Kalbe l Gerade erst ist die Wassertretstelle im Kalbenser Kurpark neu hergerichtet worden. Indes: Genutzt werden kann sie nicht. Denn die Grünanlage ist seit Donnerstag Morgen komplett gesperrt. Und zwar nicht nur der hintere Teilbereich, sondern die gesamte Anlage.

Bürgermeister Karsten Ruth begründet diese Maßnahme, die für „eine absehbare Zeit“ gelten werde, mit dem hohen Gefahrenpotenzial, das von der Parkanlage ausgehe. Gerade erst am zurückliegenden Freitag war eine riesige Esche im nicht gesperrten Teil des Parks auf den Hauptweg gekracht. Wie sich im Nachhinein gezeigt hat, hat der Pilz, der als Falsches Weißes Stängelbecherchen bezeichnet wird und der große Teile des Kalbenser Kurparks in Mitleidenschaft gezogen hat, die Wurzel des betreffenden Baumes so sehr geschwächt, dass dieser keinen Halt mehr gefunden hat und einfach umgekippt ist. „Wir können nicht in die Erde gucken“, sagt der Bürgermeister. Soll heißen: Weitere Bäume könnten fallen, ohne dass es dafür im Vorfeld Anzeichen geben würde.

„Im Kurpark besteht Lebensgefahr“, so Ruth. Das sei am Donnerstag auch von der Fachaufsichtsbehörde und von einer Fachfirma bestätigt worden. Insofern habe er im Zuge der Gefahrenabwehr entscheiden müssen, den Kurpark komplett zu sperren, erklärt der Bürgermeister.

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Mitarbeiter des Bauhofes haben Warnbaken aufgestellt und Flatterbänder an den Eingängen gespannt. Wer diese Absperrungen ignoriere, handele auf eigene Gefahr, sagt Karsten Ruth, wohlwissend, dass der Park weiter von Spaziergängern genutzt wird – gerade jetzt in der vom Lockdown bestimmten Weihnachts- und Jahreswechselzeit, in der viele Menschen frei haben und es sie nach draußen zieht. Aber die Haftung liege dann nicht bei der Stadt.

Für den Bürgermeister selbst ist die aktuelle Lage ebenfalls frustierend, wie er sagt. Gerade vor dem Hintergrund, dass erst vor rund einem Jahr „ordentlich Geld in die Hand genommen“ worden sei. Eine Fachfirma hatte damals im Auftrag der Stadt entlang der Hauptwege und im mittleren Parkteil eine Vielzahl von Bäumen, in erster Linie die vom Pilz und nachfolgend vom Eschenbastkäfer befallenen Eschen, herausgenommen. Etwa 25 000 Euro hatte sich die Stadt das Ganze kosten lassen.

„Aber unser Ansatz hat nicht funktioniert“, gibt der Bürgermeister nun zu. Die Bäume würden weiter absterben. Deshalb müsse man der Tatsache ins Auge sehen und akzeptieren, dass der Park irgendwann nicht mehr so aussehen werde wie jetzt.

In Absprache mit den zuständigen Behörden wie Umweltamt und Denkmalpflege ist die Stadt dabei, ein Konzept für den Kurpark zu erarbeiten. dass laut Ruth wahrscheinlich auch schon längst vorgelegen hätte und öffentlich vorgestellt worden wäre, wenn die Corona-Pandemie nicht immer wieder dazwischen gegrätscht hätte.

Weitere Fällungen nötig

Die Kommune werde sich auch bemühen, Fördermittel zu akquirieren, um die Lösungsansätze, die so ein Konzept biete, umsetzen zu können. Denn schon jetzt sei absehbar, so der Bürgermeister, dass eine Vielzahl weiterer Bäume gefällt werden müsse und dass es dann natürlich Neuanpflanzungen geben müsse.

Apropos Baumfällungen: Auch im Stadtpark am Friedhof hat eine Fachfirma im Zuge der Gefahrenabwehr gerade mehrere große Bäume abgeholzt. „Im Baumbestand war ein massiver Totholzanfall festgestellt worden. Und da die Parkanlage eine intensive Nutzung erfährt, blieb im Rahmen der Gefahrenabwehr nur diese Form des Eingriffs“, informierte Ruth. Auch im Stadtpark soll es zeitnah Ersatzpflanzungen geben. Bis Bäume aber so groß sind, dass sie annähernd so aussehen wie die jetzigen Gehölze, werden viele Jahrzehnte ins Land gehen. „Die Parks sind und bleiben eine Großbaustelle“, so der Bürgermeister.