Jävenitz l 725 Jahre Jävenitz – das will natürlich gebührend gefeiert werden. Dafür sorgt unter anderem der Heimatverein des Ortes und organisierte ein Fest für das kommende Wochenende (3. und 4. September).

Das Programm startet am Sonnabend um 13.30 Uhr mit einem Festumzug durch den Ort, ehe um 14.30 Uhr der neue Gedenkstein im Heidegarten enthüllt werden soll. Im Anschluss gibt es ab 15 Uhr eine Kaffeetafel im Alten Dorf für die ganze Familie. Dazu wird es Aktionen für Kinder, wie Ponyreiten oder eine Hüpfburg, geben. Außerdem plant die Freiwillige Feuerwehr eine Schauvorführung für die Kinder. Am Saonnabendabend wird dann zum Tanz geladen. Für die Musik sorgt die Band The Pins. Der Sonntag steht im Zeichen des Frühschoppens. Dazu werden Schlachteplatten vorbereitet und die Breitenroder Blaskapelle sorgt für die passende Stimmung.

Ursprung des Dorfes

Doch wie hat sich der Gardeleger Ortsteil in den vergangenen Jahren entwickelt? Der ehemalige Bürgermeister und heutiges Heimatvereinsmitglied Heinz Baldus blickt auf die letzten 25 Jahre zurück: „Die größte Errungenschaft war ganz klar, dass wir unsere Schule zurückgeholt haben, nachdem sie 2005 (als Sekundarschule) geschlossen wurde. Zwei Jahre später und nach einem großen Kampf konnte sie 2007 (als Grundschule) wieder öffnen.“ Gekämpft wurde auch, wie in vielen anderen Ortschaften, gegen die Eingemeindung. Jedoch vergeblich. Auch größere Bauprojekte wurden in dieser Zeit gestemmt. So zum Beispiel 1994 die Eisenbahnunterführung oder 2001 die Sanierung der Hauptstraße.

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Jävenitz ist als slawisches Dorf entstanden. Der Stamm der Wenden wanderte zwischen den Jahren 700 und 1100 in die Altmark ein, jedoch waren die fruchtbaren Gebiete wie Trüstedt, Lindstedt oder Hemstedt bereits von germanischen Stämmen eingenommen. So blieben ihnen nur die Heide und die sumpfigen Niederungen des Laugebaches. Der Ortsname besteht aus den slawischen Wörtern „jeve“ und „nitze“, zu Deutsch „Weide“ und „Niederung“. Wörtlich übersetzt bedeutet Jävenitz also so viel wie Weidental.

In seinen ersten Jahren war Jävenitz ein armes kleines Dörfchen mit nicht einmal 100 Einwohnern. Als im Jahre 1228 das Zisterzienser-Nonnenkloster zur Bekehrung der heidnischen Wenden in Neuendorf errichtet wurde, wurde auch Jävenitz durch die Markgrafen Otto und Konrad von Brandenburg 1291 an das Kloster verschenkt. In jener Schenkungsurkunde wurde der Ort erstmalig als wendisches Dorf erwähnt.

Bruno Schulze als Vorreiter

Von kriegerischen Ereignissen wurde Jävenitz oft betroffen. So schlugen sich der Markgraf Ludwig von Bayern und der Herzog Otto von Braunschweig im Hochmittelalter in einer großen Schlacht zwischen Uchtspringe und Schnöggersburg. Auch beispielsweise der Dreißigjährige Krieg hinterließ mit vielen Plünderungen der Jävenitzer Haushalte und Äcker seine Spuren.

Große Bedeutung in der Geschichte der Stadt hatte auch ein besonderer Bürgermeister: „Bruno Schulze ist sozusagen der Julius Beck von Jävenitz“, sagt Heimatforscher Christian Matthies. So gehörte der 1873 als Sohn des Dorfschulzen Friedrich Schulze geborene Jävenitzer im Jahr 1898 zu den Gründungsmitgliedern der Jävenitzer Feuerwehr. Schon fünf Jahre nach Beginn seiner Amtszeit als Bürgermeister sorgte er im Jahr 1909 dafür, dass das gesamte Dorf Strom erhielt. Im April 1914 war er maßgeblich am Baubeginn der neuen Kirche beteiligt, die mitten im Ersten Weltkrieg, 1917, geweiht werden konnte und im kommenden Jahr ihren 100. Geburtstag feiert. 1932 war er dann wiederum der erste, der das Malern der Kirche finanziell unterstützte und damit eine große Spendenaktion anstieß.

Doch Schulze war auch ein moderner Bürgermeister: So gehörte der Bau der Wasserversorgung zu seinen Projekten. Als die Bürger vieler Dörfer im Umkreis noch zum Dorfbrunnen laufen mussten, war Jävenitz bereits 1924 an eine öffentliche Wasserversorgung angeschlossen. Zu verdanken haben die Jävenitzer ihrem Bruno Schulze übrigens auch eines der größten altmärkischen Denkmale an die gefallenen Soldaten im Ersten Weltkrieg. Welches Jubiläum als nächstes gefeiert werden kann, hängt noch von der Auswertung der Ausgrabungen ab. Vielleicht ist es dann ja sogar ein vierstelliges.