Köckte l Mit Katrin Dömland hat der Sportverein 90 Köckte eine engagierte Übungsleiterin in seinen Reihen, die sich auch vom Corona-Lockdown nicht in ihrem Bemühen aufhalten lässt, den Vereinsmitgliedern eine sportliche Auszeit vom Alltag anzubieten. Bis vor rund zehn Jahren wurde in Köckte nur der Kegelsport angeboten, der nicht für jeden gesundheitlich das Richtige ist. „Da war bei mir immer der Gedanke, es wäre doch schön, wenn wir etwas anbieten könnten, wo jeder mitmachen kann“, benennt Katrin Dömland ihre damalige Motivation, eine Gymnastikgruppe zu gründen.

Idee kommt gut an

„Ich dachte, so alt bist du noch nicht, du machst jetzt einen Übungsleiterlehrgang.“ Gesagt, getan. Die heute 55-Jährige setzte sich noch einmal auf die Schulbank und machte ihren Übungsleiterschein (Breitensport, C-Lizenz). Danach verteilte sie Handzettel im Dorf und freute sich anschließend darüber, wie gut ihre Idee aufgenommen wurde. Viele kamen und sind bis heute dem Sport treu geblieben.

Weil die Altersgruppen so breit gefächert sind – Sportbegeisterte von Mitte 20 bis über 90 Jahre sind dabei –, wird in zwei Gruppen trainiert. Allerdings erklärt Dömland: „Eingeteilt wird dabei nicht nach Alter, sondern nach Leistungsniveau.“ So gebe es durchaus 70-Jährige, die in der zweiten Gruppe mitturnen. „In der ersten Gruppe machen wir viele Übungen im Stehen oder bei denen man einen Stuhl zu Hilfe nimmt.“ Das Sportprogramm versucht sie dabei immer so vielfältig wie möglich zu gestalten.

War anfangs der alte, inzwischen verkaufte Saal in Köckte die Sportstätte, so sind die Aktiven inzwischen im Dorfgemeinschaftshaus gut aufgehoben. Dass dieses beheizt sei, sei ein großer Vorteil, findet die Übungsleiterin. Immer dienstags von 18.30 Uhr bis 19.30 Uhr trainiert die erste Gruppe und im Anschluss die zweite. Die rund 20 begeisterten Mitglieder kommen aus Köckte, Trippigleben, Dannefeld, Miesterhorst und Quarnebeck. Fällt Dömland selbst mal aus, hat sie mit Veronika Könnig, Ingelore Grabe und Doris Hartung engagierte Vertreterinnen.

Der erste Lockdown bremst

Mit dem ersten Corona-Lockdown wurden die Sportler 2020 aber ausgebremst. Im Oktober starteten sie zwar kurzzeitig wieder mit ihren Treffen, doch der nächste Lockdown folgte bald. „Ich fand es schade, dass es mit dem Sport so den Bach runtergeht“, denkt Dömland zurück. Eine Einladung zu einem Online-Training von einer Lehrerin, bei der die Altmärkerin vor vier Jahren ihre Fortbildung als Übungsleiterin B absolviert hatte, brachte sie auf eine neue Idee. Fast zeitgleich erhielt sie eine E-Mail vom Landesturnverband zur Schulung für „Zoom“, ein Programm, das Videokonferenzen ermöglicht, so dass jeder vor dem heimischen Computer turnen kann.

„Ich habe mich selbst damit befasst und dann in einer WhatsApp-Gruppe die Mitglieder auf diese Möglichkeit aufmerksam gemacht. Erstaunlicherweise meldeten sich aus beiden Gruppen gleich Leute, die Interesse zeigten, sogar über 70-Jährige“, war Dömland positiv überrascht.

Verein erwirbt eine Lizenz

Der Verein kaufte eine Lizenz für die Nutzung von Zoom, und die Sportler legten los. Zwischen Weihnachten und Neujahr wurden alle Mitglieder fit für die Anwendung auf PC, Tablet oder Handy gemacht, dafür teils auch Kinder und Enkel ins Boot geholt. Nach drei, vier Wochen waren die anfänglichen Schwierigkeiten, sich einzuwählen, schon vergessen. Trainiert wird jetzt wieder dienstags, zudem bietet Dömland ein „Powertraining“ mit Kraft- und Konditionsstärkung am Donnerstag an, für alle, die wirklich ins Schwitzen geraten wollen.

Am Motto „Gemeinsam Spaß haben und sich bewegen“ hat sich durch den Wechsel vom Training im Gemeinschaftshaus zu dem zu Hause vor dem Bildschirm nichts geändert. Neben dem Sport sei nämlich der soziale Aspekt sehr wichtig, findet Dömland. „Ich starte das Meeting extra schon eine halbe Stunde vorher, damit sich die Leute einfach mal unterhalten können. Am Anfang waren alle dabei noch etwas verhalten, aber jetzt wird immer pünktlich zugeschaltet. Die Gespräche fehlen einem ja doch.“

Heimtraining kommt gut an

Für einige Mitglieder ist das heimische Training sogar von Vorteil, weil sie nach der Arbeit nicht extra noch einmal losfahren oder -gehen müssen. „Da schaltet der Mann daheim schon den Computer ein, damit die Frau gleich loslegen kann, wenn sie heimkommt“, freut sich die Übungsleiterin. Ein Nachteil am Online-Training sei allerdings, dass sie nur anleiten, aber nicht verbessern könne. Trotzdem hat sich die Zahl der Gymnastikfans in Köckte nicht verringert. „Da gibt es keinen Abbruch“, ist die Gymnastiktrainerin froh, dass sie einen Weg gefunden hat, ihre Mitglieder trotz Lockdowns aktiv zu halten.