Corona

Impfmarathon im Kulturhaus

In Letzlingen erhielten im Kulturhaus 78 Frauen und Männer ihre erste Impfung gegen das Coronavirus.

Letzlingen l „Was, schon fertig?“ Hannelore Krebs aus Letzlingen saß keine zwei Minuten auf dem Stuhl im abgetrennten Impfbereich des Kulturhauses im Heidedorf. Sie machte ihren Arm frei, schon hatte Dr. Anett Lüders die Spritze gesetzt und die 81-Jährige ihre erste Corona-Impfung mit dem Impfstoff von Biontech und Pfizer erhalten.

„Ich bin sehr froh, dass ich geimpft wurde“, sagte Hannelore Krebs anschließend, die eine Viertelstunde nach dem Piks auch keine Beschwerden hatte. „Das ist fantastisch.“ Sie hatte sich zuvor, wie sie erzählt, auch noch um keinen Impftermin im Gardelegener Zentrum bemüht, weil das telefonisch oder online doch recht beschwerlich sei. Sie war optimistisch, dass sich eine andere Lösung findet. Es hat geklappt. Im Minutentakt folgten insgesamt 78 Frauen und Männer aus Letzlingen, Theerhütte, Wannefeld und Polvitz, die am 19. März alle auch ihre zweite Impfung im Kulturhaus erhalten sollen.

Zum Auftakt des ersten dezentralen Impfens im Altmarkkreis war auch Salzwedels Landrat Michael Ziche vor Ort, der die gute Zusammenarbeit mit der Hansestadt Gardelegen und allen Akteuren sehr lobte. Nur so hätte dieser Termin relativ kurzfristig organisiert und realisiert werden können, denn eigentlich sollte das dezentrale Impfen erst zum Ende des Monats März starten. Da sich die Lieferungen des Biontech-Impfstoffes aber stabilisiert hätten, konnte der Start schneller erfolgen. Bis Ende März sollen nun in 20 Städten und Dörfern Impftermine für die erste Priorisierungsgruppe angeboten werden. Ziche machte aber auch noch einmal deutlich: „Wenn wir mehr Impfstoff hätten, dann wären wir schon fertig mit der ersten Impfgruppe.“ An der personellen Ausstattung liege es nicht.

Das bestätigte auch Yves Müller, Leiter des Impfzentrums in Gardelegen: „Wir sind super aufgestellt. Wir könnten bis vierfach so viel impfen wie derzeit.“ Es stehen auch noch genug Freiwillige bereit, die noch gar nicht zum Einsatz kommen konnten.

Wie wichtig solch ein dezentraler Impftermin für die Impfberechtigten der ersten Priorisierungsgruppe war, zeigte die Tatsache, dass das Angebot eines Vor-Ort-Termins sehr dankbar von vielen Älteren angenommen wurde. Für den ersten dezentralen Impftermin in Letzlingen meldeten sich sofort 78 Personen bei der Stadt Gardelegen an. Dazu gehörten unter anderem auch Erika Ackermann, deren Enkelsohn sich bisher vergeblich um einen Impftermin in Gardelegen bemüht hatte, Wilhelm und Sigrid Lauenroth, die zwar schon im März einen Impftermin gebucht hatten, die Impfung aber in ihrem Heimatort vorzogen, und Claus Werstat, für den gleich feststand, dass er sich impfen lassen wird.

Wie Gardelegens Bürgermeisterin Mandy Schumacher sagte, habe man sofort reagiert, als am vergangenen Donnerstagmorgen das Angebot vom Impfzentrum für das dezentrale Impfen im Gebiet der Einheitsgemeinde kam. 100 Impfdosen stünden zur Verfügung, so die Auskunft. Und da die Stadt schon im Vorfeld die Impfberechtigten in den Dörfern ermittelt hatte, stand schnell fest, dass die Dosen für Letzlingen, Theerhütte, Wannefeld und Polvitz reichen würden. Innerhalb von drei Stunden waren die entsprechenden Absprachen mit Letzlingens Ortsbürgermeisterin Regina Lessing zwecks der Lokalität und mit der Letzlinger Hausärztin Dr. Anett Lüders, die sofort zusagte, mit ihrem Praxisteam das Impfen zu unterstützen, getätigt.

Alle waren sich einig, erzählte Lüders, und sagten: „Wir machen das, wir versuchen das“. Das habe sie persönlich gefreut. Denn sie sehe jeden Tag, wie schwer es für ihre Patienten sei, einen Impftermin zu bekommen und wahrzunehmen. In der Praxis zu impfen, so die Hausärztin, sei aber nicht möglich. Dieser Vor-Ort-Termin war für alle über 80-Jährigen die Chance, ihre Impfung zu erhalten. Und Lüders war von Anfang an zuversichtlich. Denn, so machte sie deutlich, „wir sind gut im Improvisieren und Organisieren. Das hat sich bewährt. Ein kurzer Anruf genügte. Die Zusammenarbeit ist sehr gut.“ Und zwar mit allen Beteiligten. Das bestätigte auch Ortsbürgermeisterin Lessing, die es als gutes Zeichen sieht, wenn solche Ad-hoc-Aktionen erfolgreich umgesetzt werden können.

Und dazu gehörte auch das Einladen der Impfberechtigten, was die Stadt Gardelegen für das Gesundheitsamt übernommen hatte. In kürzester Zeit waren noch am vergangenen Donnerstag die 116 Angebotsbriefe zur Corona-Impfung in Letzlingen verfasst, mit Aufklärungsblatt und Anamnesebogen in die Briefumschläge gesteckt und abgeschickt worden, damit sie die Senioren noch am Freitag erreichen konnten.

Ab Montag wurden dann die Rückmeldungen im Gesundheitsamt des Altmarkkreises entgegengenommen. Dabei bekamen die Frauen und Männer dann auch ihre Impfzeiten, die nun auch für die zweite Impfung gelten.