Brunau l Es war im Oktober 1995, als Stephan Götz eine Entdeckung am Fuchsberg bei Brunau machte – Scherben mit Leichenbrand. Was der damalige Jugendliche zu diesem Zeitpunkt nicht wusste: Sein Fund war Jahrtausende alt. Vorbildlich informierte er die Behörden von seiner Entdeckung.

Urnengrab entdeckt

Eine Begutachtung der Scherben mit zeittypischer Schnurverzierung ergab, dass sie aus dem ausgehenden Neolithikum stammten und der Einzelgrabkultur zuzuordnen waren. „Wir hatten damals aufgrund der Lesefunde eine kleine Notbergung über drei Tage unternommen, weil wir den Fundplatz als gefährdet ansahen“, blickte Lothar Mittag vom Danneil-Museum in Salzwedel zurück und erzählte, dass während der Grabung tatsächlich noch ein weiteres Urnengrab entdeckt worden war.

Der Leichenbrand der ausgegrabenen Urne konnte an der Freien Universität Berlin datiert werden. Der erste Leichenbrand war zu sehr verunreinigt, um ihn zeitlich genau bestimmen zu können. „In beiden Fällen handelte es sich aber um den Leichenbrand von Kindern im Alter zwischen zwei und sechs Jahren“, umschrieb es Lothar Mittag. Eine genaue Analyse der Überreste des zweijährigen Kindes ergab dann eine Datierung in die Zeit von 2300 bis 2150 vor Christus.

Bilder

Auch ein Grund für Lothar Mittag, erneut einen Blick auf die Fundstelle zu richten. Dort gräbt nämlich seit nunmehr drei Wochen Archäologin Annalena Bock zusammen mit einigen Studenten der Universität in Kiel. Hilfe erhält sie dabei außerdem von Ehrenamtlichen, die dem Team aus Schleswig-Holstein unter die Arme greifen. So war unter anderem auch schon Henning Krüger, Vorstandsmitglied des Kultur- und Heimatvereins Kalbe, vor Ort. Informiert worden war Annalena Bock von der Fundstelle durch ihre Kollegin Dr. Barbara Fritsch vom Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie.

Nur kleine Keramikteile

„Dadurch, dass der Sand hier sehr locker ist, bewegt sich auch das Gelände ständig“, erläuterte Bock den Hintergrund der erneuten Grabung. So war die Hoffnung denn auch groß, erneut Keramikteile von Urnen wie bereits in den Jahren 1995 oder auch 2000 zu entdecken.„Wir haben aber leider nichts weiter gefunden. Nur kleine Keramikteile, die nicht mehr im Verbund waren. Damit müssen wir sagen, dass das Gräberfeld hier wahrscheinlich zu Ende ist“, so die Archäologin.

„Ich würde aber davon ausgehen, dass zu diesem Fundplatz irgendwo eine Siedlung existiert, die man allerdings nur sehr schwer entdecken kann. Und wenn, dann wäre es wirklich ein Zufall“, informierte Annalena Bock weiter. Für die Studenten habe sich die Arbeit indes trotzdem gelohnt. Im Rahmen ihres Studiums müssen sie nämlich an verschiedenen Lehrgrabungen teilnehmen. Untergebracht sind sie aktuell im niedersächsischen Trabuhn.