Generation Nichtschwimmer? Für Gardelegener Schulen trifft das nicht zu

Die Corona-Pandemie mit geschlossenen Sportstätten, Schwimmhallen und Freibädern hat massive Auswirkungen vor allem auf die Schwimmkompetenz von Grundschülern, sagt das Landesschulamt. Einschränkungen gab es auch für die Schüler der Grundschulen im Bereich Gardelegen. Die Volksstimme fragte nach.

Von Cornelia Ahlfeld 21.07.2021, 03:00
Zur Potzehner Seepferdchengruppe gehört auch Marla Schröder.
Zur Potzehner Seepferdchengruppe gehört auch Marla Schröder. Foto: Lea Weisbach

Gardelegen - Die Einschränkungen seien massiv gewesen im coronabedingten Lockdown – geschlossene Schwimmbäder und ausgefallener Schwimmunterricht für viele Grundschüler im Land. „Das wird Auswirkungen haben“, ist Tobias Kühne, Pressesprecher des Landesschulamtes mit Sitz in Halle, überzeugt. Wie groß die Auswirkungen tatsächlich sind, könne man derzeit noch nicht abschätzen. Es wird aber eine Auswertung geben, denn die Schulen führen regulär jährlich eine Schwimmstatistik, so Kühne.

Das Land habe bereits auf die Problematik reagiert und zusätzlich ein Programm mit 480 000 Euro pro Jahr für 2021, 2022 und 2023 aufgelegt, etwa für die Gründung von Schwimm-Arbeitsgemeinschaften, um ausgefallenen Schwimmunterricht nachzuholen. Die Deutsche Lebensrettungsgesellschaft geht von zig tausenden Grundschülern aus, die nicht schwimmen gelernt haben. Einige sprechen sogar von der Generation Nichtschwimmer.

Ganz so dramatisch sieht es offenbar in der Region Gardelegen nicht aus. Der Schwimmunterricht hat stattgefunden, wenngleich auch nicht komplett. Und viele Kinder, zumeist Drittklässler, seien schon zum Schwimmunterricht mit dem Seepferdchen, der ersten Stufe, angetreten, wie eine Umfrage in den Schulen zeigt.

Viele Kinder kommen mit guten Voraussetzungen

In der Reutter-Grundschule in Gardelegen findet der Schwimmunterricht immer im zweiten Halbjahr statt. In diesem Schuljahr konnte erst nach den Pfingstferien gestartet werden – bis zum Ende des Schuljahres einmal pro Woche im Stendaler Altoa. „Die meisten Kinder haben auch eine Schwimmstufe geschafft“, sagt Schulleiterin Sylvia Straßburg. Sie hofft, dass im nächsten Schuljahr alles wieder normal abläuft.

Für die Letzlinger Grundschüler fand mit der Wiedereröffnung des Rolli-Bades in Haldensleben der Schwimmunterricht in den vergangenen fünf Wochen statt. Regulär wird der Unterricht immer im zweiten Halbjahr angeboten, erläutert Schulleiterin Silvia Lehmann. Die meisten Kinder allerdings kämen schon mit guten Voraussetzungen in den Unterricht. Vor allem auch die Kinder aus dem Raum Potzehne, die schon im Vorfeld Kurse im dortigen Freibad absolviert hätten.

Auch die Eltern sind gefragt

An der Wander-Grundschule fand der Schwimmunterricht für die Schüler der Klasse drei von Oktober bis Mitte Dezember des vorigen Jahres statt. Regulär findet der Schwimmunterricht immer im ersten Halbjahr statt. Geplant gewesen sei der Unterricht also bis Februar, sagt Schulleiterin Regina Müller. Viele Schüler hätten eine Schwimmstufe ablegen können. Allerdings seien vor allem auch die Eltern gefragt, betont Müller, dass ihre Kinder sicher schwimmen lernen. Und das so früh wie möglich.

Diese Ansicht vertritt auch Thomas Eckhardt, Leiter der Miester Grundschule. „Da sind auch die Eltern in der Pflicht. Das Schwimmenlernen sollte schon im Kindergartenalter beginnen“, stellt Eckhardt klar. So findet der Schwimmunterricht für die Miester Grundschüler auch schon in der Klassenstufe zwei statt. „Die A-Klasse hat fährt im ersten Halbjahr nach Haldensleben, die B-Klasse im zweiten Halbjahr“, erläutert Eckhardt.

Rolli-Bad-Sanierung ist ein Problem

Aber die meisten Eltern würden sich kümmern. Viele Kinder verfügten bereits über eine Schwimmstufe. Grundsätzlich sei es schwierig, ausgefallenen Schwimmunterricht nachzuholen, sagt Eckhardt. Wie das im nächsten Schuljahr aussehen wird, sei noch offen. Denn Anfang 2022 werde das Rolli-Bad wegen einer Grundsanierung wieder geschlossen. In der Jävenitzer Grundschule habe der Schwimmunterricht für die Drittklässler im ersten Halbjahr in Stendal stattgefunden. Fast alle Schüler hätten eine Schwimmstufe absolviert, sagt Kerstin Ohmenzetter, Leiterin der Jävenitzer Grundschule. In der Jävenitzer Grundschule habe der Schwimmunterricht für die Drittklässler im ersten Halbjahr in Stendal stattgefunden. Fast alle Schüler hätten eine Schwimmstufe absolviert, sagt Kerstin Ohmenzetter, Leiterin der Jävenitzer Grundschule.

Gute Ergebnisse hätten auch die Drittklässler der Goethe-Grundschule erreicht. „Alle Kinder haben grundlegende Schwimmkompetenzen erworben oder konnten schon vorhandenes Können ausbauen“, sagt Grit Schnügger, Leiterin der Goethe-Grundschule. Regulär findet der Unterricht im ersten Halbjahr statt. Coronabedingt konnten aber nur zwei Drittel des Schwimmunterrichtes angeboten werden.

Schwimmkurs in der evangelischen Grundschule wird nachgeholt

Etwas anders wird der Schwimmunterricht in der evangelischen Grundschule organisiert. Im vergangenen Schuljahr habe es kein Schwimmunterricht gegeben. Die vierte Klasse, die jetzt die Grundschule verlässt, habe aber noch Schwimmunterricht gehabt, erläutert Schulleiterin Katrin Niemeyer. Im neuen Schuljahr werden also die neue vierte und die neue dritte Klasse gemeinsam Schwimmunterricht haben, und das regulär zwei Wochen am Stück im Rolli-Bad Haldensleben. Die meisten Schüler hätten auch schon in Ferienkursen Schwimmstufen absolviert. „Das ist für uns ein gutes Zeichen, dass Eltern das auch für ganz wichtig erachten“, betont Niemeyer.

Die Schwimmkurse in den Freibädern der Stadt sind komplett ausgebucht. Im Potzehner Freibad läuft aktuell ein Kurs für die Jüngsten, hier legten Wilhelm Kauer (links) und Henri Isensee  eine kurze Schwimmpause ein.
Die Schwimmkurse in den Freibädern der Stadt sind komplett ausgebucht. Im Potzehner Freibad läuft aktuell ein Kurs für die Jüngsten, hier legten Wilhelm Kauer (links) und Henri Isensee eine kurze Schwimmpause ein.
Foto: Lea Weisbach