Kalbe l Mit großen Lettern steht „el ranchito lindo“ – die „kleine, schöne Ranch“ am Eingang des Gartens am Roten Wall direkt gegenüber der Sekundarschule. Der Schriftzug ist wie eine Einladung, eine Einladung in eine kleine, andere Welt. Und tatsächlich ist dort einiges anders, als in gewöhnlichen Gärten. Er soll ein Ort der Kultur werden. Ein Atelier ist schon da, eine Bühne angelegt. Und außerdem: Wer kann schon sagen, dass er Dinos im Garten hat? Peter Clauss, der 20 Jahre lang in Südamerika lebte und nun in Kalbe eine neue Wahlheimat gefundenhat, und der Kalbenser Marko Kühnel können das. Ihre Dinos sind massive Hochbeete, die in ihrer Optik an die Urzeitgiganten aber auch ein wenig an Lastentiere erinnern. Die Köpfe sind aus Holzgebilde aus dem Wald gestaltet. Salat, Erdbeeren, Ruccola und viele Pflanzen mehr gedeihen in den Hochbeeten.

Begonnen hat alles bei einem Abendessen mit reichlich Spaghetti. Im Januar diesen Jahres war Peter Clauss frisch nach Kalbe gezogen. Bei seinem ersten Arbeitseinsatz auf dem Kulturhof lernte er Marko Kühnel kennen, der vor einigen Jahren die Zeitung „Fliegenklatsche“ herausgab – weitere Exemplare sollen folgen. Dem Arbeitseinsatz folgte ein Abendessen bei Kühnels. Und dabei fanden beide heraus, dass sie unwahrscheinlich gern Hühner halten wollten. Eine gemeinsam Idee war geboren. Doch dazu brauchte es Platz. Zunächst fragte Clauss beim Künstlerstadt-Verein nach, ob dafür der Garten der Nationen genutzt werden könne. Er stellte auch ein Konzept für einen Garten mit Dinos vor. Aber Hühner und Dinos passten nicht in die Vorstellung vom Gartens der Nationen. So pachteten Clauss und Kühnel einen Garten aus privater Hand. Und beleben somit nun eine Fläche, die viele Jahre lang brach lag.

Potential für Kultur

Innerhalb von drei Monaten hat sich dort nun einiges getan. Die Unterstellgebäude sind erneuert worden, eine Trockentoilette ist entstanden. Aus Steinen wurde ein Weg angelegt. „Ich habe mir gar nicht vorstellen können, dass hier ein Atelier entstehen kann“, sagt Kühnel mit Blick zurück auf den Tag der ersten Besichtigung des Grundstücks. Aus dem alten Hühner- und Fasanenstall hat Clauss einen lichtdurchfluteten Arbeitsraum für sich geschaffen, sogar mit kleiner überdachter Terrasse davor. Der rund 70 Jahre alte Weinstock am Gebäude blieb dabei erhalten. Derzeit entstehen in diesem Atelier neue Bilder für die erste Ausstellung in der Galerie in der Alten Bahnhofstraße..

Die sieben Hühner bekamen ein neues Gehege mit Freilauf. Weidenstöcke sind zu einem Rondell angelegt worden. Dort soll die Bühne entstehen, die zu kleinen kulturellen Abenden, zum Beispiel mit Gitarrenmusik oder Pantomime einladen soll. „Dafür hat das hier Potential“, so Clauss.

Passanten bringen Pflanzen vorbei

lDer Garten ist aber auch Garten im herkömmlichen Sinne. In den Beeten blühen derzeit die Kartoffeln. Lavendel gedeiht im Topf, ebenso die Tulsi-Pflanze, eine den Indern heilige Pflanze, die botanisch mit Basilikum verwandt ist. Aber auch Ursprüngliches bleibt bewahrt. „Wir sind bewusst nicht in eine Gartensparte eingetreten. Es soll bewusst auch ein paar wilde Ecken geben. Wir haben zum Beispiel keinen Rasen, sondern eine Wiese“, beschreibt Kühnel die Philosophie der „el ranchito lindo“. Und während Clauss die Atmosphäre nutzt, um sich für neue Kunstwerke inspirieren zu lassen, ist der Garten für den Heilerziehungspfleger Kühnel ein Ausgleich zum Berufsalltag. „Ich genieße es zu buddeln und mich mit den Pflanze zu befassen.“

Guten Kontakt haben die beiden auch zu den Passanten auf dem Roten Wall. „Die Schüler, die hier vorbei gehen, grüßen sogar. Das ist so herrlich“, so Clauss. Andere bringen Melonen- und Zucchini pflanzen vorbei, die nun in der kleinen Ranch einen neuen Platz gefunden haben. „Die Leute sind neugierig. Sie wollen wissen, was hier passiert“, sagt Kühnel. Und willkommen sind sie auf der „el ranchito lindo“.