Badel l Renée Schotte erinnert sich noch daran, wie ein Umzug in die Altmark zum ersten Mal Thema wurde. Sie stand damals in Wetzlar, wo sie mit ihren drei Kindern lebte, im Schwimmbad. Die Tochter kam mit einem Atlas angelaufen, meinte der Vater habe angerufen und es gebe drei Orte, wohin er sich versetzen lasse könne. „Ich sah mich außerstande, im Schwimmbad zu entscheiden, wohin es gehen sollte“, berichtete die 71-Jährige nun im Volksstimme-Gespräch. Das Umziehen war die Ehefrau eines Kommandanten der Bundeswehr gewohnt. Zuvor war sie mit ihm schon siebenmal umgezogen. Dass es in die Altmark ging, entschied ihr Mann Heinrich Schotte dann selbst.

In Gardelegen boten sich ihm Anfang der 1990er Jahre berufliche Chancen. Er übernahm 1991 die Stelle des Kommandeurs im Verteidigungskreiskommando. Dreieinhalb Jahre später wurde er Kommandant des Truppenübungsplatzes Magdeburg, später Leiter des Gefechtsübungszentrums (GÜZ) Heer Altmark. Bald darauf entschied sich Renée Schotte mit ihrem Sohn Dietrich, der im September 1992 in die fünfte Klasse kam, mit in die Altmark zu ziehen. Die beiden älteren Kinder waren schon erwachsen, hatten das Abitur bereits in der Tasche.

Hätte nicht gedacht, 28 Jahre hier zu bleiben

In Badel wurde ein passendes Grundstück gefunden. Das Wohnhaus sollte umgebaut werden. „Wir dachten, das sei in wenigen Wochen erledigt. Es zog sich dann aber doch bis kurz vor Weihnachten hin“, so die Hausherrin. Im Spätsommer kam die Familie, die bis zum Einzug in einer Unterkunft in Badel lebte, in der zur Erntezeit Studenten untergebracht waren. „Dort hatten wir nur eine Kochplatte. Unsere Möbel waren noch alle im Container. Auch die Waschmaschine. Mit der großen Wäsche fuhr ich dann nach Hannover, wo der ältere Sohn studierte.“

Schließlich war der Umbau vollbracht und Schottes konnten in das Haus an der Bahnhofstraße einziehen. „Als wir damals nach Badel kamen, dachte ich noch, mal gucken, was das wird. Wenn es nicht passt, gehe ich halt wieder zurück. Ich hätte damals nicht gedacht, dass ich 28 Jahre hier bleiben würde.“

Vielleicht war ich damals zu forsch

28 Jahre, in denen sie sich in der westlichen Altmark gesellschaftlich stark engagierte. Los ging das sofort mit dem Schuljahresanfang 1992. Dietrich besuchte die fünfte Klasse der Fleetmarker Außenstelle des Albert-Schweitzer-Gymnasiums – 1996 fusionierte die Schule mit dem Friedrich-Ludwig-Jahn-Gymnasium in Salzwedel. Eine Elternvertretung sollte bestimmt werden. Renée Schotte erklärte sich dazu bereit, wurde zur Vorsitzenden gewählt. „Ich glaube in dieser Position war ich damals zu aktiv. Ich bin beispielsweise zur Lehrerin gegangen, weil sie zur Elternversammlung einlud und ich der Meinung war, das sei meine Aufgabe.“ Aus heutiger Sicht meint die 71-Jährige: „Vielleicht war ich damals zu forsch. Aber das ist mir nicht aufgefallen. Vielleicht gab es auch Leute, denen das nicht gefiel, die bei mir nach dem Pferdefuß suchten, aber das war für mich nie Thema.“ In Kategorien wie Ost und West hat Schotte von Anfang an nicht gedacht.

Ihr großes Engagement für die Schüler führte die ausgebildete Lehrerin, die diesen Beruf nicht mehr ausübte, sogar zum Vorsitz des Kreiselternrates. „Ich war die erste Kreiselternratsvorsitzende“, sagt sie nicht ohne Stolz. Diesen Posten bekleidete sie, bis der Sohn aus der Schule kam. Sie setzte sich für Belange von Eltern und Schüler im Altmarkkreis ein.

Besuch der Grünen Dame

In der Altmark angekommen, war es anders als bei den Umzügen in den alten Bundesländern. „Dort wurden wir Familien über die Bundeswehr aufgefangen. Es gab gemeinsame Ausflüge, Einladungen“, erinnerte sich die Wahl-Altmärkerin. In der neuen Heimat war das nicht so. Kontakte bekam Schotte über ihre Arbeit als Elternvertreterin, aber auch durch ihre Mitgliedschaft in der Salzwedeler Kantorei. Bereits 1992 sang sie das Weihnachts-Oratorium. In Badel organisierte sie das Krippenspiel und bot die Christenlehre an.

Aber auch das genügte der aktiven Frau nicht. 1996 begann sie an der Kreisvolkshochschule Salzwedel Englisch zu unterrichten. „Das habe ich 20 Jahre lang gemacht.“ Schotte gehörte auch zu den Gründungsmitgliedern der Grünen Damen, die Bärbel Treu vor knapp 15 Jahren ins Leben rief. Regelmäßig besuchte Schotte Patienten im Salzwedeler Krankenhaus, die wenig oder gar keinen Besuch bekamen. „Das hat richtig Spaß gemacht. Wenn es mein gesundheitlicher Zustand zulässt, dann würde ich das in Hamburg wieder machen“, sagt sie.

Rückkehr in die Heimatstadt

In der Hansestadt groß geworden, möchte Renée Schotte, deren Mann im vorigen Jahr verstarb, nun wieder in die Heimat zurückkehren. „Das Grundstück in Badel ist für mich allein viel zu groß.“ Jahrelang bot es der „Großfamilie“ bei Besuchen den heimischen Anker. Ab September lebt Schotte in Hamburg. Zahlreiches Inventar ist für den Umzug schon verstaut. „Sicher werde ich vieles vom Landleben vermissen. Ich freue mich aber auch darauf, ein Konzert in der Elbphilharmonie zu besuchen“, so Schotte.