Weteritz l Blau-weiß schlägt das Herz des Weteritzers Frank Palmdorf. Seit Kindertagen ist er Fan des 1. FC Magdeburg. Klar, dass er kein Spiel der Mannschaft verpasst. Wenn er nicht selbst im Stadion dabei sein kann, verfolgt er die Spiele am Bildschirm. Oft kommen dann auch Freunde, ebenfalls FCM-Fans, dazu. Und in der Halbzeitpause geht es dann in den Block R. „Das R steht für Rentner“, sagt der 59-Jährige augenzwinkernd. Denn Rentner werden Palmdorf und seine Fußballfreunde in wenigen Jahren alle sein.

Block R in Palmdorfs Garten

Der Block R steht in Palmdorfs Garten in Weteritz. Es ist eine Bank mit vier blauen Sitzschalen, Originalen aus dem Magdeburger Fußballstadion. Wegen anstehenden Umbaumaßnahmem im Stadion wurden diese Sitzmöglichkeiten verkauft. Für Palmdorf war es keine Frage, dass er nach Magdeburg muss, dass er ein solches Original aus seinem „zweiten Wohnzimmer“ zu sich nach Hause holt. Am 18. März diesen Jahres fährt er also in die Landeshauptstadt, um sich an dieser Aktion zu beteiligen. „Da war was los“, erinnert sich Palmdorf.

Als er zur angegebenen Zeit vor Ort gewesen ist, kamen ihm schon viele Leute mit Sitzschalen entgegen. „Ich dachte schon, ich bekomme nichts mehr ab“, so der Weteritzer. Doch es waren noch Sitze da. Palmdorf beginnt damit, die Sitzschalen abzuschrauben, sieht dann aber, wie andere mit ganzen Bänken losziehen. So greift auch er zu und schnappt sich eine Bank mit vier Sitzen. Eine Sitzschale gab es für je 15 Euro. Froh und stolz ist Palmdorf, dass er dieses Stück Fußballgeschichte mit nach Weteritz genommen hat. Der Gang in der Halbzeitpause ist mittlerweile zum Ritual geworden.„Es ist ein großer Schatz, dass ich einen Teil aus dem Stadion zu Hause habe.“

1977: FCM gegen Juventus Turin

Die Liebe zum 1. FC Magdeburg beginnt bei Palmdorf schon in frühester Jugend. „Wir hatten hier in Weteritz ja auch einen Bolzplatz, und da war man dann halt Jürgen Pommerenke oder Jürgen Sparwasser“, alles Größen der Magdeburger Mannschaft in den 1970-er-Jahren. Noch intensiver wird das Zugehörigkeitsgefühl zur Mannschaft, als Palmdorf seine Lehre im Energiekombinat Magdeburg beginnt. In der Stadt zu Hause, ist ihm die Mannschaft nahe wie nie zuvor. Als Ordner in der FDJ-Ordnungsgruppe ist er dann bei Spielen dabei.

Noch sehr gut erinnert sich Palmdorf aber an das allererste Spiel, bei dem er die Magdeburger Mannschaft erlebt hat. Es war 1977. Magdeburg trat im Viertelfinale des UEFA-Cups gegen Juventus Turin an. Palmdorf besuchte dieses Spiel als Mitglied der Mannschaft von Baufanit Turbine Gardelegen (heute SSV 80 Gardelegen). Die Eintrittskarten gab es als Prämie für den Sieg im Kreispokal. „Magdeburg hatte damals 3:1 gegen Juventus Turin verloren. Es war aber trotzdem ein tolles Erlebnis für mich.“

Auch als Magdeburg später, nach der Wende, nur noch in der vierten Liga spielte, blieb der Weteritzer treuer Fan. Bekannte rieten ihm, er solle doch lieber nach Wolfsburg fahren. Das ist Bundesliga. Ein weiteres Argument: Wolfsburg ist näher an Weteritz als Magdeburg. „Ich habe es mit Wolfsburg probiert. Aber da gibt es kein Zugehörigkeitsgefühl“, argumentiert Palmdorf. Und die Stimmung sei dort auch nicht so großartig gewesen, wie er es aus Magdeburg kenne. „Da ist es der blanke Wahnsinn.“

Diverse Fanartikel

Klar, dass die Treue zum 1. FCM sich auch in diversen Fanartikeln niederschlägt. Ob Grillschürze, Bademantel, Schal oder Decke – alles ist blau-weiß gehalten und enthält das Mannschaftslogo. Und für das Enkelkind gab es natürlich einen 1.FCM-Strampler. Für Originelles vom 1. FCM ist Palmdorf immer bereit. „Hauptsache, ich habe das erstmal“, sagt Palmdorf. So ist die Sitzbank nicht das erste Original aus dem Stadion.

Als 2014 die Mannschaft in die dritte Liga aufgestiegen ist, wurden Rasenpakete von rund zehn mal 20 Zentimeter Größe veräußerte. Auch damals nahm der Weteritzer mehrere diese Rasenpakete mit nach Hause. Die Stelle, an denen dieses Paket verpflanzt wurde, ist noch heute zu erkennen. Für die Zukunft wünscht Palmdorf „seiner“ Mannschaft, „dass sie in der ersten Saison nach dem Abstieg ins gute Mittelfeld gerät, um dann in zwei bis drei Jahren wieder aufzusteigen.“