Wiepke l Jürgen Dietrich, Schädlingsbekämpfungsmeister aus Osterburg, positioniert die Hebebühne auf dem ländlichen Weg zwischen Wiepke und Schenkenhorst. Die Stutzen für den festen Stand werden ausgefahren. Sein Mitarbeiter Robert König, angezogen mit weißem Schutzanzug, Handschuhen, Maske und Brille, fährt den Arbeitskorb, der eine Reichweite bis zu 30 Metern hat, nach oben, setzt den großen Industriesauger in Gang und beginnt, den Stamm der Eiche zu säubern. Und zwar von den alten Nestern des Eichenprozessionsspinners aus dem Vorjahr.

Wie Dietrich erläutert, müssen diese verlassenen Nester entfernt werden, obwohl es dort keine lebenden Raupen mehr gibt. Allerdings sind in ihnen alte Häutungs- und Kotreste mit den Brennhaaren enthalten, die immer noch umherfliegen und mit ihrem Nesselgift Thaumetopoein die Gesundheit der Menschen beeinträchtigen können. Und sollten die Männer neue Nester entdecken, werden sie natürlich auch abgesaugt. Aber, so der Schädlingsbekämpfungsmeister, es finden sich nur ganz wenige frische Nester. Die chemische Bekämpfung scheint erfolgreich gewesen zu sein. Im Schnitt, so Dietrich, füllt sein Kollege am Tag 400 20-Liter-Säcke, die dann in die Müllverbrennungsanlage nach Magdeburg zur Vernichtung gebracht werden.

Derzeitiger Auftrag umfasst 1400 Bäume

Der aktuelle Auftrag bezieht sich auf insgesamt 1400 Bäume. Aber es werden wohl mehr werden. Denn an manchen Standorten sind mehr Bäume befallen, als auf den ersten Blick zu sehen war. Diese zweite Runde in der Bekämpfung des Eichenprozessionsspinners wird also eine Mammutaufgabe, die bis September dauern wird, erklärt dazu auch Florian Kauer, zuständig für die allgemeine Gefahrenabwehr im Fachbereich Sicherheit und Ordnung in der Gardelegener Stadtverwaltung. Die Hansestadt hatte für die Bekämpfung des Eichenprozessionsspinners einen Bewilligungsbescheid über 150.000 Euro vom Land erhalten. Weitere 25.000 Euro werden von der Stadt finanziert. Die Absauger sind aktuell im Bereich Estedt, Wiepke, Schenkenhorst und Algenstedt tätig. In den kommenden Wochen werden Hunderte Eichen an stadteigenen Straßen und stark frequentierten Feld- und Radwegen von den Nestern des Eichenprozessionsspinners befreit.

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Gutes Ergebnis durch Besprühen erzielt

Vor Beginn der mechanischen Bekämpfung mittels Nesterabsaugung hatte der Fachdienstleiter Tausende Eichen nach der chemischen Bekämpfung im Mai begutachtet und festgestellt: „In etlichen Bereichen, wo wir gesprüht haben, waren die Eichen frei. Es gab nur ganz vereinzelt Bäume mit Nestern. Aber wir hatten auch Bereiche, wo der Eichenprozessionsspinner trotz chemischer Bekämpfung an vielen Bäumen zu finden ist und der Blattfraß zu sehen ist.“ Dort soll nun auch abgesaugt werden. Festzuhalten ist: Dort, wo gesprüht wurde, gibt es einen deutlich geringeren Befall als in den Vorjahren sowie einige Bereiche mit minimalem Befall, schätzt Kauer ein.

Laut Hersteller wird unter Laborbedingungen beim Besprühen der Eichen mit dem aktuell einzig zulässigen Bakterium, das die Raupen verhungern lässt, ein Erfolg von 80 Prozent garantiert. „In der Kolonie Breit- eiche, in Sachau, Siems, an der Gedenkstätte in Gardelegen, in Kassieck und Lindstedt haben wir gute Ergebnisse durch das Besprühen. Dort müssen wir nicht absaugen“, so der Fachdienstleiter. Öffentliche Eichen werden an ausgewählten Straßen und Wegen unter anderem im Bereich der Ortslagen Lindstedt, Estedt, Wiepke, Schenkenhorst, Algenstedt, Zichtau, Jeggau, Köckte, Dannefeld, Himmelreich, Peckfitz, Kämeritz, Jerchel und Miesterhorst von den Nestern des Eichenprozessionsspinners befreit. Das Absaugen konnte erst jetzt beginnen, weil sich die Raupen zuvor noch nicht komplett in die typischen Gespinstnester zurückgezogen hatten.