Gardelegen l 250 Meter lang und 60 Zentimeter tief war der Graben auf einem Gelände im Industriegebiet Nord I. Und mittendrin eine junge, zierliche Frau, ausgestattet mit Grabungstechnik. Die Archäologin Anja Tuschwitz vom Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie in Halle war mit entsprechenden Bodenuntersuchungen beauftragt worden. Drei Tage lang buddelte sie quasi in der Erde. Im Vorfeld ihrer Untersuchungen waren ehrenamtliche Denkmalpfleger im Einsatz gewesen, die mit Sonden das Gelände abgegangen waren. Die Technik zum Ausheben des Grabens hatte die Stadt gestellt.

Obgleich das Areal – es handelt sich um ein 117.817 Quadratmeter großes Grundstück – als Verdachtsgebiet für Wüstungen gilt, wurde nichts gefunden. Sehr zur Freude von Gardelegens Bürgermeisterin Mandy Zepig, wie sie am Rande der konstituierenden Sitzung des neu gewählten Stadtrates anmerkte. Denn damit stünde nun einem Grundstücksverkauf nichts mehr im Wege. Für Mitte Juli sei der Notartermin vereinbart worden, informierte Zepig auf Volksstimme-Anfrage.

Entsprechende Stadtratsbeschlüsse gebe es dazu noch aus der vorigen Wahlperiode. Auch zu den archäologischen Grabungen im Auftrag der Stadt vor einem Verkauf des Grundstückes. Denn sowohl im derzeit rechtsgültigen Flächennutzungsplan als auch in der Stellungnahme zum Entwurf des gebietsdeckenden Flächennutzungsplanes der Einheitsgemeinde Hansestadt Gardelegen bestünden nach Angaben des Landesamtes für Denkmalpflege Anhaltspunkte auf „bislang unentdeckte archäologische Kulturdenkmale im Industriegebiet“.

Keine Siedlungsreste gefunden

Um künftigen Investoren weitestgehend Planungssicherheit zu gewähren, seien die Bodenuntersuchungen in einem festgelegten Dokumentationsabschnitt ausgeführt worden. Hintergrund der Grabungen sei eine geplante Industrieansiedlung. Details wollte Zepig noch nicht verkünden. Es handele sich aber nicht um ein Logistikunternehmen, sondern um produzierendes Gewerbe. Insgesamt wurden 20 Prozent der Fläche untersucht, erläuterte Archäologin Anja Tuschwitz. Sie ist in ganz Sachsen-Anhalt unterwegs, denn in vielen Fällen seien solche Untersuchungen Voraussetzung für eine spätere Bebauung von Flächen.

Bei ihren Grabungen hat sie bisher vor allem Siedlungsreste gefunden. „Das alles wird dokumentiert und dann entschieden, ob weitere Grabungen erfolgen oder nicht“, so Tuschwitz. Die 32-Jährige, die in Marburg studiert hat, kommt übrigens aus der Börde, kennt also die hiesige Region genau. In Gardelegen war sie auch schon beruflich tätig, und zwar beim grundhaften Ausbau des letzten Teilstückes der Rudolf-Breitscheid-Straße mit baubegleitenden Untersuchungen. „Gefunden haben wir aber auch dort nichts, nur viel Sand“, erinnerte sich Tuschwitz mit einem fröhlichen Lachen. Auch für das Areal im Gardelegener Industriegebiet Nord I wird es eine Freigabe für eine spätere Bebauung geben.