Jeseritz l Das machte den gestandenen Mann dann doch sprachlos, und er hatte Tränen vor Rührung in den Augen. „30 Jahre Fuchsjagd – Danke Peter“ und ein Reiterbild aus jungen Jahren – mit diesem großen Fotoplakat, angebracht hoch oben in der Luft zwischen zwei Strohrollentürmen, überraschten die Mitglieder der Interessengemeinschaft Reiter und Kutscher Jeseritz den Mann der ersten Stunde, Peter Kremer, zur Jubiläumsfuchsjagd auf dem Festplatz an der Straße in Richtung Sachau. Damit hatte Peter Kremer nicht gerechnet. Auch nicht mit dem zweiten Geschenk, das er am Abend bei der Jubiläumsparty im Jeseritzer Saal erhielt. Ein großes Fotobuch mit unzähligen Aufnahmen von den 30 Fuchsjagden in Jeseritz.

20 Kilometer durch die herbstliche Natur

Doch zuvor gab es bei der Begrüßung erst einmal viel Beifall für Peter Kremer und seine Helfer. Nach einem stärkenden Frühstück startete die Jubiläumstour durch Wald und Flur mit einigen Stopps zwischendurch – bei Speis und Trank, Pilzesammeln und einem Pferdebad in der Sachauer Kieskuhle. 19 Kutschen und Kremser und 19 Reiter hatten sich auf den Weg gemacht. Nach gut 20 Kilometern und etlichen Stunden kehrten die Reiter und Fahrer wieder zum Festplatz zurück. Auf den Wagen und Kutschen wurde da schon ordentlich gesungen und geschunkelt. Während die Fahrer Aufstellung nahmen, gingen die Reiter nach dem obligatorischen Feuersprung auf die Jagd nach dem Fuchs. Der war in diesem Fall traditionell ein gekaufter Fuchsschwanz, angebracht an einem Galgen.

Den Jubiläumssieg sicherte sich Erhard Stein aus Mieste auf seinem schmucken Schimmel namens Boni. „Das wird teuer“, lautete schmunzelnd der Kommentar aus den Zuschauerreihen. Danach folgte die Auswertung der Fuchsjagd, die bekannterweise nach strengen Regeln erfolgt. Wer die nicht eingehalten hatte, musste ein Strafgeld löhnen. Unterdessen hatten die Mitglieder der Interessengemeinschaft den Versorgungsstand aufgebaut unter anderem mit Deftigem vom Grill, Erbsensuppe mit Bockwurst aus der Gulaschkanone, Kaffee und vielen anderen Getränken. Am Abend wurde dann noch zünftig im Saal das Jubiläum gefeiert.

Bilder

Zum Jubiläum eigens aus der Schweiz angereist

Peter Kremer und Heiko Dier hatten 1989 die erste Fuchsjagd organisiert. Zunächst noch ohne einen Verein im Hintergrund. Der wurde dann 1999 als Ländlicher Reit- und Fahrverein Jeseritz von Heiko Dier und Gerd Feißel gegründet. Unter der Regie des Vereines wurden dann der jährliche Reitertag, die Jeseritzer Fuchsjagd und die legendären Faschingspartys organisiert. Später löste sich der Verein auf. „Aus finanziellen Gründen“, erinnerte sich Ines Rapp. Außerdem seien es immer weniger Mitglieder geworden. Vor fünf Jahren wurde die Interessengemeinschaft Reiter und Kutscher Jeseritz ins Leben gerufen, die nun einmal im Jahr – immer am letzten Oktoberwochenende – die Jeseritzer Fuchsjagd organisiert.

Zum festen Kern der Truppe gehören etwa 15 Helfer, darunter sind auch viele junge Familien, die das Heft künftig in die Hand nehmen werden. Dazu gehören Friedrich und Eileen Knake, Matthias Rapp und Diana Olms, Antin und Sven Augustin sowie Cindy Schulze mit ihrem Sohn Lucas. Von der älteren Generation sind es unter anderem Peter und Britta Kremer, Hartmut und Ines Rapp, Martina und Uwe Borstel, die mit Hand anlegen. Peter Kremer ist übrigens der einzige, der auch alle 30 Fuchsjagden als Reiter begleitet hat. Nur einmal, 2010, hatte er den Fuchs gefangen. „Da sieht man mal, wie schwer das ist“, sagte Kremer und rieb lachend Daumen und Zeigefinger aneinander. Erfreulich sei es vor allem, dass die Jeseritzer Fuchsjagd ein großes Stammpublikum habe. Solange, wie es ihm gesundheitlich gut geht, wird er im Sattel sitzen. „Es wird also definitiv auch weiter die Fuchsjagd in Jeseritz geben. Wir haben ja jetzt wieder neun Jahre Zeit, die 40. Fuchsjagd zu planen“, betonte der 58-Jährige.

Zur Jubiläumsausgabe war übrigens auch eine Familie angereist, die viele Jahre die Fuchsjagd mit organisiert hatte und die seit einigen Jahren in der Schweiz am Bodensee lebt: Simone und Hannes Rau mit ihren Kindern. 750 Kilometer hin und 750 Kilometer zurück. Kein Thema für Familie Rau, um gemeinsam mit den Mitstreitern von einst die 30. Fuchsjagd zu feiern.