Drömling

Die Möllerbrücke wird saniert: Hansestadt übernimmt Anteil von Calvörde

Die Möllerbrücke im Biosphärenreservat Drömling wird nun offenbar doch saniert. Und die Entscheidung fiel ganz kurzfristig, so dass Gardelegens Bürgermeisterin Mandy Schumacher einen Eilentscheid getroffen hat. Anderenfalls wäre die Brücke wohl für immer ein Sanierungsfall geblieben.

Von Cornelia Ahlfeld
Die Möllerbrücke am Drömlings-Informationszentrum bei Kämkerhorst soll nun doch saniert werden.
Die Möllerbrücke am Drömlings-Informationszentrum bei Kämkerhorst soll nun doch saniert werden. Archivfoto: Anett Roisch

Gardelegen/Kämkerhorst - Auf den ersten Blick sieht man es ihr nicht an, auch nicht auf den zweiten, dass sie wertvoll oder selten sein soll, die Ohrebrücke am Informationszentrum Kämkerhorst. Eine alte Brücke, kaputte Fahrbahn, Eisenrohre als Absperrung zur Ohre. Lediglich die Pfeiler fallen auf. Erbaut wurde die Brücke im Jahr 1906. Sie gehört somit zu den ältesten Stahlbeton-Brückenbauwerken Deutschlands. Benannt wurde sie nach ihrem Erfinder, Professor Max Möller aus Braunschweig. In Sachsen-Anhalt soll es nur noch drei dieser Überführungen, die im Volksmund auch als Fischbauchbrücke bezeichnet werden, geben. Und das macht sie natürlich so wertvoll.

Allerdings ist sie völlig marode. Festgestellt wurden die Schäden, unter anderem Risse im Fundament, schon im Jahr 2002. Seitdem ist auch eine Sanierung im Gespräch, aber viel mehr ist bisher eben nicht passiert. Seit vielen Jahren ist der Sanierungsfall auch immer wieder ein Thema in der Kommunalpolitik, zuletzt im Oktober des vorigen Jahres.

Stadt übernimmt 75 Prozent für den Eigenanteil

Denn Eigentümer der Brücke sind jeweils zur Hälfte die Stadt Gardelegen und die Gemeinde Calvörde. Die Sanierung sollte im Rahmen eines Flurbereinigungsverfahrens realisiert werden. Allerdings konnte sich Calvörde bisher nicht darauf einigen, das Projekt auf einer Prioritätenliste auf einen der ersten drei Plätze zu setzen. Und bisher scheiterte eine Realisierung auch immer wieder am Geld. Doch das könnte sich ändern. Denn außerordentlich kurzfristig habe das Amt für Landwirtschaft, Flurneuordnung und Forsten – unter dessen Regie läuft das Flurbereinigungsverfahren – Gardelegen und Calvörde aufgefordert, eine Bestätigung zur Sicherung des finanziellen Eigenanteils abzugeben. Die Stadt habe bereits vor sieben Jahren ihren Eigenanteil beim ALFF eingezahlt. Das dort verfügbare Saldo belaufe sich auf 55 000 Euro, erläuterte Bauamtsleiter Ottmar Wiesel im Hauptausschuss. Die Gemeinde Calvörde habe sich in all den Jahren „immer zurückgehalten“ und andere Projekte priorisiert.

Aktuell befinde sich Calvörde in der Haushaltskonsolidierung. Sie sei auch in den nächsten Jahren finanziell nicht in der Lage, den avisierten Eigenanteil von 50 Prozent zu leisten, hatte Calvördes Bürgermeister Volkmar Schliephake der Stadt mitgeteilt. Damit eine dringend erforderliche Sanierung stattfinden kann und eine Förderung von 90 Prozent der Baukosten nicht verloren gehe, schlug er vor, dass die Stadt 75 Prozent des Eigenanteils (60 000 Euro) und Calvörde 25 Prozent (20 000 Euro) übernehmen. Eingezahlt habe Calvörde beim ALFF bereits 15 000 Euro. Die Stadt möge die ausstehenden 5000 Euro noch dazugeben.

Und das soll nun auch so passieren. Die Stadt schießt die 5000 Euro dazu. Es handele sich um Mehreinnahmen aus Grundstücksverkäufen.

Regulär hätte jede Partei 40 000 Euro dazu geben müssen. Die Baukosten insgesamt liegen bei 800 000 Euro.

Baubeginn noch völlig unklar

„Um das zu sichern, habe ich kurzfristig diese Eilentscheidung getroffen“, sagte Bürgermeisterin Mandy Schumacher im jüngsten Hauptausschuss. Anderenfalls wäre eine Sanierung in den nächsten Jahren wohl nicht erfolgt. Und eine 90-prozentige Förderung hätte es vermutlich auch nicht mehr gegeben.

„Eine gute Entscheidung“, kommentierte Stadtrat Gustav Wienecke (Fraktion SPD, Feuerwehr, Südliche Altmark) im Hauptausschuss. „Aber heißt das, wir bezahlen fast alles?“ so Wienecke weiter.

„Die 5000 Euro sehen wir wohl nicht wieder“, so Schumacher. Ansonsten hätte Calvörde das Projekt sterben lassen. Sollte die Brücke allerdings teurer werden, dann müsse man sich das alles noch mal ganz genau anschauen.

„Ich finde es aber gut, dass wir da einspringen, denn die Brückensanierung ist wichtig“, betonte Wienecke. Weitere Redebeiträge gab es dazu nicht. Die Sanierung der Brücke werde vom ALFF nun vorbereitet. Bis die Bauarbeiten beginnen können, wird es aber noch eine ganze Weile dauern, so Wiesel.

Bis dahin werden also weiterhin nicht nur Kremser, Radfahrer und Pkw über die Brücke fahren, sondern auch der Schwerlastverkehr, um die Ernte aus dem Drömling abzutransportieren. Obwohl es schon seit 2016 aufgrund des baulichen Zustandes eine Tonnagebegrenzung auf maximal vier Tonnen gibt.