Gardelegen l „Es kann nicht sein, dass manche Eltern denken, sie bezahlen mit 132 Euro einen Kita-Platz.“ Gardelegens Bürgermeisterin Mandy Schumacher nutzte die Sozialausschusssitzung im Letzlinger Kulturhaus, um anhand eines Beispiels nochmals aufzuschlüsseln, wie viel ein Betreuungsplatz eigentlich kostet und dass der Elternanteil nur einen sehr geringen Prozentsatz ausmache. „Der Elternbeitrag ist nur ein Bruchteil dessen, was ein Kita- und Hortplatz insgesamt kostet“, so Schumacher, denn in diesen fließen nicht nur die Personalkosten, sondern beispielsweise auch Versicherungs-, Fortbildungs- und Wäschereikosten sowie alle Kosten rund um die Bewirtschaftung der Gebäude mit ein.

Ausgleich in jedem Jahr höher

Und so kostet ein Krippenplatz in der Letzlinger Kita Heideblümchen für die tägliche Zehnstunden-Betreuung im Monat 1955 Euro. Vom Land und vom Landkreis kommen für die Finanzierung des Platzes insgesamt 851 Euro, die Eltern zahlen 192,50 Euro. Da bleibe summa summarum ein Defizit von 900 Euro für diesen einen Platz, das die Hansestadt bezahle. „Und es gibt keine Einrichtung, in der es kein Defizit gibt“, betonte Schumacher. Und es werde jährlich größer. Gab es im Jahr 2017 noch ein Minus von 2,07 Millionen Euro, das die Stadt ausgleichen musste, so lag es im vergangenen Jahr bei 3,3 Millionen Euro. Und es sei eigentlich ganz egal, was ein Platz koste, „die Kommunen müssen am Ende immer zahlen. „Und es wird zukünftig immer schwieriger, das zu finanzieren“, machte die Bürgermeisterin deutlich.

Hintergrund dieser Erläuterungen seien zum Teil „dreiste Nachfragen“ von Eltern bei ihr gewesen, so die Bürgermeisterin. Die kamen, nachdem bekannt wurde, dass es eine Kabinettsvorlage vom Ministeriums für Arbeit, Soziales und Integration gibt, die vorsieht, dass die Beiträge für Kita und Hort im Januar 2021 wie bereits im Mai 2020 vom Land Sachsen-Anhalt übernommen werden, wenn die Eltern keine Notbetreuung für ihre Kinder in Anspruch nehmen.

Finanzielle Entlastung für Eltern

Das habe die Stadt zum Anlass genommen, um am Dienstag bekannt zu geben, dass am 15. Januar vorerst keine Beiträge für Kita und Hort eingezogen werden. Die Eltern, die die Beiträge jeden Monat an die Hansestadt überweisen, erhalten diese zurück, sowie eine endgültige Entscheidung aus Magdeburg vorliegt, dass die Kommunen die Kostenbeiträge für Januar 2021 aussetzen können und das Land die Summe in voller Höhe erstattet. Die Bürgermeisterin sieht das als „eine gerechte und nötige finanzielle Entlastung für Eltern, die ihre Kinder zurzeit zu Hause betreuen“.

Die Entscheidung ist am Dienstag laut einer Presseinformation von der Staatskanzlei des Landes Sachsen-Anhalt gefallen, wie im Internet nachzulesen ist. „Die Landesregierung hat eine sozialverträgliche Regelung für die Erstattung von Kitabeiträgen geschaffen. Wie bereits im Jahr 2020 greift das Land den Gemeinden finanziell unter die Arme, um Eltern, deren Kinder von angeordneten Kita- und Hortschließungen betroffen sind, die Beiträge zu erstatten“, heißt es dort.

Weitere Informationen

Informationen dazu gibt es auch im Sachgebiet Kitas der Stadtverwaltung Gardelegen unter Telefon 03907/71 61 56.