Altmarkfestspiele

Brillante Künstler zur blauen Stunde

Mit dem Konzert zur blauen Stunde am Schloss Goßler in Kalbe begeisterten Bianca Nicholas und Oliver Poole aus England ihr Publikum.

Von Anke Kohl

Kalbe l Mit einem fantastischen Repertoire, aber ohne Programm kamen Oliver Poole und Bianca Nicholas zum Konzert nach Kalbe. Die beiden britischen Künstler wissen genau was sie auf der Bühne können, aber sie verraten es nicht vorher. So erwartete die rund 180 Gäste des Konzertes zur blauen Stunde vor der Kulisse des Schlosses Goßler in Kalbe also ein Überraschungsprogramm vom Pianisten Oliver Poole und der Sängerin Bianca Nicholas. Einzig der Titel „Eine Nacht in London“ ließ erahnen, dass wohl musikalische Werke von der britischen Insel zu hören sein würden.

Mehr konnte auch der Initiator und musikalische Leiter der Altmark-Festspiele, Reinhard Seehafer, den Gästen zur Begrüßung nicht ankündigen. „Freuen Sie sich auf einen Mix aus Bayreuther Festspielen und Night of the Proms mit Stücken von Richard Wagner bis John Lennon und anderen Popstars“, machte er neugierig. Und so begann der Abend im Buchsbaumgarten mit dem Titel „Smile“ von Charlie Chaplin. Einem Lied, das zwar vom Lächeln erzählt, doch in der Interpretation eher von melancholischer Atmosphäre bestimmt war. Dazu die großartige Stimme von Bianca Nicholas. Die 26-jährige Sängerin, so klein und zart sie auf der Bühne wirkte, beeindruckte ihre Zuhörer mit ihrer klaren, kräftigen und zu allen Gefühlen ausdrucksfähigen Stimme. Da verwundert es keineswegs, dass sie im vergangenen Jahr das Vereinigte Königreich beim Eurovision Song Contest vertreten durfte.

Als Multitalent auf der Bühne erwies sich der Pianist Oliver Poole. Er spielte nicht nur wie ein Meister seines Faches mit der Klaviatur. Er moderierte das ganze Programm, amüsierte das Publikum sehr humorvoll und bezauberte nicht nur seine musikalische Partnerin auf der Bühne sehr charmant. Schade war für viele Zuschauer allerdings, dass es für seine Worte keine Übersetzung gab. Denn der 25-Jährige, der schon mit sieben Jahren als außergewöhnliches Nachwuchstalent ausgezeichnet worden ist, sprach ausschließlich Englisch. So entging einigen Gästen das Vergnügen, den Charme des jungen Mannes genießen zu können, als er seine Partnerin für das schöne Kleid lobte, mit dem sie die Bühne betrat, oder dass sie gerade ganz wundervoll gesungen habe.

Doch Poole setzte auf die Musik als Mittel der Verständigung. Das hatte der junge Mann mit der Strubbelmähne ohnehin gleich zu Konzertbeginn erklärt. „Ich spreche kein Deutsch. Aber ich hoffe, wir erreichen Sie heute dennoch. Wir versuchen es mit der Musik“, sagte er in seiner Muttersprache. Ein Stück, das Bianca Nicholas voller Inbrunst sang und ihm geradezu Seele einhauchte, folgte an zweiter Stelle. „Halleluja“ interpretierte sie stimmlich absolut faszinierend. „Das ist schon etwas Besonderes. Das hat man nicht immer“, lautete daher unter anderem auch ein Lob von Heike Roscher, Helga und Fritz Ahnert in der Pause. „Brillant. Wirklich sehr gut“, sagten auch Margrit und Klaus Masurek aus Letzlingen.

Als großen, in drei verschiedenen Oktaven summenden Chor zog Poole das Publikum nach der Pause als Akteure in das Programm mit ein. Spaß hatten auf jeden Fall alle Besucher an diesem Spiel, das Poole natürlich auf dem Piano begleitete. Dafür applaudierte der Pianist dann auch dem Publikum. Eine Geste, die an diesem Abend natürlich auch den beiden Künstlern zu Recht und reichlich zuteil geworden war.