Zeitgewinn

Kinderklinik vorerst gesichert

Das Problem ist noch nicht gelöst, aber es gibt für den Erhalt der Gardelegener Kinderklinik und der Suche nach Fachärzten mehr Zeit.

Von Cornelia Ahlfeld 17.12.2020, 17:33

Gardelegen l Europaweit arbeitende Personalagenturen vermitteln sogenannte Honorarärzte, die die Vertretung unter anderem in Urlaubszeiten übernehmen oder auch bei personellen Engpässen in Kliniken einspringen – und auch das europaweit. Sie sind quasi als Springer im Einsatz. Allerdings zumeist nur für relativ kurze Zeiten. Im Fall der Gardelegener Kinderklinik konnte eine solche Honorarärztin, eine Fachärztin für Kinder- und Jugendmedizin, für einen Zeitraum von drei Monaten gewonnen werden. Sie wird am 1. Januar ihren ersten Arbeitstag in Gardelegen haben. „Damit kann die fachärztliche Lücke, die das Ausscheiden der jetzigen Chefärztin aus der stationären Tätigkeit mit sich bringt, vorerst überbrückt werden“, zeigte sich Hans-Joachim Fietz-Mahlow, Geschäftsführer der Salus Altmark Holding als Träger des Klinikums mit seinen Standorten in Gardelegen und Salzwedel, erfreut.

Auch für eine Assistenzärztin im Mutterschutz konnte ein Ersatz gefunden werden. Es handele sich um einen Arzt in Weiterbildung, der sich eine berufliche Zukunft in der Altmark vorstellen könne. Er wird einen Festvertrag erhalten, ergänzte Yvonne Bolle, Pressesprecherin der Altmark-Klinikum GmbH, auf Volksstimme-Anfrage.

Damit könne noch einmal Zeit gewonnen werden für die „Besetzung der vakanten chef- und fachärztlichen Positionen“, so Fietz-Mahlow. Denn die Personalsituation sei nach wie vor schwierig. „Um die Weiterführung der stationären kinder- und jugendmedizinischen Versorgung sichern und den ambulanten Sektor in Gardelegen stärken zu können, müssten neben einer ärztlichen Leitung noch mindestens zwei weitere Fachärzte sowie ein bis zwei Assistenzärzte gewonnen werden“, betonte Fietz-Mahlow. Er hofft, dass dieses Ziel bis zum Ende des ersten Quartals 2021 erreicht werden könne.

Dennoch werde geprüft, inwiefern Kooperationen oder sogar strategische Partnerschaften mit anderen Krankenhäusern einen Weg bieten können, um die stationäre Versorgung aufrecht zu erhalten. „Die fachärztliche Situation ist aber selbst in Ballungszentren sehr angespannt, so dass wir hier im Wettbewerb mit vielen anderen Trägern stehen“, machte Fietz-Mahlow deutlich. Eine Zusammenarbeit mit Vertretungsärzten biete mittel- und langfristig keine Lösung, um die Kinder- und Jugendmedizin zukunftsfähig weiter zu entwickeln. „Dafür wird verlässliches und motiviertes Stammpersonal gebraucht, das der Region und ihren Menschen verbunden ist“, stellte Fietz-Mahlow klar.

Dennoch sei die Zusammenarbeit mit Vertretungsärzten – auch im Pflegebereich – eine übliche Praxis, erläuterte Yvonne Bolle. Es handele sich um Ärzte und Pflegepersonal, die sich bewusst für eine solche Arbeitsweise entscheiden, um ihren Arbeitsalltag frei gestalten zu können. „Das ist durchaus attraktiv für viele Mediziner. Ohne die Honorarärzte könnten viele Kliniken gar nicht arbeiten“, betonte Bolle. Auch das Altmark-Klinikum habe schon Honorarärzte eingesetzt. Aktuell erst am Standort Salzwedel in der Anästhesiologie

Im Vorfeld habe es im Zuge einer bundesweiten Personalsuche zwei Bewerbungen für die Kinderklinik gegeben: ein Interessent für die ärztliche Leitung und eine Interessentin für eine Assistenzarztstelle. „Die intensiv geführten Bewerbungsgespräche führten jedoch aus verschiedenen Gründen nicht zum Abschluss eines Arbeitsvertrages“, bedauerte Fietz-Mahlow.

Über die „erfreulichen Nachrichten“ zeigte sich auch Gardelegens Bürgermeisterin Mandy Schumacher erleichtert. „Wir haben erst einmal Zeit gewonnen und die Kinderklinik ins erste Quartal des neuen Jahres gerettet.“ Sie und ihre Mitstreiter seien frohen Mutes und werden weiter versuchen, Ärzte für Gardelegen zu gewinnen. Außerdem bestehe ja immer die Hoffnung, dass die, die nun da seien, vielleicht auch da bleiben. Seitens der Stadt gebe es auf jeden Fall Unterstützung, wenn sie ihren Lebensmittelpunkt in die Region verlegen wollen.

„Einen Lichtblick“ nannte Sandra Hietel, Vorsitzende des städtischen Sozialausschusses, diesen ersten Erfolg, vor allem mit Blick darauf, „wie wir begonnen haben“. Denn da stand die Schließung der Kinderklinik zum Jahresende im Raum. Sie sehe es als „gutes Zeichen“, dass die Bemühungen erste, kleine Früchte tragen. Und sie machte deutlich, dass weiter um den Erhalt gekämpft werde. „Wir werden auf keinen Fall Ruhe geben.“ Das große Ziel im neuen Jahr sei, dass Bewerber um den Chefarztposten gewonnen werden können.

Ende Mai dieses Jahres war bekannt geworden, dass die Salus Altmark Holding plant, im Rahmen von Umstrukturierungen die Kinderklinik in Gardelegen zu schließen. Unter anderem sollte es Spezialisierungen in den Häusern in Gardelegen und Salzwedel geben. In Gardelegen sollte eine ambulante Versorgung angeboten werden und in Salzwedel eine stationäre. Hintergrund seien finanzielle und personelle Probleme, hieß es. Es fehle schlichtweg medizinisches Fachpersonal. Die Schließungspläne sorgten für zahlreiche Proteste. Im Ergebnis dessen wurde im September das Aktionsbündnis Kindergesundheit gegründet mit dem gemeinsamen Ziel aller Beteiligten, der Salus Holding, der Altmark-Klinikum GmbH, Stadt und Kreis sowie des Fördervereines der Kinderklinik, die stationäre Betreuung in Gardelegen zu erhalten. Unter anderem wurde die Werbeaktion „Land in Sicht“ gestartet, um Fachpersonal zu werben (Volksstimme berichtete).