Gardelegen l Wenn Anwohnerin Kerstin Gerecke mit ihrem Hund Charlie Gassi geht, geht sie auf der Fahrbahn der Otto-Nuschke-Straße und nicht den begleitenden Fußweg. Denn auf diesem müsste sie immerzu nach unten gucken, um nicht über die empor stehenden Kanten der Steinplatten zu stolpern oder auf wackelnde zu treten, die einen ebenfalls zu Fall bringen können. Das machte sie gegenüber den Mitgliedern des Bauausschusses deutlich, die sich dort zu Sitzungsbeginn zu einem Vor-Ort-Termin trafen. Diesen hatte Ausschuss-Mitglied Sieghard Dutz angeregt, der ebenfalls im Schlüsselkorb wohnt und die Straße genau im Blick hat.

Und nicht nur die normalen Fußgänger haben ihre Schwierigkeiten, wie er noch einmal ausführte. Anfang dieses Jahres eröffnete das an der Straße neu gebaute Seniorenzentrum der Flechtinger Pflegedienst GmbH seine Pforten. Und mit einem Rollator, Gehbock oder gar Pflegebett sei der Fußweg überhaupt nicht nutzbar. „Der ist ganz schlimm“, machte er deutlich. Denn an diesem wurde seit Jahrzehnten nichts gemacht. Anders die Straße, die schon sehr oft geflickt wurde, aber auch immer schlechter wird: „Ich möchte mal wissen, wieviel wir da schon investiert haben.“ Dazu kommen noch die Straßenlampen aus DDR-Zeiten, die die reinsten Stromfresser sind. Außerdem müsste die Zufahrt zur Betreuungseinrichtung noch abgesenkt werden, um Barrierefreiheit zu schaffen, beendete Dutz die Mängelliste.

Mit Rolllator nicht nutzbar

„Der Gehweg hat seine Zeit hinter sich. Das gilt auch für die Straße und Lampen“, bestätigte Gardelegens Bürgermeisterin Mandy Zepig bei der späteren Auswertung. Allerdings wird von einer Sanierung derzeit abgesehen, da weitere Flächen an der Straße noch bebaut werden sollen. Erst wenn das fertig ist, soll saniert werden.

Dennoch wurde laut Bauamtsleiter Engelhard Behrends schon einiges versucht, das Problem für den Übergang zu lösen. Eine Idee war, auf der Straße einen gesonderten Bereich als Sicherheitszone farblich zu kennzeichnen. Dafür habe er sich bereits vor Ort mit Peter Klahs, Verkehrssicherheitsberater bei der Polizei, getroffen, der dieser Idee aber eine Absage erteilte.

Ideen wurden schon erörtert

Die Einrichtung solcher Zone müsse nicht sein, „weil die Straße kaum befahren wird“, gab Behrends die Information weiter, was den Protest von Dutz hervorrief. Denn dort sei schon viel Verkehr durch Arztbesucher und Anlieferungen, erklärte er mit Nachdruck. Dazu kommt, führte der Bauamtsleiter unbeirrt weiter aus, dass eine Abtrennung aus rechtlichen Gründen nicht möglich sei, da die Fahrbahn dann für den Begegnungsverkehr zu schmal sei.

Dass die Sanierung der Straße und des Gehweges verschoben wird, bis alle Grundstücke bebaut sind, begrüßte Ausschussvorsitzender Gustav Wienecke. Vielleicht könne man die Geschwindigkeit auf der Straße auf 30 Stundenkilometer reduzieren lassen, schlug er vor.

Ausweisung als Spielstraße wird geprüft

Doch Ausschussmitglied Sven Grothe hatte noch einen anderen Vorschlag, nämlich die Otto-Nuschke-Straße im Schlüsselkorb als verkehrsberuhigten Bereich, der umgangssprachlich auch Spielstraße genannt wird, ausweisen zu lassen. Damit dürfe die Straße trotz des Vorhandenseins eines Fußweges dann auch von den Fußgängern genutzt werden. Die Autofahrer müssten Schrittgeschwindigkeit fahren, was die Sicherheit der Fußgänger erhöht.

Ob das möglich ist, muss jetzt eruiert werden, wie Engelhard Behrends sagte. „Die Idee der Spielstraße nehmen wir mit und werden das prüfen.“.