenso die gesamte Zuhörerschaft.

Seehafer erinnerte in seiner Einführungsrede daran, dass Johann Sebastian Bach, der die eine Hälfte seines Lebens in Thüringen und die andere in Sachsen (Leipzig) verbracht hat, auch in Sachsen-Anhalt gewirkt hat. Und zwar in Köthen. Und das brachte ihm eine Inhaftierung ein. Bach lernte 1716 den jungen Fürsten Leopold von Anhalt-Köthen kennen. Dieser bot ihm ein Jahr später die Stelle als Kapellmeister am fürstlichen Hof von Anhalt-Köthen an. Bach sagte zu, ohne jedoch zuvor am Weimarer Hofe, wo er bisher in Lohn und Brot stand, um seine Entlassung gebeten zu haben. Als er diese Bitte nachholen wollte, wurde er für einige Wochen in Haft genommen. Seehafer sagte scherzhaft, dass er hoffe, dass das Gastspiel der Thüringer Musiker in Sachsen-Anhalt und insbesondere für Gernot Süßmuth, der die musikalische Leitung inne hat, nicht so ausgehe.

300 Jahre alte Instrumente

Es folgten zwei wunderbare Konzertteile von jeweils rund 45 Minuten, in denen die sechs Brandenburgischen Konzerte erklangen. Die Musiker des Thüringer Bach Collegiums spielten allesamt auf wertvollen historischen Streichinstrumenten beziehungsweise auf Nachbildungen historischer Blasinstrumente. Die Streichinstrumente sollen alle um die 300 Jahre alt sein. Somit erklangen diese Instrumente bereits zu Bachs Lebzeiten.

In Gardelegen konzertierten namhafte Barockmusiker wie Gernot Süßmuth (Solovioline), Friedericke Vollert und Julia Andres (Blockflöte), Frank Forst (Barockfagott), Hille und Marthe Perl (Viola da Gamba), Rupprecht Johannes Drees (Trompete), Franz Draxinger und Wolfram Sirotek (Horn) sowie Christine Kessler (Cembalo).

Traum der Vernunft

Die Altmark Festspiele stehen im fünften Jahr ihrer Existenz unter dem Motto „Traum der Vernunft“. Und das wird sich auch in den insgesamt 21 Festspielveranstaltungen an 20 Orten widerspiegeln.

So wird es beispielsweise in Zichtau wieder ein Wandelkonzert im Landschaftspark des Gutes geben. Diesmal geht es um Klänge und Vogelstimmen (23. Juni, 14 Uhr). Mozarts „Eine kleine Nachtmusik“ und Vivaldis „Vier Jahreszeiten“ sind in Kloster Neuendorf zu hören (14. Juli, 16 Uhr). Und im Fontane-Jahr kommen auch die Altmark Festspiele nicht um den Dichter herum. „Theodor Fontane in Frankreich“ wird im Kaisersaal des Jagdschlosses Letzlingen (20. Juli, 16 Uhr) aufgeführt.