Gardelegen l Sie sind durchschnittlich 80 Jahre alt, krank und pflegebedürftig – die Senioren in den beiden Johanniterhäusern Rieseberg im Schlüsselkorb und Pfarrer Franz in der Gardelegener Fußgängerzone. Mit Blick auf die Corona-Krise also ein hochsensibler Bereich, da vor allem ältere Menschen und Menschen mit Vorerkrankungen von der Viruserkrankung bedroht sind. Eine äußerst schwierige Situation, betont die Leiterin der beiden Johanniterhäuser in Gardelegen, Ramona Gebur, im Volksstimme-Gespräch. Allerdings sei man in den Johanniterhäusern vorbereitet. In Stendal sei eine Stabsstelle eingerichtet worden. Von dort kommen täglich die neuesten Informationen mit aktuellen Handlungsabläufen. „Das ist alles sehr organisiert und strukturiert“, sagt Gebur. In den Gardelegener Häusern gebe es jeden Tag eine Frühbesprechung mit der Pflegedienstleiterin Kathleen Zander. Mit einbezogen werde dabei auch der Heimbeirat. Danach werden alle Mitarbeiter täglich informiert.

In den Häusern früh reagiert

Insgesamt habe man in den Johanniterhäusern früh reagiert. Seit 14 Tagen bereits sind die Pflegeheime für den Besucherverkehr geschlossen. Kontakte mit Angehörigen seien nur noch per Telefon oder auf postalischem Weg möglich. Die Bewohner dürfen die Heime nicht verlassen. Aufenthalte im Freien sind natürlich erlaubt im hauseigenen Park des Rieseberghauses. Der ist für die Öffentlichkeit ebenfalls gesperrt. Im Pfarrer-Franz-Haus steht ebenfalls eine Grünfläche auf dem Hof zur Verfügung. Dazu wird die Dachterrasse genutzt.

Externe Dienstleister, wie Friseur, Fußpflege oder Therapeuten, dürften zurzeit auch nicht in die Häuser. Auch der Pfarrer nicht. Einzige Ausnahme sind Firmen, die für Reparaturen ins Haus müssen. „Wir müssen einfach die Kontakte in diesem hochsensiblen Bereich minimieren“, sagt Gebur. Die Richtlinien des Robert-Koch-Institutes werden streng eingehalten. „Hygiene, Hygiene, Hygiene, das kann man nicht oft genug sagen“, betont Gebur. Denn in der Pflege sei eine Abstandshaltung schließlich nicht möglich. Die Mitarbeiter seien mit Schutzausrüstungen, wie Masken, Schutzkittel und Handschuhe, ausgestattet.

Mundschutz und Handschuhe

„In die Zimmer geht es nur mit Mundschutz hinein. Wir setzen darauf, dass jeder verantwortungsvoll damit umgeht, um das Risiko so zu minimieren, damit alle gesund bleiben“, so Gebur. Bisher habe kein Bewohner Symptome. Und das soll auch so bleiben. Mitarbeiter mit Erkältungen seien angewiesen, zu Hause zu bleiben.

Alle Kollegen seien sehr bemüht, den Alltag so gewohnt wie möglich zu gestalten. Basteln, Backen, Spielen, Vorlesen, der Geburtstag des Monats und andere Freizeitangebote werden aufrechterhalten – wenngleich auch in begrenzter Teilnehmerzahl.

Menschen im Mittelpunkt

Viele Aufgaben, wie etwa in der Dokumentation, seien reduziert worden, damit die Mitarbeiter mehr Zeit für die Bewohner haben. „Denn es ist uns bewusst, dass wir die Aufgaben übernehmen müssen, die sonst die Angehörigen ausführen. Die Angehörigen können sicher sein, dass die Menschen hier bei uns gut untergebracht sind und auch in einer solch schwierigen Situation gut betreut werden“, so Gebur.

Im Rieseberg-Haus mit 70 Mitarbeitern werden 112 Senioren betreut, im Pfarrer-Franz-Haus mit 30 Mitarbeitern 50 Senioren. „Jeder Mitarbeiter wird jeden Tag aufs Neue sensibilisiert. Jeder muss sich schützen, und das mehr denn je“, betont Gebur. Und weiter: „Da höre ich noch so oft von Panikmache. Nein, nach einer Woche Corona sollte wohl jedem klar geworden sein, wie ernst die Lage ist.“

Dank, Anerkennung und Respekt

Sie persönlich hätte sich gewünscht, dass die Bundesregierung eine Ausgangssperre verhängt hätte. So könne man nur an die Vernunft aller Menschen appellieren, die jetzt verfügten Regelungen auch einzuhalten. „Man kann nur hoffen und beten, dass wir alle gesund die Krise überstehen“, sagt Ramona Gebur.

Ihren Mitarbeitern zollt sie Dank, Anerkennung und Respekt. Alle würden sie ihr Bestes geben, damit der Alltag für die Bewohner wie gewohnt weiter gehen kann. Sie dankte ebenso den Angehörigen der Bewohner für ihr Verständnis in der schwierigen Situation.

Kontakt per App

Die Krise habe aber noch etwas anderes mitgebracht. Die Menschen würden wieder mehr Dankbarkeit zeigen, Hilfsbereitschaft für andere Menschen, Respekt und Hoffnung. Das mache auch Mut. „Da war schon vieles verloren gegangen, was jetzt wieder sichtbar wird. Ich wünsche mir, dass wir alle schadlos aus der Krise herauskommen und das dann auch was bleibt von dem, was wir jetzt erleben“, hofft Gebur – nämlich eben die Dankbarkeit, Hilfe und selbstlose Unterstützung anderer Menschen und Respekt.

Damit Angehörige den Kontakt zu Mitarbeitern und Bewohnern halten können, wurde eigenes eine App entwickelt, die sich derzeit in der Testphase befindet. In den beiden Gardelegener Häusern würden das kostenlose Angebot aktuell 14 Angehörige nutzen. Wer die myo App haben möchte, kann sich mit Elke Fenner vom Pfarrer-Franz-Haus (03907/77 58 90) oder mit Julia Roska, Assistentin der Einrichtungsleitung (03907/721 50), in Verbindung setzen.