Gardelegen l Die Stolperstein AG des Geschwister-Scholl-Gymnasiums ist umgezogen. Die Gruppe, die in Gardelegen bisher 41 Gedenksteine für Opfer des NS-Regimes gesetzt hat, stellt ihre Arbeit nun in dem alten Bandraum im ersten Stock der Schule vor. Bis vor kurzem waren sie noch im Erdgeschoss des Gymnasiums untergebracht. Ein kleiner Raum, den die Schüler sich mit den Mediatoren geteilt haben und der nun von der Kreisvolkshochschule genutzt wird.

Nun war der neue Stolperstein-Raum, der etwa doppelt so groß ist wie das bisherige Zimmer, für Besucher geöffnet, und die Schüler stellten ihre Arbeit vor. Gerade fertig geworden ist ein Film, in dem David Wolfowski die Arbeit der AG und die Biographien der Verfolgten aus Gardelegen vorstellt. Der rund 17-minütige Dokumentarfilm zeigt historische Bilder, aber auch Aufnahmen, die während der Veranstaltungen entstanden, in denen der Künstler Gunter Demnig die Stolpersteine, meist vor dem letzten Gardelegener Wohnsitz der Verfolgten, verlegt hat. David Wolfowski hat sechs Wochen an dem Film gearbeitet, pro Tag etwa zwei Stunden.

Sechs Wochen Arbeit für 17 Minuten

Ebenfalls neu im Raum sind zwei Schautafeln, sodass die Schüler nun insgesamt sieben Tafeln für die Präsentation ihrer Arbeit zur Verfügung haben. Darauf zu sehen sind historische Aufnahmen der Menschen, denen die Steine gewidmet sind, aber auch Briefe und Dokumente, Behördenschreiben, Stammbäume und mehr. Außerdem sind Zeitungsartikel und Fotos von Aktionen der Schüler ausgehängt, und es gibt eine kleine „Ahnengalerie“ mit Bildern aktueller und ehemaliger Mitglieder.

Die AG wurde im Jahr 2013 gegründet. Damals waren neun Schüler, sieben Mädchen und zwei Jungen, mit dabei. Derzeit hat die Gruppe 29 Mitglieder. Es ist bereits die vierte und fünfte Schülergeneration, wie Lehrerin Andrea Müller, die die AG betreut, stolz feststellt. So gehörte bereits die ältere Schwester von David Wolfowski der Stolperstein AG an, der nun sozusagen die Familientradition fortsetzt. Teilnehmen können Schüler ab der Klasse neun. Die Mitglieder treffen sich zwei bis dreimal wöchentlich, meist in den Pausen oder nach der Schule.

Gedenken an das Massaker an der Feldscheune

Wichtig ist der Gruppe, dass mit dem Setzen des Steins nicht alles erledigt ist. Darum pflegen und säubern die AG-Mitglieder die kleinen Denkmale regelmäßig. Auch bei Gedenkveranstaltungen wie beispielsweise zur Reichspogromnacht, am Volkstrauertag oder wie jetzt am Sonntag anlässlich des Jahrestages des Massakers an der Feldscheune Isenschnibbe wirken die Jugendlichen mit.

Die Gruppe will ihren Stolperstein-Raum einmal monatlich für Besucher öffnen. Dies soll gewöhnlich der letzte Donnerstag des Monats, jeweils von 13 bis 15 Uhr, sein. Ferienbedingt werden gelegentlich andere Donnerstage gewählt. Besucher sind willkommen und können vor Ort von den Schülern mehr über ihre Arbeit und die nächsten Pläne erfahren. Die Termine werden in der Presse bekannt gegeben.