Mieste l Sie ist weithin zu sehen, die neue Logistikhalle der Carl Bechem GmbH in Mieste. Direkt an der Bundesstraße gelegen – von außen ein eher unscheinbares Bauwerk. Es fällt nur auf wegen seiner Größe. Im Inneren bietet sich – zumindest für den Laien – ein ganz anderer Blick. Wuchtig, hell, ganz viel Technik und recht ruhig. 4000 Quadratmeter groß. Die Halle ist geteilt. Im vorderen Bereich werden Fässer gelagert, die abgeholt werden. Im hinteren Bereich befindet sich das große Lager mit 3600 Lagerplätzen in den Hochregalen und Platz für 12 000 Fässer.

Jeder Karton, jedes Fass ist mit einem Barcode ausgestattet. „Der Scanner weiß dann genau, was drin ist“, erläutert Versandchef Jörg Gadiel, der gemeinsam mit Betriebsleiter Benjamin Preetz der Volksstimme quasi einen Blick hinter die Kulissen ermöglicht. „Das ist schon ein sehr gut ausgetüfteltes Lagersystem“, so Gadiel. Und die Lagerarbeiter müssen hier höhentauglich sein, denn die Halle ist zwölf Meter hoch. Die Hochregale reichen bis an die Decke.

Lieferungen weltweit

„Unser Betrieb fällt unter den Bundesemmissionsschutz. Wir hatten Auflagen bekommen, unsere Versandhalle aufzurüsten“, schildert Preetz den Hintergrund. Die Geschäftsführung am Stammsitz Hagen habe dann beschlossen, eine neue Halle zu bauen. Ein Jahr dauerte die Vorbereitung. Grundstücke mussten dazu gekauft, die Zuwegung und Anbindung an die Bundesstraße mussten geklärt werden. Über die alte Zufahrt in Mieste Nord kommen jetzt nur noch die Mitarbeiter in die Firma. Der Schwerlastverkehr ist damit komplett raus aus dem Wohngebiet.

Bilder

Die Halle wurde in Fertigbauweise innerhalb von sechs Monaten erstellt. Seit Anfang dieses Jahres wird der Versand über die neue Halle abgewickelt. Täglich sind es fünf bis zehn Lkw, die an die Rampe fahren. Aber auch Seecontainer werden beladen – vor kurzem erst wieder zwei See-container, die über Bremerhaven nach Indonesien und Australien verschifft wurden. Monatlich sind es etwa zehn Container, die von Mieste aus übers Meer weltweit ausgeliefert werden.

Von 30-Gramm-Packungen bis 4000-Kilo-Behälter

Zur Bechem GmbH gehören aber auch Produktionsstandorte in anderen Ländern, denn der Transport übers Meer dauere einfach zu lange. So habe die Bechem GmbH unter anderem Dependancen in Indien – dafür ist beispielsweise Benjamin Preetz auch zuständig, – und in China. Dieser Standort wird von seinem Kollegen Normen Gadiel betreut. In Mexiko wird eine Produktion gerade aufgebaut. Eine kleine Fertigung gebe es auch in Amerika. Die Vertriebspartner der Bechem GmbH sind weltweit vertreten.

Die Fette werden in verschiedenen Mengen abgefüllt. „Von 30-Gramm-Packungen bis hin zu 4000-Kilo-Behältern für die Stahlindustrie“, erläutert Preetz. Früher sei der Umgang mit den Fetten völlig anders gewesen. „Viel hilft viel“, sei das Motto gewesen. „Das ist heute ganz anders. Da spielt der ökologische Gedanke eine ganz große Rolle“, betont Preetz. Beispielsweise müssten die Bahnschmierstoffe biologisch abbaubar sein. Die Fette für die Automobilindustrie müssen heute 25 Jahre halten. „Denn es gibt spezielle Segmente, wo man nicht mehr nachfetten kann“, so Preetz.

Bechem-Fette in der Formel 1 und im Weltall

Die Bechem-Schmierstoffe seien in ganz vielen Dingen drin, „wo man sie gar nicht vermutet“. Beispielsweise im Kopf der Braun-Zahnbürste, in Einhebelmischern für die Spüle. „Wir waren auch schon in der Formel 1 drin oder im Weltall. Es gibt auf der Welt, glaube ich, kein Auto, wo nicht Bechem-Schmierstoffe drin sind“, betont der Betriebsleiter. Die Fette werden in verschiedenen Mengen abgefüllt. „Von 30-Gramm-Packungen bis hin zu 4000-Kilo-Behältern für die Stahlindustrie“, erläutert Preetz.

Unterdessen hat der Standort Mieste auch eine Halal- und Koscherzertifizierung für Lebensmittelfette für den asiatischen Raum. Diese Fette werden bei Maschinen für die Lebensmittelherstellung verwendet. „Beispielsweise auch für Waffelautomaten“, so Preetz. Die Produktion der sogenannten Sonderfette soll weiter ausgebaut werden. Dazu entsteht derzeit eine neue Produktionshalle unweit der neuen Versandhalle. Die ist übrigens so konzipiert, dass problemlos ein Anbau mit 3600 weiteren Lagerplätzen geschaffen werden kann.

Für die neue Produktionshalle wurde vor kurzem der Grundstein gelegt. Bis Ende 2020 soll die Halle stehen. Ab 2021 soll dort produziert werden. „Es passiert also viel am Standort Mieste“, betont Betriebsleiter Preetz – für ihn seitens des Hauptwerkes in Hagen ein klares Bekenntnis für Mieste. Hier seien in den letzten drei Jahren etwa 10 Millionen Euro investiert worden, beziehungsweise werden noch investiert. Aktuell sind etwa 70 Mitarbeiter in der Carl Bechem GmbH in Mieste beschäftigt. Umfangreiche Neueinstellungen wird es mit der neuen Produktionshalle allerdings nicht geben. „Hier läuft alles hochtechnologisiert ab“, so Preetz.