Jerchel l Der Klimawandel ist in aller Munde. Nichts könnte ihn einer Schweizer Studie zufolge so effektiv aufhalten wie die Aufforstung: Kohlenstoff binden, Sauerstoff erzeugen, Tieren Heimat bieten und nachhaltigen Rohstoff liefern – Wald kann vieles. In der Nähe von Jerchel wurde jetzt ein circa 100 Jahre alter, privater Kiefernbestand verjüngt. Bei der Aufforstung der 1,5 Hektar großen Fläche helfen Fördermittel.

Neues Leben zieht ein

Dürre und Stürme haben dem Wald in den letzten Jahren zugesetzt. Mit jungen Kiefern, dazu Birken und Spitzahorn, plus einer Waldinnenrandgestaltung aus Haselnuss, Kornelkirsche und Heckenrose, die ein Habitat für Vögel und Insekten bildet, soll neues Leben einziehen. „Aus rein wirtschaftlicher Sicht sind Fichten besser, aber die Kiefern kommen hier mit den Bedingungen gut zurecht. Außerdem lassen sie mit ihren Kronen mehr Licht für andere Pflanzen durch, so dass man ein interessanteres Waldbild gestalten kann“, plädiert Revierförsterin Luise Eichhorn für den Baum mit den langen Nadeln.

Gleichzeitig muss gesagt werden, dass der Wald hier eher Plantage als vielseitiger Lebensraum ist. „Man möchte einen vielschichtigen Wald, aber hier haben wir rund 20 Hektar einschichtigen, reinen Kiefernwald. Es kann sein, dass es vielleicht mal einen Brand gab und alles neu angepflanzt wurde. Außer Kiefer gab es damals wenig und die wächst gut auf diesem Boden“, vermutet Eichhorn.

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Nachdem der alte Bestand teilweise geerntet wurde, geht es an die Neuanpflanzung. Um diese vorzubereiten, wird zunächst der Boden „verwundet“. Das erledigt ein 100 PS starker Traktor, der in Abständen von 1,50 bis 2 Metern tiefe Furchen in den Boden zieht. Gräser und Moose werden dabei entfernt, so dass die neuen Bäume Raum haben und nicht gleich überwuchert werden.

Zaun gegen Wildverbiss

Um Wildverbiss zu verhindern, wird um ein 5000 Quadratmeter großes Teilgebiet noch vor der Pflanzung ein 1,80 Meter hoher Zaun gezogen. „Hier gibt es viel Rotwild, das über einen niedrigeren Zaun springen könnte“, begründet Eichhorn. Je nach Wachstum bleibt dieser Zaun mindestens fünf, eher sieben oder acht Jahre stehen. Er ist mit rund 3000 Euro nur für das Material ein großer Kostenfaktor und ein Grund, warum viele Waldbesitzer lieber auf die Naturverjüngung ohne Zaun setzen. Zwar gibt es für die Aufforstung Fördermittel, diese zu beantragen ist aber mit erheblichem Aufwand verbunden und für den durchschnittlichen Waldbesitzer alleine kaum möglich.

Es werden 70 Prozent der nachgewiesenen Ausgaben gefördert, wenn 30 Prozent Laubholzanteil geplant werden. Es können auch 85 Prozent gefördert werden, dann müssen allerdings 80 Prozent Laubholzanteile dabei sein. „Der bürokratische Zeitaufwand beträgt gut und gerne eine gute Woche pro Antrag – mit Vorbereitungen, Ausschreibungen, Antragsstellung, Auswertung Ausschreibung und Abgabe Zahlungsantrag“, berichtet die junge Revierförsterin, die die Aufgabe übernimmt.

Das Amt kontrolliert

Ausgeführt werden die Arbeiten von der Firma Stiemert aus Kalbe/Milde in nur drei Tagen. „Mit dieser Firma haben wir ein Komplettpaket und alles klappt gut, das freut mich“, lobt Eichhorn. Nachdem die fleißigen Waldarbeiter die insgesamt 13300 Pflanzen, davon 2500 im umzäunten Gebiet, gesetzt haben, heißt es für die Waldbesitzer dann erstmal zahlen, warten und immer wieder auf Regen hoffen. Von der Forst werden unterdessen der Ausfall von Pflanzen, der Anwuchs und der Zaun kontrolliert, die Kultur gepflegt und mögliche Reparaturen übernommen. In fünf Jahren wird die Anpflanzung vom Amt für Landwirtschaft, Flurneuordnung und Forsten abgenommen. Gibt es zu viele Ausfälle, sprich Bäume die nicht angewachsen sind, muss nachgearbeitet werden, um die Berechtigung für die Fördermittel nicht zu verlieren.