Kenzendorf. Kein Blumenstrauß, aber zwei Kisten Rotkäppchensekt in weiß und rosé – trocken. Ehrengard Dümpert-von Alvensleben verzichtet auf Blumen. Sie möchte lieber mit ihren vielen Mitstreitern anstoßen – zum Dank für die jahrelange Hilfe und Unterstützung und in der Hoffnung, dass sie dem besonderen Projekt auch weiterhin treu bleiben. Denn der Erfolg des Kenzendorfer Weihnachtsbaumverkaufes hat quasi viele Väter und Mütter.

Weihnachtsbäume seit 2001

Aber eine davon, und zwar eine ganz Engagierte, ist Ehrengard Dümpert-von Alvensleben. Seit 2001 gibt es wieder den traditionellen Kenzendorfer Weihnachtsbaumverkauf, der Ende des 19. Jahrhunderts seinen Anfang hatte. Seit 2002 gibt es dabei Glühwein und Grillwurst für einen guten Zweck, und seit 2003 ist der Empfänger der Spenden der Förderverein Kindertraum der Gardeleger Kinderklinik Dr. Albert Schweitzer. Deren Chef und Mitglied des Fördervereines, Dr. Rainer Genseke, und Stationsschwester Sabine Barnieck, ebenfalls Mitglied des Fördervereines, zeigten sich erfreut, dass die Volksstimme das Engagement der Familie von Alvensleben und ihrer Helfer mit dem Blumenstrauß des Monats Dezember würdigt.

 „Das ist nicht selbstverständlich. Das Ehrenamt ist nicht hoch genug zu preisen“, betonte Genseke. Und gerade das Denken und Handeln für andere und im besonderen für Kinder, die klein und hilflos sind, erfordere ein ganz besonderes Lob. „Ihr Leben ist die Freude der anderen“, so Genseke mit Blick auf Ehrengard Dümpert-von Alvensleben. Der Förderverein Kindertraum habe in den Jahren mit Spenden, darunter auch die Kenzendorfer Spenden, sehr viel bewegen können. Spielplatz, Küche, Spielzimmer, Überwachungsgeräte, Infusionsgeräte, Zustellbetten für Eltern, zählte Sabine Barnieck einige Projekte, die realisiert werden konnten, auf. Und dazu habe auch der Kenzendorfer Weihnachtsbaumverkauf maßgeblich mit beigetragen.

Im September 2001 hatten Irma und Alkmar von Alvensleben, die Eltern von Ehrengard Dümpert-von Alvensleben, den Kenzendorfer Wald mit dem Forsthaus, erbaut 1912 von Familie Alvensleben, zurückkaufen können. Seitdem ist das idyllisch im Wald gelegene Forsthaus zur zweiten Heimat für die von Alvensleben geworden und Sitz des Forstbetriebes Kenzendorf. Von dort aus werden 850 Hektar Wald betreut im Rahmen einer naturnahen Waldwirtschaft, geleitet von Ehrengard Dümpert-von Alvensleben und ihrem Bruder Ludolf von Alvensleben.

„Mein Vater hatte uns damals gefragt, ob wir die Tradition des Kenzendorfer Weihnachtsbaumverkaufes nicht wieder aufleben lassen wollen“, erzählte Dümpert-von Alvensleben. Und sie wollten. 2001 gab es den ersten Weihnachtsbaumverkauf nach einer langen Pause. „Wir hatten 150 Bäume und 30 haben wir vielleicht verkauft“, erinnerte sich Dümpert-von Alvensleben. Wenig erfolgreich, aber es wurde weiter gemacht. 2002 gab es dann schon Glühwein für einen guten Zweck, nämlich zugunsten der Opfer des damaligen Elbehochwassers.

Im Laufe der Jahre kam immer mehr dazu, die Helfer wurden mehr und mehr, die Besucher und natürlich damit auch die Spenden, die jetzt um die 1500 Euro liegen. „Das fängt eigentlich im August schon an mit dem Einlegen der Brombeeren in Rum“, so Ehrengard Dümpert-von Alvensleben. Die Brombeeren stammen natürlich aus dem Wald am Forsthaus. Im September kommt der Holunderbeersaft dazu. Die Büsche wachsen ebenfalls am Forsthaus. Die heiße Phase der Vorbereitung beginnt dann im Dezember, damit zum Weihnachtsbaumverkauf – traditionell an zwei Adventswochenenden – alles klappt.

Den Glühwein, etwa 200 Liter, und Kinderpunsch, etwa 100 Liter, spendiert Familie von Alvensleben. Der wird gekauft und von der Forsthauschefin persönlich aufgepeppt mit frisch gepresstem Orangensaft, Gewürzen und „kleinen Geheimnissen“ und natürlich den Rumfrüchten. Dazu gibt es 700 Wildbratwürstchen frisch vom Fleischer, die von Detlef Schumacher, einem pensionierten Pfarrer, knusprig gegrillt werden. Die Grillkohle kommt aus Letzlingen.

Fichten und Blautannen

Außerdem wird Wildfleisch aus dem heimischen Revier angeboten. Auch davon gehen zehn Prozent vom Erlös an den Förderverein Kindertraum. Seit einigen Jahren wird außerdem leckerer Flammkuchen nach rheinland-pfälzischen Rezepten angeboten. Seit dem vorigen Jahr sind auch die Roxförder Landfrauen dabei mit Kaffee und Kuchen und Adventsgestecken. Und natürlich gibt es auch Weihnachtsbäume, wie Fichten und Blautannen, auch zum Selberschlagen.

Mittlerweile gehört der Kenzendorfer Weihnachtsbaumverkauf unter dem Motto Glühwein trinken für einen guten Zweck für viele Menschen in der Region zum festen Bestandteil im Adventskalender. Familien, Freunde und Bekannte kommen nach Kenzendorf, nicht nur wegen der Weihnachtsbäume, sondern wegen der anheimelnden Atmosphäre am Forsthaus mit Lagerfeuer und Zeit für Gespräche – und das eben bei Glühwein und Kinderpunsch für die Kinderklinik.

Am dritten sowie am vierten Adventswochenende gibt es ihn wieder, den Kenzendorfer Weihnachtsbaumverkauf, jeweils von 9 bis 16 Uhr. Mit Gitarrenmusik können sich die Besucher heute ab 11 Uhr auf die Adventszeit einstimmen und vor allem mitsingen. Damit keiner sagen kann, ich hab den Text vergessen, wird Ehrengard Dümpert-von Alvensleben Textzettel verteilen, damit im Kenzendorfer Wald ein vielstimmiger Chor erklingen kann.

Und zwischendurch wird Ehrengard Dümpert-von Alvensleben mit ihren Helfern unter anderem aus ihrem Familien- und Freundeskreis und vom Förderverein Kindertraum auf den Erfolg der nächsten Jahre mit Rotkäppchen-Sekt anstoßen