Lindstedt l Für Lindstedts Ortsbürgermeister Siegfried Jordan ist die Situation dramatisch. Das einst moorige Gebiet im Bereich Lindstedt, Wollenhagen und Lindstedterhorst drohe quasi auszutrocknen. „In Wollenhagen haben wir früher ein Loch gebuddelt. Bei 50 Zentimeter Tiefe war das Grundwasser schon erreicht. Jetzt steht das Wasser erst bei einer Tiefe von 1,50 Metern“, schilderte Jordan die Situation. Aufgrund der Dürrejahre sei bei starkem Wind „der halbe Acker unterwegs“. Brunnen würden versiegen. An den alten Bauernhäusern, einst auf feuchtem Erdreich gegründet, sind Risse deutlich erkennbar. „Das war früher mal ein Moorgebiet.

Davon sieht man heute nichts mehr“, so Jordan. Der gesamte Bereich sei aufgrund des hohen Grundwasserstandes vor Jahren aufwändig melioriert worden. Der Secantsgraben, auch Holzgraben genannt, sei 1908 entstanden. Ein Grabensystem sei durch das Sumpfgebiet gezogen worden, um die nassen Weiden und Wiesen, die im Frühjahr oft überflutet waren, landwirtschaftlich nutzen zu können. Im Juni 1972 wurde im Rahmen eines Jugendobjektes „Melioration“ Fluter und Binnengräben neu gebaut und angelegt. „Einst gab es auch noch viele Staustufen in den Gräben zur Regulierung. Leider wurden viele zurückgebaut, so dass eine Regulierung nicht mehr möglich ist“, so Jordan. Viele Einwohner seien sehr besorgt. „Wir fragen uns nun, ob man nicht langsam umdenken muss, um auf die Trockenzyklen reagieren zu können“, betonte der Ortsbürgermeister.

Er hat sich jetzt schriftlich ans Umweltministerium gewandt mit der Bitte, die zuständigen Stellen im Altmarkkreis Salzwedel für dieses Thema zu sensibilisieren, um künftig besser auf solche extremen Situationen reagieren zu können. „Wir wünschen uns einen Neubau von Staustufen, um den Grundwasserspiegel konstant zu halten“, fasste Jordan zusammen. Zugleich hat Jordan Sachsen-Anhalts Umweltministerin Claudia Dalbert zu einem Vor-Ort-Termin eingeladen, um sich persönlich über die dramatische Situation zu informieren.

Umweltministerin eingeladen

Mit der Forderung nach Erneuerung oder dem Neubau von Stauanlagen rennt Jordan in der Kreisverwaltung offene Türen ein. „Das wird auch seitens der Kreisverwaltung als dringend erforderlich angesehen“, versicherte Umweltamtsleiterin Katrin Pfannenschmidt auf Volksstimme-Anfrage. Aktuelle Vergleichszahlen, wie sich der Grundwasserspiegel entwickelt hat, würden allerdings gegenwärtig noch nicht vorliegen. Langfristig gesehen sei es so, dass die höchsten Grundwasserstände jeweils Ende März und die niedrigsten Ende September zu erwarten sind. „Aufgrund der Witterung der letzten Jahre gehe ich jedoch auch von einem größeren Absinken als in Normal-Jahren aus. Dafür spricht auch die Vergrößerung der Anzahl an trocken gefallenen Fließgewässern“, so Pfannenschmidt. Im Gebiet des Unterhaltungsverbandes Uchte im Nachbarlandkreis Stendal gehe man davon aus, dass 90 Prozent der Oberflächengewässer ausgetrocknet sind.

Es sei aber auch davon auszugehen, dass sich die Situation im Durchschnitt der Jahre wieder verbessern wird – wenn sich die jährlichen Niederschlagsmengen im langjährigen Durchschnitt bewegen. „Wann genau die Grundwasserstände wieder steigen, wie lange, wie weit, ob überhaupt und die langfristige Tendenz – dazu gibt es die verschiedensten Klimamodelle, die sich durchaus manchmal auch widersprechen“, betonte Pfannenschmidt. Viele Brunnen auf den Grundstücken seien Schachtbrunnen mit geringen Tiefen. Ein Trockenfallen sei insofern nicht verwunderlich.

„Jeder Eigentümer sollte auch die Nutzung von Wasser aus dem eigenen Brunnen zur Gartenbewässerung im Interesse des gesamten Grundwasseraufkommens hinterfragen“, sagte Pfannenschmidt. Einen Masterplan, wie mit der Situation langfristig gesehen umzugehen ist, gebe es nicht. „Wasser sparen, Wasser mehrfach nutzen, Wasser zurückhalten, wenn welches da ist und Prioritäten setzen“, fasste Pfannenschmidt zusammen. Aufgrund der Situation gilt kreisweit bis Ende Oktober ein Entnahmeverbot aus öffentlichen Gewässern. Eine Zuwiderhandlung sei rechtsmittelbewährt. Es drohen hohe Bußgelder. Auf sein Schreiben ans Umweltministerium, datiert vom 12. August, hat Lindstedts Ortsbürgermeister Siegfried Jordan noch keine Antwort bekommen.