Garten

Vom Strauch bleibt nur ein Gerippe: Dieser Schädling frisst sich durch Gardelegens Vorgärten

In Gardelegens Vorgärten wird derzeit gerodet: Buchsbäume in Größenordnungen werden an vielen Stellen herausgerissen. Grund ist der Buchsbaumzünsler.

Von Malte Schmidt
Hunderte Buchsbaumzünsler befanden sich kürzlich in mehreren Büschen eines Volksstimme-Lesers. Sie sind nicht schnell, sodass man sie in Ruhe fotografieren konnte, dafür aber sehr gefräßig.
Hunderte Buchsbaumzünsler befanden sich kürzlich in mehreren Büschen eines Volksstimme-Lesers. Sie sind nicht schnell, sodass man sie in Ruhe fotografieren konnte, dafür aber sehr gefräßig. Foto: Malte Schmidt

Gardelegen - Das sei fast schon gruselig gewesen: Innerhalb von nur vier Tagen habe sich eine der Buchsbaumpflanzen in seinem Vorgarten von grün auf gelb gefärbt, berichtet ein Volksstimme-Leser vor wenigen Tagen am Telefon. Der gesunde Strauch war nur noch ein Gerippe. Am zweiten Buchsbaum in unmittelbarer Nähe habe er dann den Schädling in Aktion erlebt: Zahllose Raupen tummelten sich darauf. Im Innern des Busches war ein Vielzahl von Gespinsten zu erkennen. Die Recherche im Internet habe Aufklärung gebracht: Der Schädling ist der Buchsbaumzünsler, ein Falter, dessen Raupen sich von Buchsbaumblättern ernähren. „Bei uns war da nichts mehr zu machen. Wir mussten beide Büsche rausnehmen, und wir haben sie schon über 20 Jahre“, ärgert sich der Gardelegener. Die Äste habe er sofort verbrannt, „vor allem, um die Buchsbäume in der Umgebung zu schützen“.

Schnell nachsehen

Doch siehe da: Auch andere Nachbarn in der Straße hätten die Veränderungen in ihren Buchsbaumbeständen schon entdeckt, erzählt der Leser. So manches dekorativ geschnittene Buschwerk werde nun wohl das selbe Schicksal erleiden. „Wer auch Buchsbäume im Garten hat, sollte also schnell nachsehen, ob der Falter auch bei ihm gelandet ist“, mahnt er. Denn wer früh handele, habe durchaus Chancen, die Pflanzen zu retten.

Unter anderem mit biologischen Spritzmitteln, wie eine Mitarbeiterin der Gartenwelt Lüders GmbH in Gardelegen weiß. Auch, dass der Zünsler sich gerade durch Gardelegen frisst. „In diesem Jahr ist es besonders schlimm. Das haben wir daran gemerkt, dass bei uns zahlreiche Anrufe eingingen, wie unsere Kunden den Buchsbaumzünsler wieder los werden“, beschreibt die Mitarbeiterin die Situation. Vorbeugen könne man einem Befall mit Lebendfallen. In kleinen, von Mai bis September ausgelegte Boxen könne der Gartenbesitzer kontrollieren, ob die Buchsbäume befallen sind. Danach müsse dann nur noch ein zugelassenen Pflanzenschutzmittel zum Einsatz kommen.

Raupen absammeln

Ein weiterer Tipp: „Wer nicht gleich ganz auf Buchs im Garten verzichten will, sollte die Raupen am besten mehrmals pro Woche absammeln. Das ist allerdings mühsam, da sich die Raupen in den dichten Büschen gut verstecken können“, sagt Martin Feucht, der als Schmetterlingsexperte beim Naturschutzbund, kurz Nabu, in Baden-Württemberg tätig ist, aber auch die Lage in Sachsen-Anhalt kenne. „Es ist ein deutschlandweites Problem“, so Feucht. Als zweite Möglichkeit sehe er, die Büsche stark zurückzuschneiden.   „Trotzdem kommen die Raupen im Folgejahr meist wieder“, weiß der Experte aus Erfahrung. Da laut Feucht keines der giftigen Mittel, die für Privatgärten zugelassen sind, längerfristigen Schutz gegen den Zünsler bietet, sollten man am besten gleich darauf verzichten: „Diverse Schädlingsmittel enthalten Thiacloprid, das nachweislich wild lebende Insekten und Honigbienen schädigt.“