Kinderbetreuung

Erziehermangel? In Gardelegen müssen sich Eltern um fehlende Kita- oder Hortplätze keine Sorgen machen

Zu viele Kinder, zu wenige Erzieher: In Sachsen Anhalt fehlen Betreuungskräfte in Größenordnun-gen. In Gardelegen hält man dagegen – mit guten Bedingungen und Angeboten und mit langfristiger Planung.

Von Gesine Biermann
Kinderbetreuung in der Kita. Landesweit fehlen ausgebildete Erzieher in den Einrichtungen. In Gardelegen sieht das ganz anders aus. Die Stadtverwaltung hat das drohende Problem schon vor Jahren erkannt und gezielt Erzieher geworben, und sie bildet selbst Erzieher aus.
Kinderbetreuung in der Kita. Landesweit fehlen ausgebildete Erzieher in den Einrichtungen. In Gardelegen sieht das ganz anders aus. Die Stadtverwaltung hat das drohende Problem schon vor Jahren erkannt und gezielt Erzieher geworben, und sie bildet selbst Erzieher aus. Foto: imago

Gardelegen - Kitas und Kommunen in Sachsen-Anhalt haben Sorgen. Viele Kinder – eigentlich eine gute Nachricht – müssen betreut werden. Doch es fehlen Erzieher. Und es kommen nur wenige nach. Doch wie ist das vor Ort? Müssen sich Eltern Sorgen machen, dass sie künftig keine Fachkräfte mehr in den Einrichtungen vorfinden oder dass sie ihre Kinder möglicherweise gar nicht mehr betreuen lassen können? Nein, sagt Gardelegens Bürgermeisterin Mandy Schumacher auf Nachfrage, „es muss sich kein Elternteil Sorgen machen, wir haben die Herausforderung der Fachkräftegewinnung und auch des Haltens der Kräfte im Blick und arbeiten auch dauerhaft daran.“

Kurz gesagt: Problem erkannt und die Lösung im Blick. Und zwar nicht erst jetzt, sondern schon seit Jahren. „Die Hansestadt Gardelegen ist schon länger systematisch bestrebt, über den Personalschlüssel hinaus zu planen, um einen reibungslosen Ablauf in den Kitas zu gewährleisten“, versichert Josephine Lindecke, Leiterin Personal und Organisation in der Verwaltung. Aktuell bestehe in der Einheitsgemeinde Gardelegen auch kein Fachkräftemangel in den Einrichtungen.

Es muss sich kein Elternteil Sorgen machen. Wir haben die Herausforderung im Blick.

Bürgermeisterin Mandy Schumacher

Doch wie schafft Gardelegen, was anderenorts nicht gelingt? Offenbar mit einem ganzen Maßnahmenpaket. Ein wichtiger Punkt: In den Kitas und Horten wird auf befristete Arbeitsverhältnisse. verzichtet. Das bedeute eine große Planungssicherheit für die Erzieher, betont Lindecke. Ein weiteres Standbein sei die Ausbildung: „Seit 2019 bieten wir vergütete Ausbildungsplätze an“. In dem Jahr nahm die Stadt an der Bundesfachkräfteoffensive teil und stellte auch den ersten Auszubildenden ein.

Ein Jahr später kamen mit der Teilnahme am Landesmodellprojekt zur Fachkräfteoffensive drei weitere Auszubildende zum staatlich anerkannten Erzieher dazu. Und in diesem Jahr haben auch wiederum zwei junge Leute die Chance, eine Ausbildung zu beginnen.

Und auch Praktikanten im Anerkennungsjahr zum staatlich anerkannten Erzieher können in Gardelegen mit einer Vergütung rechnen, informiert Josephine Lindecke. Bei Bedarf werde den Praktikanten auch eine Übernahme angeboten. Erfahrene und ausgebildete Praxisanleiter vor Ort stünden den Nachwuchsfachkräften außerdem stets als Ansprechpartner zur Verfügung.

Natürlich gibt es immer mal wieder Engpässe, aber den Betreuungsschlüssel halten wir ein.

Josephine Lindecke, Leiterin Personal und Organisation

Lernen dürfen in Gardelegens Kitas aber nicht nur die Azubis. Auch den gestandenen Erziehern werden regelmäßig entsprechende Weiterbildungen angeboten, um die Nachwuchskräfte optimal fördern zu können, heißt es aus der Verwaltung. Apropos fördern: Nicht nur staatlich anerkannte Fachkräfte werden eingestellt. Auch Sozialassistenten oder Kinderpfleger haben eine Chance, eingestellt zu werden. Sie könnten – im Verhältnis zwei Fachkräfte/eine Hilfskraft – die Erzieher vor Ort unterstützen und so natürlich auch für Entlastung sorgen. Sozialassistenten wird sogar angeboten, sich berufsbegleitend zum Erzieher zu qualifizieren.

Richtig gut laufe in der Einheitsgemeinde übrigens auch die Bereitschaft in den Kitas, untereinander auszuhelfen. „Durch Umsetzungen von Personal oder durch Veränderungen der Wochenarbeitszeiten können Personalengpässe meist kompensiert werden“, betont Josephine Lindecke. Und so kann Gardelegen etwas von sich behaupten, was wohl längst nicht alle Kommunen im Land von sich sagen können.

Lindecke: „Natürlich gibt es immer wieder mal Engpässe durch Krankheit oder Beschäftigungsverbot, aber den Betreuungsschlüssel laut KiföG LSA (Kinderförderungsgesetz Land Sachsen-Anhalt, siehe unten) halten wir ein.“

Betreuungsschlüssel laut KiföG

In Sachsen Anhalt dürfen im Krippenbereich 6 Kinder von einem Erzieher betreut werden ( je Kind 0,187 Arbeitsstunden einer pädagogischen Fachkraft).

Im Kindergarten kann ein Erzieher für die Betreuung von 12 Kindern eingesetzt werden ( je Kind 0,083 Arbeitsstunden einer pädagogischen Fachkraft).

Im Hortbereich darf ein Erzieher für 20 Kinder verantwortlich sein ( je Schulkind 0,052 Arbeitsstunden einer pädagogischen Fachkraft).

Quelle: ms.sachsen-anhalt.de