Jävenitz | Um Punkt 14 Uhr war die Klönbank vor dem Haus von Ingeborg Lamprecht voll besetzt. Die ersten Besucher der Klönbank-Aktion in Jävenitz waren da. Lamprecht, stellvertretende Vorsitzende des Heimatvereines Jävenitz und Initiatorin der Aktion, freute sich, dass die Idee von Einwohnern und Gästen so gut angenommen wurde. „Ich habe das in Kalbe verfolgt, als 2015 dort die erste Bankaktion startete. Dort wurden die Bänke ja prämiert. Wir möchten einfach die Tradition der Klönbank wieder aufleben lassen“, berichtete die Jävenitzerin. Sie erinnerte sich daran, dass in ihrer Kindheit ihre Eltern abends, nach getaner Arbeit, häufig mit Nachbarn vor dem Haus saßen und klönten. „Wir wollen einfach, dass die Leute einmal wieder zusammenkommen.“

Und damit ungezwungen ein Gespräch beginnen konnte, gab es an jeder Station – zwölf Klönbänke stellten die Jävenitzer insgesamt vor die Haustüren – einen Themenschwerpunkt. Ingeborg Lamprecht zum Beispiel ist „großer Hundertwasser-Fan“, wie sie von sich selbst sagte. Bilder des Künstlers Friedensreich Hundertwasser stellte sie in ihrer Garage aus.

Kunst und Handwerk waren auch auf dem Grundstück gegenüber Thema. Fritz Bens lud zum Klönen ein. Der 89-jährige ehemalige Restaurator gewährte Einblicke in seine Werkstatt. Er zeigte Ölgemälde und von ihm restaurierte Möbel und berichtete von seinem Schaffen. Unter anderem restaurierte er Wandmalereien und Altäre in den Kirchen der Altmark aber auch in Halberstadt und Magdeburg.

Bilder

Fotos hängen im Kastanienbaum

Kunst im Garten zeigte Ivonne Henke. Die Bilanzbuchhalterin stellte Keramik und Tonarbeiten aus, die sie in ihrer Freizeit gestaltete. Regelmäßig nahm sie an offenen Töpferkursen teil. Tipps zum Sockenstricken und Renovieren gaben hingegen Peter und Anne Genz. Literarisches von Renate Bergmann und Kurt Tucholsky las Erika Lindecke vor.

An vielen Stationen stand aber auch die Historie des Ortes im Mittelpunkt. Die Brüder Christian und Maik Matthies stellten historische Ansichten vom „Alten Dorf“ Jävenitz aus, die ältesten stammten aus der Zeit um 1900. Diese Zeitdokumente hängten sie in die Krone des Kastanienbaumes vor dem Matthies-Haus. „Das lockert die Runde auf. Die Leute kommen schnell miteinander ins Gespräch“, erklärte Maik Matthies. Die Gäste kamen, sahen sich die Bilder an, erinnerten sich an einstige Begebenheiten. Auch Nachbarn erschienen und brachten selbstgebackenen Kuchen mit. So klönte es sich wunderbar unter der alten Kastanie.

Die Jävenitzer Schulchronik, beginnend um 1888, lag bei Gerhard Busch, Sekundarschuldirektor im Ruhestand, aus. Die Besucher blätterten interessiert in den ausgelegten Dokumenten.

Und nicht nur die Akteure der Klönbank-Aktion nutzten die Veranstaltung, um auf die Geschichte des Dorfes hinzuweisen. Helmut Koch aus Zienau kam nach Jävenitz. Mit dabei hatte er ein Foto von seiner Erstkommunion im Jahre 1949 in Jävenitz. „Viele Gesichter von diesem Bild kenne ich gar nicht mehr. Ich bin in der Hoffnung gekommen, dass Leute Personen auf dem Foto wiedererkennen. Und etwas bin ich schon weitergekommen.“