Kalbe/Kakerbeck l Es waren eindringliche Worte, die da während der Einwohnerfragestunde der jüngsten Stadtratssitzung fielen. Worte, die sich das frühere Stadtrats- und heutige Kakerbecker Ortschaftsratsmitglied, Steffen Lötge, aber gut überlegt hatte: „Wenn es die Strategie der Stadt ist, den Investitionsstau in kommunalen Objekten so groß werden zu lassen, dass diese dann nur noch verkauft werden können, dann möchte ich das hier sehr in Frage stellen.“ Lötge erntete einen Moment lang betretenes Schweigen.

Grund für seinen Unmut ist die Tatsache, dass sich der Kakerbecker Ortschaftsrat im Oktober 2018 gegen einen Verkauf des früheren Landambulatoriums zu den geplanten Konditionen ausgesprochen hatte, dass der Stadtrat dann aber anschließend, wenn auch mit knapper Mehrheit, dafür votiert hatte. Kakerbecks Ortsbürgermeister Ulf Kamith, selbst Mitglied des Stadtrates, hatte daraufhin sogar Beschwerde eingelegt (Volksstimme berichtete).

Ortsrat von Kakerbeck ist sauer

Lötge wollte das Thema nun am Donnerstag noch einmal aufs Tapet bringen, wurde aber vom Stadtratsvorsitzenden Gerhard Gansewig ausgebremst, weil es im nichtöffentlichen Teil der Ratssitzung auf der Tagesordnung stand und deshalb – so will es die Geschäftsordnung – nicht in der Einwohnerfragestunde behandelt werden durfte. Das aber hatte Lötge zuvor nicht wissen können.

Also wagte er ein Gleichnis. Er beschrieb die Einheitsgemeinde als eine Art Ehe, „in die alle Partner“, also auch die frühere Gemeinde Kakerbeck, „etwas eingebracht haben. Aber um eine Ehe ist es nicht gut bestellt, wenn einer der Partner etwas verkauft, obwohl es der andere nicht möchte.“

Kämmerin Ingrid Bösener, die bei der Stadtratssitung den erkrankten Bürgermeister Karsten Ruth vertrat, entgegnete: „Auch wenn jeder etwas in die Ehe einbringt, ist das keine Konstante. Auch in einer Ehe ist nicht immer das nötige Kleingeld da. Und dann muss man auf so eine Situation reagieren. Aber“, sagte Bösener zu Lötge, „das letzte Wort ist hierzu noch nicht gesprochen.“

Soll heißen: Der Stadtrat packt seinen vormals gefassten Beschluss noch einmal an. Voraussichtlich in seiner März-Sitzung. Grundlage dafür könnte dann ein Passus im Gesetz sein, mit dem sich die vormalige Entscheidung anfechten ließe.

Denn nach Ansicht des Kakerbecker Ortschaftsrates wird das ehemalige Landambulatorium ansonsten verschleudert. Zwar gibt es dort Sanierungsbedarf. Und auch ehemalige Praxisräume, die seit Jahren leer stehen, müssten noch zu Wohnungen umfunktioniert werden. Doch die existierenden vier Wohneinheiten sind vermietet, es gibt also regelmäßige Einnahmen. Das Grundstück umfasst rund 2000 Quadratmeter und befindet sich in einer attraktiven Wohngegend abseits der B 71. Der beschlossene Verkaufspreis liegt aber bei unter 30 000 Euro.