Gardelegen l Ein unscheinbarer Nachtfalter mit gerade mal 25 Millimeter langen Flügeln kann für Menschen und für Eichen zum großen Problem werden. Nämlich dann, wenn es um die nächste Nachtfaltergeneration des Eichenprozessionsspinners, kurz EPS, geht. Im April schlüpfen die Raupen, die bis zu sechs verschiedene Larvenstadien durchlaufen. Und nach dem dritten Stadium entwickeln sie die gefährliche Brennhärchen, die beim Menschen toxische und allergische Reaktionen hervorrufen können. Sie gelten zudem als Schädling, da sie Lichtungs- oder Kahlfraß vornehmlich an Eichen verursachen können. Und diesen Schädlingen im Raupenstadium soll es nun wieder an den Kragen gehen. In Kürze startet die Bekämpfungsaktion 2020 im Gebiet der Hansestadt Gardelegen, informierte Florian Kauer, Fachdienstleiter im Bereich Sicherheit und Ordnung. Unter seiner Regie läuft die Bekämpfungsaktion.

Fachfirma aus Osterburg im Einsatz

Dazu hat die Stadt Gardelegen eine Fachfirma aus Osterburg beauftragt. Die wird mit einem Unimog unterwegs sein und die Bäume besprühen. Eingesetzt bei der chemischen Bekämpfung wird das Bacillus Thuringiensis. Es handelt sich dabei um ein biologisch abbaubares Insektizid. „Die Raupen fressen das Bakterium mit den Eichenblättern. Danach verhungern sie“, erläuterte Kauer die Wirkungsweise des Bacillums. Um auch sichtbare und langfristige Erfolge zu erreichen, seien bestimmte Bedingungen erforderlich. Die chemische Bekämpfung sei nur sinnvoll, wenn sich die Raupen im zweiten oder dritten Larvenstadium befinden. Und es braucht dazu auch wettertechnisch entsprechende Voraussetzungen. „Optimale Bedingungen herrschen bei Windstille und bedecktem Himmel“, so Kauer.

Gute Erfolge im vorigen Jahr erreicht

Gestartet wird mit den Eichen an der Gedenkstätte Feldscheune Isenschnibbe. Von dort geht es dann in den östlichen Stadtbereich, also Richtung Jävenitz und Lindstedt, dann weiter über Schenkenhorst und Wiepke bis zum Biosphärenreservat Drömling. „Wir werden etwa sechs bis sieben Arbeitstage dafür brauchen“, so Kauer. Nach der chemischen Behandlung stehe dann die Erfolgskontrolle an. Danach werde entschieden, welche Bäume dann noch einmal mechanisch behandelt werden müssen. Dabei werden die Nester des EPS abgesaugt. Das wäre dann ab Sommer möglich. Im vergangenen Jahr sei das Fazit der chemischen Bekämpfung positiv ausgefallen. „Dort, wo gesprüht wurde, gab es einen deutlich geringeren Befall als in den Vorjahren“, zog Kauer Bilanz. In einigen Bereich habe es sogar nur noch einen minimalen Befall gegeben. Beispielsweise hätten Eichen in der Kolonie Breiteiche, in Sachau, Siems, Kassieck und Lindstedt sowie an der Gedenkstätte in Gardelegen im vorigen Jahr nicht mehr mechanisch behandelt werden müssen. „Wir hoffen, dass es auch dieses Jahr ähnlich gute Ergebnisse gibt“, betonte Kauer.

Die Bekämpfungsaktionen im Raum Gardelegen finden seit fünf Jahren statt. 25.000 Euro hat die Stadt dafür jährlich im Haushalt eingeplant. Dazu gibt es Fördermittel vom Land. Im vorigen Jahr waren es 136.000 Euro. Wobei die Stadt allerdings zunächst in Vorleistung gehen muss. Die Landesmittel werden im Nachgang ausgereicht. Für dieses Jahr gibt es seitens des Landes eine Zusage über 64.000 Euro für die Bekämpfung des Eichenprozessionsspinners. Allein im vorigen Jahr seien 7421 kommunale Bäume mit dem Bacillus Thuringiensis besprüht worden. In diesem Jahr könnten es einige mehr sein. 2019 seien zudem 187 private Bäume behandelt werden. Dieses Angebot gibt es auch wieder für die aktuelle Bekämpfung.