Solpke l Zahlreiche Jungbrieftauben wird Günter Meinecke, Mitglied der Reisevereinigung Gardelegen, im September auf eine weite Reise schicken. In den Niederlanden werden sie starten, eine Distanz von circa 400 Kilometern zurücklegen, um nach 4 bis 5 Stunden wieder im Taubenschlag in Solpke einzutreffen.

Günter Meinecke veranstaltet das 2. Derby im internationalen Flug. Tauben von Züchtern aus ganz Europa werden ihm dafür anvertraut. Meist erhält der Solpker die Tiere, wenn sie 20 bis 30 Tage alt sind. Über den Sommer trainiert er die Tauben, prägt sie auf seinen Standort. Am 15. September, sofern das Wetter es zulässt, ist dann der große Tag. Die Tauben fliegen ihre erste große Wettflugstrecke.

Erste Anmeldungen im Dezember

470 Voranmeldungen – die ersten gingen schon Ende Dezember/Anfang Januar bei ihm ein – hat Meinecke von Züchtern aus Deutschland, Belgien, den Niederlanden, der Schweiz, Slowenien und Tschechien erhalten. Viele dieser Züchter werden im September in Solpke dabei sein, wenn ihre Brieftauben vom weiten Flug zurückkommen.

Ein solches Derby sei die beste Möglichkeit, die Leistung der Tauben zu beurteilen. „Alle müssen die gleiche Strecke zurücklegen, haben die gleichen Windverhältnisse“, erklärt der 57-Jährige. Ein unverfälschtes Ergebnis komme so zustande. Meinecke möchte auch in den nächsten Jahren solche Derbys anbieten. Bis zu 800 junge Tauben könne er aufnehmen, wie er sagt.

Neben diesem Derby nimmt Meinecke mit seinen Brieftauben auch an zahlreichen Wettflügen teil, bei denen die Alttauben 200 bis 600 Kilometer zurücklegen. Anfang Mai starten die ersten Wettflüge. Abhängig sind diese Termine allerdings vom Wetter. „Bei extremen Wetterlagen und auch bei starker Hitze lassen wir die Tauben nicht fliegen“, berichtet der Solpker. Die Wettflugsaison dauert von Mai bis Ende Juli an. Im August und September erfolgen dann die Wettflüge der Jungtauben, also jener Tauben, die noch kein Jahr alt sind. Sie legen bei Wettflügen um die 300 bis 400 Kilometer zurück.

Chip erleichtert die Arbeit

Vereinfacht werde die Erfassung der Leistungen der Tauben durch ein elektronisches System, das die Reisevereinigung Gardelegen bereits seit Mitte der 1990er Jahre nutzt. „Das erleichtert unsere Arbeit enorm und vor allem minimiert es die Fehlerquote“, sagt Meinecke. Statt des herkömmlichen Ringes sind die Tauben mit einem Transponderchip versehen. Erreicht das Tier nach seiner weiten Reise wieder den Schlag, werden die Daten automatisch an das Konstatiergerät weitergegeben. „Der Computer errechnet dann die Leistung der Taube“, so Meinecke.

„Viele bezeichnen Tauben als Ratten der Lüfte. Auf unsere Brieftauben trifft das nicht zu. Das sind richtige Leistungssportler“, erklärt Meinecke. Um der Öffentlichkeit die Arbeit der Züchter vorzustellen, beteiligte sich er am Wochenende am ersten bundesweiten Tag der Brieftaube. „Wir sind eine Nische, die kaum jemand wahrnimmt“, sagt er. Einblicke in die Brieftaubenzucht gewährten am Tag der Brieftaube auch der Hottendorfer Heino Lilge, Vorsitzender der Reisevereinigung Gardelegen, sowie Sven Schönfeld aus Berge, Mitglied der Reisevereinigung. Bei Meinecke wurden keine interessierten Besucher vorstellig. „In Berge waren aber um die 20 Leute da. Uns geht es um die Mitgliederwerbung“, betont er. Zu Spitzenzeiten hätten der Vereinigung um die 50 Mitglieder angehört, mittlerweile seien es nur noch 38, so Meinecke. Der demografische Wandel mache sich auch bei der Reisevereinigung bemerkbar, so Meinecke. „Wir konzentrieren uns bei der Mitgliedergewinnung vor allem auf Menschen, die Rentner sind oder es bald werden. Sie haben nämlich Zeit“, erklärt er. Bei Interesse sei natürlich jeder willkommen. „Züchter sein bedeutet auch jeden Tag Verantwortung zu haben“, macht Meinecke deutlich. Jeden Tag müssen die Tauben versorgt werden. Dazu können aber auch Taubengemeinschaften gebildet werden, in denen sich zwei bis drei Züchter zusammenschließen, so Meinecke.

Günter Meinecke gehört seit 1978 der Reisevereinigung Gardelegen an.