Katastrophenschutz und außergewöhnliche Ereignisse

Gardelegen ist vorbereitet für den Ernstfall

Starkregen hat in anderen Gebieten Deutschlands zu katastrophalen Überflutungen geführt. Im Raum Salzwedel könnte so etwas nicht passieren, meinen Experten. Etwas anders sieht das Gardelegens Bürgermeisterin Mandy Schumacher.

Von Cornelia Ahlfeld und Beate Achilles 23.07.2021, 06:30
Die Milde auf dem Wall in Gardelegen. Bei richtigem Starkregen, wenn auch alle Einläufe voll sind, könnte der kleine Fluss schon für Überschwemmungen sorgen. In Gardelegen ist man im Katastrophenfall aber gut gerüstet.
Die Milde auf dem Wall in Gardelegen. Bei richtigem Starkregen, wenn auch alle Einläufe voll sind, könnte der kleine Fluss schon für Überschwemmungen sorgen. In Gardelegen ist man im Katastrophenfall aber gut gerüstet. Foto: Elke Weisbach

Gardelegen - Nach den verstörenden Bildern aus den Überflutungsgebieten in Rheinland-Pfalz oder Nordrhein Westfalen schaut der eine oder andere mit bangem Blick auf die hiesigen Flüsschen, wie Milde, Jeetze und Dumme, die derzeit friedlich durch Gardelegen und Salzwedel plätschern. Könnten sich auch daraus in kurzer Zeit reißende Ströme entwickeln, die Menschen und Gebäude mit sich reißen?

„Unwahrscheinlich“, sagen die Fachleute vom Katastrophenschutz übereinstimmend. Dafür sei die Landschaft hier viel zu flach, das Wasser hätte Platz, sich über große Flächen auszubreiten und im sandigen Boden zu versickern. „In unserer Gefährdungsanalyse kommt Hochwasser ganz zum Schluss“, sagt Dezernent Hans Thiele, der oberste Katastrophenschützer in der Kreisverwaltung. Weiter vorne kämen in der Risikobetrachtung Stürme, Feuer und längere Stromausfälle.

Allerdings könnte die Milde nach Ansicht von Gardelegens Bürgermeisterin Mandy Schumacher durchaus bei Starkregen für großflächige Überschwemmungen sorgen, wenngleich es hier im Flachland auch nicht zu reißenden Sturzbächen kommen wird. Der Fluss in Ahrweiler, einer der schlimmsten vom Hochwasser betroffenen Regionen, sei zwar etwas breiter als die Milde, aber dennoch dürfe man auch hier nicht blauäugig sein. Jede Gemeinde sei verpflichtet, für Katastrophenfälle vorbereitet zu sein.

Gerätehäuser als Anlaufpunkt

Gardelegen gibt es in der Verwaltung einen Stab für außergewöhnliche Ereignisse. Die Leitung obliegt Mandy Schumacher. Die Zuständigkeiten für die einzelnen Mitglieder wie für Versorgung, IT-Technik oder auch Öffentlichkeitsarbeit seien genau festgelegt. Der Stab sei mit Mitgliedern von Feuerwehren ergänzt worden. Für die Krisenarbeit werde auch ein spezielles Feuerwehrprogramm namens Fireboard genutzt.

Es gebe eine genaue Aufstellung, wie in welchem Notfall gehandelt wird. Zwei Tankstellen, die Letzlinger und die Aral-Tankstelle in Gardelegen, seien mit Notstromaggregaten ausgestattet worden, um die Benzinversorgung aufrecht erhalten zu können. Sollte es beispielsweise einen flächendeckenden Stromausfall geben, seien die Gerätehäuser spätestens nach 30 Minuten alle besetzt. Die würden dann als Anlaufstelle für die Bevölkerung dienen. Zudem gebe es genaue namentliche Aufstellungen darüber, wo im Notfall alles Nötige geordert werden könne, Bäcker, Fleischer, Getränkehändler, Statiker, Bestatter, zählte Schumacher auf. Geregelt seien sämtliche Vorgehensweisen etwa bei ICE-Unglücken oder bei Funden von Weltkriegsbomben, wo größere Evakuierungen notwendig sind.

Regelmäßiges Training und Schulungen

Das alles werde auch regelmäßig geübt. Bei entsprechenden Warnungen werden Warn-SMS an die Mitglieder des Stabes verschickt. Jede Warnung läuft im Ordnungsamt der Stadt ein. „Wir sind vorbereitet. Die Menschen hier können sich schon sicher fühlen“, betont Schumacher. Wenngleich man natürlich nicht alles ausschließen könne.

Auch die Leitzentrale für Katastrophenschutz des Altmarkkreises könne rechtzeitig Alarm auslösen, erläutern Hans Thiele und Rüdiger Wührl, Sachgebietsleiter für Brand- und Katastrophenschutz beim Altmarkkreis. Dafür verfüge sie einerseits über einen Generator zur unabhängigen Stromversorgung und andererseits über Funk für den Fall, dass das Telefon- und Mobilfunknetz ausfallen sollte. So können die Katastrophenschutz-Stäbe vom Kreishaus aus in jedem Fall die Feuerwehren und die Rettungsdienste alarmieren und koordinieren. Die Bürger würden über Radio und Fernsehen (die jedoch meist eine Stromversorgung voraussetzen), über Smartphone-Apps wie die Notfall-Informations- und Nachrichten-App NINA oder Katwarn gewarnt (für die allerdings Mobilfunk oder Internet funktionieren müssen) sowie über die Sirenen der freiwilligen Feuerwehren.

Ab Juni 2022 soll es außerdem ein EU-weit einheitliches „Cell Broadcasting“-System geben, mit dem jeder Nutzer eines Mobiltelefons an jedem Ort in der EU gewarnt werden kann, unabhängig von Apps. Die Gerätehäuser seien alle mit Notstromaggregaten ausgestattet. Angesichts der sich häufenden Extremwetterlagen empfiehlt der Dezernent, den Leitfaden des Bundesamtes für Katastrophenschutz ernst zu nehmen und sich vorzubereiten. Das Bundesamt stellt im Internet unter der Adresse www.bbk.bund.de einen „Ratgeber für die Notfallvorsorge“ mit Checklisten bereit. Darin wird unter anderem empfohlen, pro Person einen Vorrat an Lebensmitteln von etwa 3,5 Kilogramm plus 20 Liter Trinkwasser vorzuhalten.

Dafür möchte auch Mandy Schumacher die Bevölkerung sensibilisieren, denn der eigene Schutz sei ein wichtiges Thema. Sie selbst hat übrigens auch eine Schulung absolviert, in Ahrweiler. Dort befindet sich ein Institut des Bundesamtes für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe. Dort werden bundesweit alle Menschen geschult, die mit Bevölkerungsschutz und Katastropenhilfe zu tun haben. „Von daher war ich auch schon mal in Ahrweiler“, so Schumacher.