Estedt l Die Mitglieder des Bauausschusses der Hansestadt sahen Klärungsbedarf. Umbau und Sanierung der Kindertagesstätte Estedt zu einem Kinderzentrum sind teurer ausgefallen als ursprünglich geplant. Und zwar viel teurer. Für die Gesamtbaumaßnahme werden voraussichtlich Mehrkosten von 700.000 Euro anfallen. Um sich ein Bild vor Ort zu machen, tagte der Bauausschuss auf der Baustelle. Nicht nur Mitglieder, auch interessierte Einwohner besuchten die öffentliche Sitzung,

Planer Lutz Pfeiffer und Architekt Matthias Schlechter erläuterten, weshalb die Kosten in die Höhe stiegen. So seien rund 94.000 Euro an Nachtragsleistungen zu erbringen. Den größten Posten nimmt dabei der Austausch von vier Geschossdecken ein. Mehr als 70.000 Euro mache dies aus. „Wir konnten erst, als der Fußboden aus dem Geschoss darüber herausgenommen war, erkennen, dass die Decken durchhängen. Um bis zu fünf Zentimeter“, berichtete Planer Lutz Pfeiffer. Grundsätzlich sei dies kein Problem, wenn die statische Berechnung dem nichts entgegenzusetzen hat. Nach dem Abbruch des Estrichs im Obergeschoss wurde aber sichtbar, dass die Decken an ihren Auflagen und der Längsachse gerissen waren, eine dauerhafte Stabilität nicht gegeben war. „Wir hätten die Decken überlastet. Das konnten wir nicht machen“, begründete Pfeiffer. Die neuen Decken wurden mittlerweile eingezogen, haben eine Verzögerung von fünf bis sechs Wochen verursacht, wie Pfeifer sagte.

Angebotspreise 20 Prozent über Budget

Für Regina Lessing von der Gemischten Fraktion war schwer nachvollziehbar, dass beauftragte Fachleute solche Mängel nicht erkannten beziehungsweise Untersuchungen veranlasst haben, um diese auszuschließen. Ebenso kritisierte sie den immensen Anstieg der Baupreise. Bürgermeisterin Mandy Zepig setzte dem entgegen, dass das Land Sachsen-Anhalt die von den Planern 2016 ermittelten Baukosten bestätigt hat. Die Investitionsbank Sachsen-Anhalt habe die Gesamtkosten auf rund 2,5 Millionen festgesetzt. Grundlage waren die Budgets für 32 Baugewerke, die in Estedt zum Einsatz kommen. Bisher sind bereits 19 Gewerke beauftragt worden. Bei diesen lagen die Angebotspreise durchschnittlich 20 Prozent über dem Budget. Und auch bei noch ausstehenden Ausschreibungen sei mit Baukostensteigerungen zu rechnen.

Zum Ausgleich sollen in diesem Jahr 350.000 Euro aus dem Haushalt zur Verfügung gestellt werden. Weitere 350.000 Euro sind 2019/2020 einzustellen. „Finanzierbar ist die Sache aus dem eigenen Haushalt. Wir müssen keine Kredite aufnehmen“, fasste Gustav Wienecke, Vorsitzender des Bauausschusses, zusammen. Und er fügt hinzu: „Wir bauen für unsere Kinder, für unsere Zukunft. Wichtig ist, dass die Kinder gut untergebracht und ordentlich betreut werden.“ Mit sechs Ja-Stimmen und einer Enthaltung (Regina Lessing) sprach sich der Ausschuss für die überplanmäßige Aufwendung aus.