Kirche

Eine Hundertjährige mit Geschichte(n)

Am Sonnabend feierten die Jävenitzer den Geburtstag ihrer Kirche mit viel Engagement und so mancher Überraschung.

Von Gesine Biermann

Jävenitz l Sie war „ein Kraftakt“ sagt Maik Matthies. Und zwar einer, „den ein paar Wenige mit großer Energie“ umsetzten, sagt Pfarrer Jürgen Brilling. Vor genau 100 Jahren, am 7. Oktober 1917, wurde die Jävenitzer Kirche eingeweiht. Gebaut wurde sie mitten im Ersten Weltkrieg – allen widrigen Umständen zum Trotz.

Am Sonnabend wurde sie gefeiert. Zuerst mit einem Gottesdienst, dann mit Kaffee und Unmengen leckerem Kuchen, den die Damen der Gemeinde gebacken hatten, und mit guten Gesprächen. Zudem gab es eine Foto- und Bilderausstellung, die Turmbesichtigung war möglich, und danach erlebten die Besucher einen wirklich spannenden Vortrag über die Geschichte dieses ungewöhnlichen Gotteshauses, den die beiden Jävenitzer Brüder Christian und Maik Matthies zusammengestellt hatten. Und der sorgte sicher auch noch bei den alteingesessenen Jävenitzern für so manche Überraschung.

Denn es waren die kleinen, die menschlichen Geschichten, die sie ausgegraben hatten. So jene vom Jävenitzer Bauern, der den Taufstein einst für 2 Mark herankutschiert hatte, oder jene vom Fotografen aus Berlin, der extra Fotos vom Bau gemacht hatte: Maik Matthies: „Wir haben zwar keine Fotos gefunden, dafür aber die Rechnung. Er muss also da gewesen sein.“

Auch manchen kuriosen Fakt hatten die Hobbyhistoriker aufgelistet. So die Tatsache, dass keine einzige der Bauleistungen an einen Jävenitzer vergeben worden war, oder dass der Baubeginn „wegen der Erntearbeiten“ ein halbes Jahr verlegt wurde. Sicher waren sich Christian und Maik Matthies am Ende ihres Vortrages darüber, dass Jävenitz noch heute keine Kirche hätte, „wenn sie nicht 1914 begonnen hätten. Denn danach seien die Zeiten noch schlechter für so ein Projekt gewesen.“

Gut also, dass die Dorfväter vor 100 Jahren so entschieden, fand auch Pfarrer Jürgen Brilling: „Es waren noch nie die großen Massen, die in der Geschichte etwas bewegt haben. Es waren ganz oft einzelne, oder wenige, und es kam immer darauf an, ob sie Menschen von ihrer Sache begeistern konnten.“ Maik und Christian Matthies gelang genau das mit ihrem Vortrag und der neuen Chronik über die Kirche in Jävenitz spielend.