Solpke l 18 Grabstätten ehemaliger KZ-Häftlinge, die auf ihrem Todesmarsch von Mieste nach Gardelegen in und bei Solpke ums Leben kamen oder umgebracht und liegen gelassen wurden, sind mit den entsprechenden Kreuzen auf dem Solpker Friedhof zu finden. Und nach Estedt, Breitenfeld und Berge will der Förderverein Gedenkstätte Isenschnibbe nun auch diese Gedenkanlage in Abstimmung mit dem Ortschaftsrat und der Gardelegener Stadtverwaltung sanieren. Statt Holzkreuze werden Granitplatten gesetzt.

Die entsprechenden Fördermittel dafür sind bereits beantragt. Während der jüngsten Einwohnerversammlung in Solpke galt es aber noch zu klären, wie viele Granitplatten es werden sollen, da es unterschiedliche Angaben über die dort liegenden Häftlinge gibt, und was, aus demselben Grund, auf der geplanten Gedenktafel stehen soll.

Augenzeugenbericht über den Todesmarsch

Diese Frage stellte Fördervereinsmitglied Torsten Haarseim in den Raum, nachdem er unter anderem kurz den Weg der Häftlinge aus den beiden Konzentrationslagern Dora-Mittelbau und Hannover-Stöcken – dort wurden die V1 und die V2 gebaut – mit dem Zug nach Mieste und von dort auf den Todesmärschen nach Gardelegen beleuchtet hatte. Wie er ausführte, gab es drei Marschrouten, von denen eine durch Solpke führte.

Dazu hatte er einen Augenzeugenbericht von Hermann Krischok mitgebracht, den Daniel Blatman im Buch „Die Todesmärsche 1944/45. Das letzte Kapitel des nationalsozialistischen Massenmordes“ veröffentlicht hat: „Gelenkt wurden die Pferdewagen von den Angehörigen des Volkssturms. Die Kolonne aus Pferdefuhrwerken wählte eine andere Route als die beiden letzterwähnten Häftlingsgruppen, da es zu beschwerlich wäre, mit 15 bis 20 Pferdegespannen über holprige Waldwege zu fahren. Man nahm den direkten Weg zum Dorf Solpke, wo die Häftlinge für die Nacht in die Scheune eines ortsansässigen Bauern namens Fritz Schulz gesperrt wurden. Am Morgen des 12. April setzte der Konvoi seinen Weg nach Gardelegen fort ...“

Zurück blieben am Ende 23 tote KZ-Häftlinge – das ist laut Haarseim belegt. Unter ihnen waren elf Franzosen und Belgier. Sie wurden auf dem Solpker Friedhof bestattet. Dass es dort nur noch 18 Holzkreuze gibt, liegt in der Natur des Verfalls, wie Sven Grothe an dem Abend zu berichten wusste. Wie er sagte, habe es früher 23 Kreuze gegeben, die schon zum Teil verfault waren und abgebaut wurden. Später hat man 18 von ihnen wieder aufgestellt.

Holzkreuze zum Teil verfault

Damit waren die 23 Häftlinge auch von den Dorfbewohnern bestätigt. Nun legte Haarseim einen Volksstimme-Bericht von 1985 vor. Inhalt: Am 7. März wurden bei Baggerarbeiten für den Bau einer Wasserleitung im Breitenfelder Weg in Solpke Menschenknochen entdeckt. Die Überreste von zwei menschlichen Skeletten, Reste von Holzschuhen und eine zerbeulte Trinkflasche mit einer unleserlichen Aufschrift in französischer Sprache wurden geborgen. Es handelte sich um zwei KZ-Häftlinge, die auf dem Todesmarsch durch Solpke zu Tode kamen. Am 8. Mai 1985 wurden sie auf dem Solpker Friedhof bei den anderen bestatteten Häftlingen beerdigt.

Und auch dieses wurde bestätigt. Ortsbürgermeisterin Bärbel Goecke erinnerte sich an die große Aufregung damals im Dorf und die Beisetzung. Somit liegen in der Solpker Grabstätte 25 Häftlinge, was auch auf der Gedenktafel so stehen wird. Die Anzahl der Granitplatten bleibt aber bei der Anzahl der Kreuze, nämlich 18.

Mit der Grabstätte soll auch die Gedenkmauer auf dem Solpker Friedhof erneuert werden, an dem das rote Dreieck schon sehr verblasst ist. Das wird nicht gefördert, so dass der Förderverein hierfür auf Spenden von insgesamt 4500 Euro angewiesen ist. Einige Spenden sind laut Haarseim bereits schon da. Er ist sicher: „Das Geld kriegen wir zusammen.“ Für ihn ist die Erneuerung der Mauer auch sehr wichtig. Denn sie ist auch von den Vorbeifahrenden zu sehen. Ziel ist es, die sanierte Gedenkstätte und Mauer im September einzuweihen.