Gardelegen l Tetris, das Kult-Computerspiel aus den 80er Jahren, kann man auch mit Eimern spielen. Romy Topf, Mitarbeiterin der Gardeleger Stadtbibliothek, hat sich zum Hansefest etwas ganz Besonderes ausgedacht: In Zweier-Teams können alte und neue Fans gegeneinander antreten. Die Aktion ist für einen guten Zweck bestimmt. Der Erlös des Gaming-Events ist für die Bibliothek gedacht und soll für den Kauf einer Playstation genutzt werden.

Das Spiel, bei dem bunte Bausteine auf dem Bildschirm lückenlos aneinandergefügt werden sollen, wird nun in der Buchhandlung Albrecht in der neuen Eimer-Version eine kreative Neuauflage erfahren. Möglich machen es acht handelsübliche Eimer aus dem Baumarkt, ein wenig handwerkliches Geschick und ein „Makey-Makey-Set“.

Klavierspiel auf Gurken und Tetris mit Banane

„Theoretisch kann ich damit alles machen, was ich will“, stellt Romy Topf den Inhalt der kleinen Schachtel vor und packt bunte Kabel, Platinen, USB-Stecker und Krokodilklemmen aus. „Ich kann damit auf Gurken Klavier spielen oder mit Bananen Tetris.“ Diesmal also sind es graue Eimer, die von zwei Spielern bedient werden und mit denen man in dreiminütigen Spielrunden die Tetris-Teile auf dem Bildschirm nach rechts, links, oben und unten bewegen kann.

„Das Wichtige daran ist, dass es interaktiv ist“, erläutert die 31-Jährige. „Die Spieler müssen lernen, miteinander zu kommunizieren.“ Es geht auch um Medienkompetenz, vor allem aber um soziale und persönliche Fähigkeiten.

Ein paar skeptische Kommentare hat die Bibliothekarin allerdings auch schon erhalten. Was haben Computerspiele in der Bibliothek zu suchen?, wurde sie misstrauisch gefragt. Und ob man es überhaupt auch noch unterstützen soll, wenn Kinder und Jugendliche ihre Zeit mit elektronischen Games verdaddeln und verzocken.

Doch Romy Topf hat durchaus Antworten parat, zumal sie gerade ihre Bachelor-Arbeit über das Thema „E-Sport-Events – Chancen für das Event-Marketing von öffentlichen Bibliotheken“ geschrieben hat. Sie geht davon aus, „dass sich das Geschäftsmodell von Bibliotheken nachhaltig verändert hat.“

Bibliotheken als Treffpunkt und Willkommensor

Bibliotheken sind längst nicht mehr die einzigen Unternehmen, die Medien verleihen. Aber: Im Gegensatz zu Internet-Anbietern können Bibliotheken etwas Besonderes anbieten: einen Raum, einen Treffpunkt, einen Willkommensort. Eine Eigenschaft, die durch ein gemeinsames Computerspiel noch verstärkt werden kann: „Der Ort Bibliothek wird zum Erlebnisraum und erhält dadurch eine nachhaltige Aufwertung“, meint sie.

Ein erster Versuch in der Bibliothek in Salzwedel habe sogar gezeigt, dass die beteiligten Spieler, die, während die anderen Teams dran sind nichts zu tun haben außer zuschauen, auch eine ganze Menge soziales Bibliotheksleben erfuhren: Sie redeten miteinander, schauten sich in der Bibliothek um, spielten sogar klassische Brettspiele.

Eine große Erhöhung der Ausleihzahlen werde es zwar nicht geben, sagt Romy Topf, wohl aber eine gewisse neue Bindung an die Bibliothek und eine neue Erfahrung der Räumlichkeiten.

Vor allem aber hebt sie positiv hervor, dass durch die Spiele Menschen unterschiedlichen Geschlechts und Alters zusammenkommen und dass auch ein Beitrag zur Integration von Mitspielern aus anderen Ländern und mit noch geringen Deutschkenntnissen geleistet werden kann. Da ist zu hoffen, dass auf dem Hansefest tatsächlich genug Geld zusammenkommt, um die Playstation für die Bibliothek anzuschaffen.

Gespielt wird beim Hansefest am Sonnabend, 5. August, in der Buchhandlung Albrecht, Ernst-Thälmann-Straße 33. Los geht es um 13 Uhr, um 18 Uhr endet das letzte Spiel. Eine Runde dauert drei Minuten. Gespielt wird in Zweierteams. Mitmachen können Spieler im Alter von 8 bis 99 Jahren.