Magdeburg/Brüchau. „Wir reden hier von Tausenden Tonnen radioaktiv belasteter Abfälle“, sagt Bernd Ebeling von der Bürgerinitiative (BI) „Saubere Umwelt und Energie Altmark“ und blickt dabei die Mitglieder des Landes-Wirtschaftsausschusses an. Der hat auf Antrag der AfD-Fraktion das Thema Silbersee-Sanierung auf dem Tisch.

Silbersee wird die Brüchauer Deponie genannt, die laut Ebeling viele Jahre lang „zentrale Entsorgungsstelle für Bohrschlämme“ in der Altmark war. Diese Schlämme sind radioaktiv belastet und längst nicht die einzigen Giftstoffe, die sich in der ehemaligen Mergelgrube befinden. Was genau dort von 1972 bis 2012 eingelagert worden ist, vermag jedoch niemand zu sagen, da die Aufzeichnungen aus DDR-Zeiten mehr als lückenhaft sind. Fakt sei aber, so Ebeling, dass es einen nachgewiesenen Grundwasserschaden in der Tiefe gebe. Dort seien schon in den 1990er Jahren im Abstrom deutlich erhöhte Radium-226-Werte und Versalzungen festgestellt worden.

Einige Ausschuss-Mitglieder hören von dem Ausmaß offenbar zum ersten Mal. So sagt der Linke-Abgeordnete Hendrik Lange, dessen Fraktion zuvor die Zulassung der Öffentlichkeit beantragt hat: „Es ist ernsthaft darüber nachzudenken, dass die Deponie ausgekoffert wird. Finanzielle Überlegungen dürfen keine Rolle spielen.“

Von der Betreiberfirma Engie hört das niemand. Denn sie hat kurz vor der Ausschuss-Sitzung abgesagt und lediglich eine schriftliche Stellungnahme geschickt. Ohnehin müsste sie nur zehn Prozent der Sanierungskosten tragen. Den Rest übernähme die Landesanstalt für Altlastenfreistellung (LAF). Deren Chef Jürgen Stadelmann stellt noch einmal klar, dass es nach wie vor keine Entscheidung zugunsten einer Schließungsvariante gebe, dass weitere Untersuchungen, auch in Bezug auf den Grundwasserschaden, zu tätigen seien.

Möglich wären sowohl eine sogenannte Folienabdeckung als auch ein Auskoffern der Deponie und ein Verbringen der Schadstoffe in ein sicheres Endlager. Diese Variante wünschen sich die Bürger. Etwa 50 von ihnen haben gestern vor dem Landtag dafür demonstriert.