Gardelegen l „Die Entscheidung über das Anbringen einer Gedenktafel auf dem Postparkplatz für die Opfer des Bombenangriffs der alliierten Luftwaffe vom 15. März 1945 ist allein durch den Stadtrat und die Stadt zu treffen.“ Und das auch erst nach einer entsprechenden Beratung mit den zuständigen Behörden und Institutionen, stellte der Vorsitzende des Kreisverbandes der Deutschen Kriegsgräberfürsorge, Hans-Joachim Becker, klar.

Er reagierte damit auf einen Antrag der AfD-Fraktion mit einem Spendenangebot an die Stadt, eine solche Gedenktafel zu finanzieren (Volksstimme berichtete). Dem Antrag lag eine Kostenschätzung bei. Die Spende der AfD-Fraktion an die Stadt würde sich auf 928,20 Euro belaufen. Zugleich hatte die Fraktion eine Inschrift vorgeschlagen: „Wir gedenken ihrer – Hier starben am 15. März 1945 um 15.15 Uhr 52 Bürgerinnen und Bürger der Stadt Gardelegen bei einem alliierten Bombenangriff – Die Einwohner der Hansestadt“.

„Auf keinen Fall sollten Text und Finanzierung einer Gedenktafel in das Ermessen einer Partei gestellt werden, deren Position zu unserer Geschichte Objektivität vermissten lässt“, betonte Becker. Entsprechend einer demokratischen Gedenkkultur seien Erinnerungen an die Geschehnisse aus dieser Zeit immer in den historischen Kontext zu stellen. So müsse aus der Legende der Tafel hervorgehen, dass dieses Ereignis vom 15. März 1945 Folge des vom faschistischen Deutschland ausgelösten Zweiten Weltkrieges war.

„Dieser Krieg hat unermessliches Leid und Zerstörung über alle Völker und Länder Europas gebracht“, so Becker. Sowohl die Zerstörung vieler deutscher Städte wie Dresden, Magdeburg, Halberstadt und anderer in den letzten Kriegsmonaten als auch der grauenvolle Tod zigtausender Menschen seien dabei Resultat der menschenverachtenden Durchhaltestrategie des Naziregimes gewesen. „Gedenken muss immer mit der geschichtlichen Wahrheit verbunden sein. Nur so kann es nachhaltig an die heranwachsende Generation weitergegeben werden“, machte Becker deutlich.

Ruine hält Gedenken an die Opfer wach

In diesem Sinne werde es in jedem Jahr am 15. März – getragen von der evangelischen Kirche, der Stadt und dem Kultur- und Denkmalpflegeverein – zum Zeitpunkt des Geschehens eine Gedenkveranstaltung in der Nikolaikirche geben. „Die Ruine dieser Kirche wird uns für immer an den so traurigen Tag erinnern und das Gedenken an die Opfer wachhalten“, so Becker.

Eigentlicher Urheber der Idee einer Gedenktafel auf dem Postparkplatz ist Heinz Möhring aus Gardelegen. Er hatte anlässlich des Volkstrauertages 2020 festgestellt, dass es viele Orte des Erinnerns und Gedenkens mit entsprechenden Hinweistafeln in Gardelegen und Umgebung gibt. Nur nicht am Postparkplatz. Dort, wo einst ein Wohnhaus mit ausgewiesenem Luftschutzkeller stand. Am Nachmittag des 15. März 1945 hatten 52 Menschen dort Schutz vor dem Bombenangriff, dessen eigentliches Ziel die Bahnstrecke Hannover-Berlin war, gesucht. Allerdings traf eine Bombe das Wohnhaus mit dem Luftschutzkeller. Alle darin befindlichen Menschen kamen ums Leben.

Möhring hatte vorgeschlagen, eine Gedenktafel in Erinnerung an die Opfer des Bombenangriffs auch am Postparkplatz anzubringen, denn er verbinde diesen Bombenangriff mit einem persönlichen Ereignis. Die Volksstimme hatte dieses Anliegen der Stadt unterbreitet. Gardelegens Bürgermeisterin Mandy Schumacher stand dem Vorhaben aufgeschlossen gegenüber und wollte die Thematik zunächst in der Verwaltung beraten. Dem war die AfD-Fraktion mit ihrem Antrag zuvorgekommen. Wann der eine Rolle in den kommunalpolitischen Gremien spielen wird, ist derzeit noch offen.