Gardelegen l „Ja, das ist schon ein Ding mit dem Friedhofszaun. Die Leute laufen jetzt alle schon quer über die Wiese,“ erzählt ein Anwohner kopfschüttelnd und blickt auf die mehrere Meter fehlende Umzäunung des Friedhofszaunes am Holzweg. Das könne man alles nicht mehr wirklich verstehen. Aber dennoch ist es so. Die geplante Erneuerung des Friedhofszaunes – die Arbeiten sollten schon längst abgeschlossen sein – zieht sich hin. Die Stadt kann noch nicht so aktiv werden, wie sie es gerne gewollt hätte. Denn der Denkmalschutz hatte ihr einen Strich durch die Rechnung gemacht.

Lattenzaun mehr als zwei Jahrzehnte alt

Die Stadt als Träger des Gardelegener Friedhofes wollte den hölzernen Lattenzaun im Bereich des Holzweges erneuern. Der war Anfang der 1990-er Jahre errichtet worden und zeigte nach nunmehr gut 20 Jahren Verschleißerscheinungen. Der Lattenzaun ist morsch und instabil. Die Verwaltung hatte bereits im Jahr 2017 einen Stabmattenzaun gekauft – in Grün – passend zum Gartendenkmal, denn ein solches ist der Gardelegener Friedhof mit seinen vielen Bäumen und Hecken. 12 000 Euro hatte der Stabmattenzaun gekostet.

Anfang dieses Jahres hatten dann Mitarbeiter des städtischen Grünflächenamtes mit den Bauarbeiten begonnen. Ein Teil des Lattenzaunes wurde abgebaut und ein neues Zaunfeld mit einem Tor aufgebaut. Dann kam ein provisorischer Bauzaun davor. Danach tat sich lange Zeit nichts. Die Stadt hatte sich quasi selbst einen Baustopp verhängt, nachdem eine Mitarbeiterin der Kreis-Denkmalschutzbehörde am Holzweg unterwegs war und dann offenbar prüfte, ob denn für den Zaunbau überhaupt eine denkmalrechtliche Genehmigung eingeholt worden war.

Das war allerdings nicht der Fall, denn die Stadt war nicht davon ausgegangen, dass der Lattenzaun ebenfalls unter Denkmalschutz steht. Was aber so ist, wie Kreissprecherin Birgit Eurich auf Volksstimme-Anfrage bestätigt hatte. Die Einfriedung gehöre zum Gartendenkmal Friedhof. Und somit sei eine denkmalrechtliche Genehmigung auch für die Erneuerung des Lattenzaunes erforderlich. nterdessen hat die Stadt ihren Widerspruch gegen die Ablehnung des grünen Stabmattenzaunes zurückgezogen und in der vorigen Woche eine denkmalrechtliche Genehmigung beantragt, informierte gestern auf Volksstimme-Anfrage Isolde Niebuhr, Fachbereichsleiterin für Sicherheit und Ordnung. In ihr Ressort fallen auch die Friedhöfe der Hansestadt Gardelegen.

Stabmattenzaun für Estedt und Hottendorf

Im Vorfeld habe es Vor-Ort-Termine und Gespräche gegeben. Der Stadt sei mitgeteilt worden, dass man seitens der Denkmalschutzbehörde einen höherwertigen Zaun wünsche als den grünen Stabmattenzaun. Das Zaunfeld sollte Längs- und zwei Querstreben haben und anthrazitfarbig sein. „Ich habe mir dann Muster besorgt und eingereicht“, so Niebuhr. Nach den Vorgesprächen seien Kostenvoranschläge eingeholt worden. Und die liegen für die 343 Meter Friedhofszaun bei gut 60 000 Euro. Niebuhr hofft, dass ihr Antrag nun relativ zügig bearbeitet und auch positiv beschieden wird, denn die Lücke soll noch in diesem Jahr geschlossen werden, und zwar nicht mit einem Provisorium, sondern bereits mit den neuen Zaunfeldern.

Aber eben vorerst nur die Lücke, denn finanziell sei in diesem Jahr nicht mehr drin. Es wird also ein Zaunbau auf Raten. Der vor zwei Jahren gekaufte grüne Stabmattenzaun sei dennoch nicht umsonst angeschafft worden. Für die Zaunfelder habe man anderweitig Verwendung gefunden. So seien einige Zaunfelder am Estedter Friedhof bereits angebaut worden. Weitere Zaunfelder sollen am Hottendorfer Friedhof aufgebaut werden, nachdem ein Teil der vorhandenen Umzäunung umgefahren worden war. Dort müssen zuvor allerdings noch Fundamentarbeiten ausgeführt werden.