Gardelegen l Sie kann wieder lachen. Die schwierigen Jahre liegen hinter ihr. Christin Staschok hat ihr Leben (wieder) im Griff. Sie hat eine eigene Wohnung, drei gesunde kleine Jungs und einen liebevollen Lebensgefährten. Und erst vor wenigen Wochen hat die 28-Jährige ihren ersten Fantasyroman als E-Book veröffentlicht. „Werwolfsträne“ heißt das Buch. Und auch wenn die Geschichte in einer fiktiven Welt spielt: Tränen gab es in den vergangenen Jahren bei der jungen Gardelegenerin ebenfalls genug.

Das Leben änderte sich radikal

Rückblick: Seit Frühjahr 2016 hatte die Volksstimme mehrfach über sie berichtet. Nach der Geburt ihres zweiten Kindes musste sie ihren Jüngsten auf Anordnung des Jugendamtes für ein halbes Jahr in eine Pflegefamilie geben. Unklare blaue Flecken auf den Bäuchlein und der Wange des Säuglings, mit denen sie das Kind selbst beim Kinderarzt vorgestellt hatte, riefen die Behörde damals auf den Plan. Bis heute steht nicht fest, wie es zu den Verletzungen kam, aber sie waren der Auslöser dafür, dass sich das Leben von Christin Staschok radikal veränderte.

Denn das Kind wurde behördlicherseits sofort in Obhut genommen. Lediglich einmal die Woche durfte sie es sehen. Um ihren Jüngsten wieder selbst betreuen zu können, musste sie schließlich mit dem älteren Sohn für ein Jahr in ein Kinder- und Jugendhaus ziehen, da war sie mit den dritten Kind schwanger.

Damals brach für sie eine Welt zusammen. Vor allem die Zeit im Heim sei schwer gewesen für sie und ihre Kinder, erinnert sich die Gardelegenerin. Darauf hätte sie gern verzichtet. Heute weiß Christin Staschok allerdings auch: Nicht alles, was sich damals für sie wie eine Bevormundung anfühlte, war falsch. Sie weiß, dass zumindest die zeitweilige Inobhutnahme ihres Kindes begründet war.

Neuer Lebenspartner, liebevoller Ziehwater

Mittlerweile hat sie nämlich ihren damaligen Lebensgefährten angezeigt. Möglicherweise sei er verantwortlich für die Verletzungen des gemeinsamen Sohnes, glaubt sie heute. In der kommenden Wochen soll der Fall vor dem Amtsgericht Gardelegen verhandelt werden. Das wird möglicherweise noch einmal ein emotionaler Moment.

Zum Glück, sagt die junge Mama, könne sich ihr Sohn aber an nichts erinnern. Der jüngste habe den leiblichen Vater ohnehin nie kennen gelernt. Für die beiden jüngeren Kinder habe sie zudem das alleinige Sorgerecht. Und alle drei Kinder, heute 8, 3 und 2 Jahre alt, hätten in ihrem neuen Lebensgefährten einen liebevollen Ziehvater gefunden.

Nur der älteste habe die Zeit im Heim nicht so gut verkraftet. „Das war nicht gut für ihn. Er ist sehr still geworden.“ Hier soll in den nächsten Monaten eine Therapie dabei helfen, aus dem in sich gekehrten Schulkind wieder einen fröhlicheren kleinen Jungen zu machen. „Dennoch: Auch mit dem Jugendamt hat die dreifache Mama mittlerweile ihren Frieden gemacht: „Ich komme jetzt gut mit den Mitarbeitern klar.klar“, versichert sie. Eine Familienhelferin schaue immer noch regelmäßig bei ihr vorbei. Das Verhältnis sei vertrauensvoll, versichert Staschok. In die kleine, aufgewühlte Familie ist offenbar wieder Ruhe eingekehrt.

Dafür dass sie selbst auch wieder in ein normales Leben zurückfand, sei aber wohl auch ein bisschen ihr außergewöhnliches Hobby verantwortlich, glaubt sie selbst. Denn mit dem Schreiben - ihrer großen Leidenschaft - hat sich die 28-Jährige auch ein Stück weit selbst therapiert. Eine Fantasy-Liebesgeschichte – die ihr schon seit gut zehn Jahren im Kopf herumgeistert – ist nämlich in vielen Abendstunden zu einem Buch geworden. In einem Fernstudium an der Schule des Schreibens in Hannover hatte sie sich vorher noch ein bisschen weitergebildet und dann ihr Erstlingswerk im Selbstverlag herausgegeben.

Sorgen von der Seele geschrieben

Die Mama habe gegengelesen, Freunde waren ihre ersten Kritiker. „Bis jetzt hat es allen gefallen.“ Mittlerweile ist „Werwolfsträne“ – eine Geschichte, in der Licht – und Schattenwölfe um eine ganz normale Studentin buhlen – auf etlichen online-Plattformen erhältlich. „310 Seiten Spannung“ versichert die junge Autorin überzeugt. Und ein bisschen findet sie sich in der Heldin ihres Buches wohl auch selbst wieder.

Ein bisschen hat sich Christin Staschok in ihrem Buch nämlich ihre privaten Sorgen von der Seele geschrieben. Auf jeden Fall sei das Buch sowas wie ein Start in ein neues Leben, glaubt die junge Autorin. Ein Happy-End in Buchform also. Und ihre Zukunftspläne? „Vielleicht eine Lesung in der Bibliothek? Das könnte ich mir gut vorstellen.“ Oder sogar mal auf der Buchmesse dabei sein?! Warum nicht? Das Leben schreibt ja oft die verblüffendsten Geschichten ...