Gardelegen l Kurz nach 15 Uhr am Dienstag: Der Gehweg vor dem Zaun der Gardelegener Ausgabestelle der Salzwedeler Tafel am Bürgerbusch 6 füllte sich zusehends. Zahlreiche Frauen und Männer warteten geduldig und mit Abstand, bis sie bedient wurden, denn das Betreten der Ausgabestelle ist seit sechs Wochen für die Bedürftigen tabu.

Aus diesem Grund dürfen sie sich auch nicht, wie gewohnt, aus dem Sortiment ihre Lebensmitteltüte nach persönlichem Geschmack zusammenpacken, sondern erhalten in der Salzwedeler Tafel vor gepackte Tüten, die die Mitarbeiter am Ausgabetag pünktlich nach Gardelegen liefern. Pro Person gab es auch an diesem Dienstag eine Tüte, in der sich die notwendigsten Grundnahrungsmittel wie Brot, Joghurt, Obst, Gemüse, Eier und Wurst befinden. Auf Wunsch gab es auch noch einen Strauß Blumen dazu. Rosen und Tulpen standen zur Wahl.

Ehrenamtliche Mitarbeiter schützen, ist das A

Diesen Ablauf in der derzeitigen Notsituation haben die Mitarbeiter und ehrenamtlichen Helfer der Tafel geschmiedet, nachdem am 12. März der erste Corona-Fall im Altmarkkreis Salzwedel amtlich bestätigt und alles gesellschaftliche und öffentliche Leben gegen Null gefahren wurde. „Wir hatten aber nur den einen Dienstag danach nicht geöffnet gehabt, um den Notfallplan zu schmieden“, erzählte Cordula Kausche-Jordan, die Leiterin der Gardelegener Ausgabestelle. Denn es galt und gilt ja immer noch, auch die ehrenamtlichen Helfer, die meistens schon über 60, an die 70 Jahre alt sind, zu schützen.

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Neun Ehrenamtliche helfen regelmäßig in der Gardelegener Ausgabestelle. Derzeit sind dienstags immer drei von ihnen vor Ort, um die Tüten auszugeben – in dieser Woche waren das neben Kausche-Jordan auch noch Andrea Knoblauch und Frank Koke –, denn es kommen im Moment weniger Bedürftige. Ansonsten seien es zwischen 40 und 50, derzeit sind es laut Kausche-Jordan um die 20 Frauen und Männer. Im Sommer werde es zwar immer weniger, aber einige seien auch mit der derzeitigen Praxis, dass sie die Lebensmittel nicht allein aussuchen können und auch zu wenig in der Tüte ist, nicht zufrieden und bleiben weg. Auch von außerhalb, wie zum Beispiel aus Mieste und Kalbe, komme derzeit keiner.

Zurück zur Normalität

Zum Glück gebe es keine Probleme mit der Lebensmittelbereitstellung. „Wir haben keinen Mangel in der Altmark, Gott sei Dank“, freute sich die Leiterin der Ausgabestelle. Die Märkte in der Stadt beliefern die Tafel weiterhin, wofür diese auch sehr dankbar sei. In anderen Regionen sehe das schon anders aus.

Jetzt wollen die Gardelegener Tafelhelfer zu einem Stück Normalität zurückkehren. Ab Dienstag, 5. Mai, soll die Ausgabestelle wieder von 15 bis 16.30 Uhr öffnen. Das heißt, dass sich die Nutzer aus dem Sortiment wieder ihre Lebensmitteltüten zusammenstellen können. Voraussetzung ist, darauf machte Kausche-Jordan explizit aufmerksam, dass alle Hygienevorschriften, wie das Tragen eines Mund- und Nasenschutzes, befolgt sowie die Abstandsregeln eingehalten werden. „Damit liegt es an den Kunden selbst, ob das so bleiben wird“, betonte Kausche-Jordan.