Gardelegen l Zu viele „The Fast and the Furious“-Wiederholungen geschaut haben wohl einige Motorsportfans. Auf dem Gelände des Fliegerklubs Gardelegen übten sie am ersten verschneiten Wochenende des Jahres Ende Januar scheinbar das Driften und ähnliche Kunststückchen – mit dem „Erfolg“, dass die Start- und Landebahn dabei beschädigt wurde.

Verbotsschilder ignoriert

Obwohl Verbotsschilder an beiden Zufahrten eindeutig sig­nalisieren, dass die große freie Fläche auf dem Segelflugplatz Gardelegen an der Weteritzer Landstraße nicht unerlaubt befahren oder betreten werden darf, wird das Rollfeld immer wieder zweckentfremdet, ärgert sich der Verein.

„Es sind Auto- und Quadfahrer, die sich da ausprobieren. Dieses Mal wurden die Fahrzeugtypen der Autos erkannt. Wir haben den Vorfall bei der Polizei zur Anzeige gebracht“, hat Tim Koesling vom Vereinsvorstand Hoffnung, dass die Verursacher ausfindig gemacht werden. Aber auch Spaziergänger mit Hunden, die Löcher graben, bereiteten den Fliegern in der Vergangenheit schon Probleme.

Bilder

Böse Folgen möglich

Wird die Grasnarbe beschädigt, kann das böse Folgen haben, deshalb müsse das Gelände immer wieder kontrolliert werden. „So ein Propeller hat nur 30 Zentimeter Abstand zum Boden. Ein kleines Loch, durch das man fährt, kann also dazu führen, dass der Propeller aufsetzt, und schon hat man einen Schaden von 30 000 Euro“, weiß Roland Koch, der ebenfalls dem Vorstand des Fliegerklubs angehört. Die Reifen hätten den Untergrund dieses Mal stark aufgewühlt, ist dem Polizeibericht zu entnehmen.

Die 25 Vereinsmitglieder werden sich deshalb, sobald es das Wetter zulässt, mit Schippen, Harken und einer Walze ausrüsten und die Schäden wieder beseitigen. Gerade auf dem windigen Gelände mit sandigem Altmarkboden, auf dem es freilich keine Schattenspender gibt, dauere es aber lange, bis die Grasnarbe sich wieder schließt. Das Grundstück gehöre zwar der Hansestadt Gardelegen, der Fliegerklub sei aber Betreiber und müsse sich nun um die Schäden, die trotz Schneedecke entstanden sind, kümmern.

Flugplatz wird gut angenommen

Der Platz werde nicht nur von den Vereinsmitgliedern genutzt, sondern sei auch ein Sonderlandeplatz für andere Flugzeuge, die diesen nach Voranmeldung nutzen dürfen. Das werde gern angenommen.

Im Sommer finden die Fliegerlager statt. Gäste aus anderen Vereinen reisen mit Segelflugzeugen an und campen in Gardelegen. „Sie lieben unseren Platz. Das hängt mit der Thermik zusammen, die Böden hier erwärmen sich gut und machen lange Flüge möglich“, wissen die Gardelegener. Auch der traditionelle Flugplatztag am letzten Wochenende der Sommerferien locke stets zahlreiche Gäste an, die unter anderem große Doppeldecker und Oldtimer bestaunen und selbst mitfliegen dürfen.

Fünf Fluglehrer bilden aus

Insgesamt freut sich der Verein über eine positive Entwicklung, hat sogar ein neues Vereinsflugzeug angeschafft. Im vergangenen Jahr wurden fünf neue Flugschüler gewonnen. Außerdem legte Werner Beyer, schon seit 30 Jahren im Flugsport aktiv, seine Prüfung zum Segelfluglehrer ab und ergänzt damit das Lehrerteam um Harald Lange und Gert Fischer. Daneben stehen zwei Motorfluglehrer zur Verfügung: Roland Koch und Bennet Adloff. Letzterer sei ein gutes Beispiel für eine Karriere. „Er hat hier das Fliegen gelernt, bringt es nun anderen bei und fliegt selbst sogar Airbus“, fasst Koch zusammen.

Schon mehrere junge Leute hätten ihren beruflichen Ursprung in Gardelegen gefunden, informiert der Vorstand. Die Ausbildung für das Segelfliegen kann bereits mit 14 Jahren begonnen werden. Sie ist auch ein guter Start ins Fliegerleben. Mindestens 18 Jahre alt muss man sein, um das Steuern eines Motorflugzeuges zu erlernen. Anderthalb bis zwei Jahre dauert die Ausbildung. Erst dann darf man selbst abheben.