Kassieck l „Ich bin geradezu überwältigt“, sagt Christine Schulz freudestrahlend und blickt in den Saal des Dorfgemeinschaftshauses, aber auch in dessen Vorraum. Dort sitzen Menschen dicht an dicht, schwatzen angeregt bei Kaffee und Kuchen. Auf dem Parkplatz vor dem Haus und an der angrenzenden Straße ist kein Platz mehr frei.

Im Saal selbst gibt es am Sonntagnachmittag elf Stände. Und es wird dort nicht irgendetwas angeboten, sondern Handgemachtes. Die Artikel reichen von der hölzernen Molle über Selbstgenähtes bis hin zu selbstgebrannter Keramik.

Artikel wechseln Besitzer

Letztere hat Angelika Henneick mitgebracht. Ihr Stand ist dicht umringt. Ständig wechseln Artikel ihren Besitzer, vom Osterhasen bis zum Herz an der Kette. Den extra gestalteten Hai, von dem sie überzeugt war, er würde in ihrem Heimatort Kassieck verbleiben – schließlich gibt es dort seit Jahrzehnten die Sportvereinigung der Kassiecker Haie – verkauft sie allerdings nach Kalbe. Denn die Besucher des Marktes kommen längst nicht nur aus dem Ort selbst und aus dessen unmittelbarer Umgebung.

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„Als bekannt wurde, dass wir den Markt veranstalten, da haben sich auch Anbieter von außerhalb gemeldet“, erzählt Organisatorin Christine Schulz begeistert. Dabei konnte sie sich doch schon vorher darauf verlassen, dass viele Stände bestückt werden. Denn in Kassieck und in den Nachbardörfern gibt es nicht wenige Frauen und Männer, die sehr kreativ sind.

Erlös an Lindstedter Hort

Dazu gehört auch die ehemalige Erzieherin Gabriele Fiedler. Sie ist auf Floristik spezialisiert und hat an ihrem Stand eine kleine Schiefertafel angebracht, auf der zu lesen ist, dass der Erlös, den sie an diesem Nachmittag einnimmt, komplett dem Lindstedter Hort zugute kommt. „Davon soll dann dort Gärtnereibedarf gekauft werden“, erzählt sie. Das passt doch!

Mollenhauer Fritz hat sein Hobby im selbst gewählten Namen festgehalten. Denn eigentlich trägt er ansonsten den Frühling darin. Der Jävenitzer heißt nämlich im wirklichen Leben Lenz. Auch das passt hervorragend zu diesem kleinen, aber feinen Markt, auf dem es so viel Dekoratives zu entdecken gibt. Am Stand des Mollenhauers steht zum Beispiel eine Dame, die sich nicht entscheiden kann. Eigentlich sucht sie ein Geschenk. Aber dann erwirbt sie die Schale aus Ulmenholz doch für den Eigenbedarf. Sie findet sie einfach zu schön zum Weggeben.

Spenden werden verteilt

Nebenan – im Vorraum zum Vorraum – verkauft Marlies Weber hingegen ein Kuchenstück nach dem anderen, bis nichts mehr übrig ist. Gebacken haben die Muttis der Lindstedter Kita-Schützlinge. Und auch der dabei erwirtschaftete Erlös kommt komplett dem „Entdeckerland“ – dort ist im Juni ein Sommerfest geplant – zugute, in dem Marlies Weber als technische Kraft und „gute Seele“ tätig ist. So steht es jedenfalls auf ihrer bestickten Schürze.

Auf die Idee, den Frühlingsmarkt zu organisieren, war Christine Schulz gekommen, nachdem sie als Kuratoriumsmitglied der Lindstedter Kita „Entdeckerland“ auch schon einen Adventsmarkt in Lindstedt mitorganisiert hatte. „Aber Adventsmärkte gibt es ja viele. Frühlingsmärkte nicht“, sagt sie. Die Resonanz auf die Veranstaltung gibt ihr auf jeden Fall Recht.